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Möbelhersteller : Schieder-Rettung gescheitert

  • Aktualisiert am

Stammwerk in Schieder-Schwalenberg Bild: ddp

Der Verkauf des größten europäischen Möbelherstellers Schieder ist gescheitert. Nach den millionenschweren Bilanzmanipulationen seien die Risiken für Investoren unkalkulierbar. Jetzt droht dem Unternehmen die Zerschlagung.

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          Die Hoffnungen auf Rettung des insolventen Möbelherstellers Schieder haben sich zerschlagen. Die Verhandlungen über einen Verkauf des größten europäischen Möbelproduzenten seien gescheitert, teilte Schieder am Donnerstag mit. Die Risiken und Altlasten nach den Bilanzmanipulationen unter dem alten Management schreckten mögliche Investoren ab. Am Wochenende hatte der ostwestfälische Möbelhersteller noch erklärt, die gesamte Gruppe hoffe auf eine Rettung durch einen Investor.

          Der Möbel-Riese hat europaweit rund 11.000 Beschäftigte, davon 1400 in Deutschland. Um Arbeitsplätze zu retten, müssten die einzelnen Gesellschaften nun rasch verkauft werden, hieß es.

          Rund 140 Tochter-Gesellschaften

          „Es gibt keine pauschale Übernahme der Gruppe“, gestand Interims-Geschäftsführer Ulrich Wlecke in einer Telefonkonferenz ein. Nun folgten unweigerlich Insolvenzen von Schieder-Töchtern in Deutschland und Polen. Zum verschachtelten Schieder-Imperium gehören rund 150 Gesellschaften. Töchter in Liechtenstein und der Schweiz sowie in Italien und Bosnien-Herzegowina seien aber nicht von der Insolvenz betroffen.

          Ob die Gruppe zusammengehalten werden könne, hänge an den Insolvenzverwaltern in Deutschland und Polen, betonte Wlecke. Befürchtungen der IG Metall, 75 Prozent der Stellen in Deutschland stünden auf der Kippe, halte er für Spekulation. Der Erhalt von Stellen sei aber mit der Insolvenz schwerer geworden, räumte er ein. Die Gewerkschaft hatte die Insolvenz als „Super- Gau“ für die Region bezeichnet.

          Vier Ex-Manager in Untersuchungshaft

          Er hoffe, dass bei einem schnellen Erwerb Teile der Gruppe erhalten werden könnten, sagte Wlecke. Mit der Insolvenz werde auch Rechtssicherheit für Investoren geschaffen, die die Lasten der Vergangenheit fürchteten. Vier ehemalige Schieder-Spitzenmanager waren in Untersuchungshaft genommen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, über Jahre die Bücher gefälscht und damit Kredite und Genussscheine über rund 283 Millionen Euro erschlichen zu haben.

          Schieder produziert unter anderem für Ikea und Segmüller. Nach früheren Angaben Wleckes lasten Verbindlichkeiten von rund 350 Millionen Euro auf der Gruppe. Bei dem Möbelriesen sind nach Angaben des Managements rund 50 Banken engagiert. Finanzkreisen zufolge sind darunter auch Goldman Sachs, die Deutsche Bank, eine DZ-Bank-Tochter, die IKB und die KfW.

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