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Fusion am Automarkt? : Fiat Chrysler und Renault starten Angriff auf VW

  • Aktualisiert am

Minivans von Chrysler stehen auf einem Parkplatz im amerikanischen Colorado. Bild: AP

Fiat Chrysler hat Renault ein Fusionsangebot gemacht. Die Franzosen bekunden schon ihr Interesse. Der riesige Verbund würde mit Volkswagen den bislang größten Autokonzern der Welt bei den Verkäufen überholen.

          Der Autokonzern Fiat Chrysler (FCA) schlägt eine Fusion mit Renault vor. Das teilte das Unternehmen am Montag mit. Schon am Sonntag war über Kooperationsgespräche hinter den Kulissen berichtet worden. Ein Zusammenschluss würde den größten Autokonzern der Welt formen und die Marktführer Volkswagen und Toyota herausfordern. Die Aktien von Renault kletterten am Montag im vorbörslichen Handel um neun Prozent. Die in Frankfurt notierten Titel von Fiat Chrysler legten gut acht Prozent zu.

          Fiat Chrysler schlägt eine Fusion zu gleichen Teilen der Unternehmen als einen 50/50-Zusammenschluss vor. Die neu entstehende Holding soll ihren Sitz den Plänen zufolge in den Niederlanden haben und an den Börsen in Mailand, Paris und New York gelistet werden. Der Renault-Verwaltungsrat signalisierte am Montag Interesse an dem Fusionsvorschlag. „Der Verwaltungsrat hat nach sorgfältiger Prüfung des freundlichen FCA-Vorschlags entschieden, die Gelegenheit eines solchen Zusammenschlusses mit Interesse in Augenschein zu nehmen“, teilte der französische Autohersteller mit. Der Plan könne die Position der Renault-Gruppe in der Industrie stärken und zusätzlichen Wert für die Allianz schaffen. 

          „Der vorgeschlagene Zusammenschluss würde einen globalen Autohersteller schaffen, herausragend in Bezug auf Umsatz, Volumen, Rentabilität und Technologie sowie von Vorteil für die Anteilseigner der Unternehmen“, teilte Fiat Chrysler weiter mit. Es habe bereits Gespräche zwischen beiden Unternehmen gegeben, um Produkte und Regionen für eine Zusammenarbeit zu identifizieren. Mit einem Schulterschluss könnten beide Autohersteller ihre jeweiligen Schwachstellen besser ausgleichen. Während Fiat Chrysler in Nordamerika mit Kleintransportern erfolgreich ist, steht das Geschäft in Europa unter Druck. Renault wiederum ist ein Pionier auf dem Gebiet der Elektroautos mit einer starken Präsenz in Schwellenmärkten, dafür aber ohne Geschäft in den Vereinigten Staaten.

          Französischer Staat redet mit

          In französischen Medien war am Wochenende schon die Rede davon gewesen, dass nun am größten Autokonzern der Welt geschmiedet werde. Doch sollt es zu einer Allianz aus Renault, Nissan, Mitsubishi, Fiat und Chrysler kommen, stellte sich auch die Frage, ob eine so weitgefasste Verbindung für das Management nicht zu komplex werden könnte. 

          In der Politik und vonseiten der Gewerkschaften ist mit größerem Widerstand zu rechnen, vor allem in Italien. Die meisten europäischen Werke von Fiat Chrysler sind relativ schwach ausgelastet. Außerdem ist an Renault der französische Staat beteiligt, was der italienischen Regierung sauer aufstoßen könnte. Der französische Staat hat bei Renault ein gehöriges Wort mitzureden, er hält 15 Prozent der Anteile. Renault hält 43,4 Prozent der Anteile an Nissan. Nissan ist seinerseits zu 15 Prozent an Renault beteiligt. Die Regierung in Paris begrüßte am Montag die Absichten der Autohersteller, zusammenzugehen. „Wir brauchen heute (Industrie-) Giganten, die sich in Europa bilden“, sagte Regierungssprecherin Sibeth Ndiaye den Sendern BFMTV und RMC. 

          Die Gespräche der beiden Unternehmen über eine mögliche Annäherung seien ohne Beteiligung des Staates geführt worden, hieß es aus Regierungskreisen. Der Staat sei aber am vergangenen Freitag informiert worden, dass ein Angebot an Renault gerichtet werden könnte. Bei einer Fusion müssten Bedingungen erfüllt werden, hieß es weiter. So solle bei einem Zusammenschluss zwischen FCA und Renault die bereits bestehende Autoallianz von Renault mit den japanischen Herstellern Nissan und Mitsubishi bewahrt und gestärkt werden. Der Staat werde auch auf die Beschäftigen achten.

          Affäre um Manager Ghosn

          Der französische Hersteller Renault ist seit langem mit den japanischen Autobauern Nissan und Mitsubishi in einer Allianz verbunden. Zusammen verkauften sie im vergangenen Jahr 10,76 Millionen Fahrzeuge. Mit dem amerikanisch-italienischen Autoriesen FCA kämen die Hersteller auf mehr als 15 Millionen. Sie würden damit deutlich Volkswagen (10,83 Millionen) überholen. FCA führt unter anderen die Marken Alfa Romeo, Fiat, Chrysler, Dodge, Jeep oder Maserati. Der Konzern hat nach eigenen Angaben rund 199.000 Beschäftige.

          Renault strebt nach früheren Informationen aus Japan eine Fusion mit Nissan an. Dessen Chef Hiroto Saikawa hatte aber unlängst deutlich gemacht, dass man einen Zusammenschluss für unnötig halte. Der französische Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire drang erst in der vergangenen Woche darauf, die Allianz zwischen Renault und Nissan zu festigen. „Wir brauchen solide, starke und gefestigte Industriekonzerne“, hatte er gesagt. Frankreich dringt seit längerem darauf, dass Europa auf wirtschaftlicher Ebene seine Souveränität verteidigt und Branchenriesen schafft.

          Nach der Verhaftung des Automanagers Carlos Ghosn in Japan war das von ihm geschaffene und kontrollierte französisch-japanische Auto-Bündnis in eine schwere Krise geraten. Ghosn war ein Verstoß gegen Börsenauflagen in Japan vorgeworfen worden. Seither wurde er mehrfach wegen weiterer angeblicher Vergehen angeklagt und kam kürzlich zum zweiten Mal auf Kaution aus der Untersuchungshaft. Ghosn hatte die Anschuldigungen mehrfach zurückgewiesen.

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