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Mode als Beruf : Die tapferen Schneiderinnen

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Kathrin von Rechenberg: Deutsche Modedesignerin in Peking Bild: Stephan Finsterbusch

Sie arbeiten mit Nadel, Faden und Schere, nähen auf Maß und mit der Hand und lassen das harte Geschäft mit der Mode als Kunst erscheinen. Stephan Finsterbusch beschreibt den Weg von drei deutschen Schneiderinnen in Peking, London und Halle/Saale.

          Chic in China: Peking, der uralte Tempel am Pulverturm, Kathrin von Rechenberg steht hinter der Bühne. Sie weiß nicht recht, wohin mit ihren Händen, zupft am Kleid und fährt sich durchs Haar. Das hat sie in den vergangenen drei Minuten sechsmal gemacht. Kein Wunder: Der Saal ist voller Menschen, der Laufsteg dicht gesäumt, das Scheinwerferlicht grellgelb. Rechenberg ist nervös. Für diese Show hat sie monatelang gearbeitet, mit Nadel und Faden, Augenmaß und wunden Fingern, Tag und Nacht. Gleich kommt ihr Auftritt.

          Kathrin von Rechenberg hat ein kleines feines Atelier im Reich der Mitte

          In der vergangenen Stunde hatte sie bei wohltemperierter Musik in den ausgedienten Tempelhallen die Models ihre neueste Kollektion vorführen lassen. Mode à la Rechenberg: lange Kleider, kurze Röcke, Mäntel, Hosen, Jacken, Feines und Bequemes, edle Stoffe, Filz und Wolle, Merino, Kaschmir und Seide. Klassische Schnitte, erdige Farben; alles edel, alles tragbar, alles selbst von Hand gemacht. Wertarbeit „made in China“. Rechenberg muss nun Gesicht zeigen. Lächeln, Augen auf und durch. Ein kurzer Gang über die Bühne. Blitzlichtgewitter, Verbeugung, Applaus, noch ein Gewitter, noch eine Verbeugung, Abgang. Der Vorhang fällt. Geschafft. Rechenberg umarmt ihr Team, nimmt ein Glas Sekt und sagt einfach nur „Danke“.

          Während die in München aufgewachsene, in Paris ausgebildete und in Peking lebende Maßschneidermeisterin fern der Heimat ihren Weg gefunden, sich in einer alten Fabrik ein kleines feines Atelier aufgebaut und der hohen Kunst der Schneiderei im Reich der Mitte so einen Auftritt nach Maß verpasst hat, beugt sich die junge Frankfurter Textildesignerin Lilly Heine in London über ihre Entwürfe für das Modehaus Alexander McQueen. Sie mag Wolle und Seide, Weiches, Glattes, Zartes. Heine gilt in der Branche als aufgehender Stern und hat noch einiges vor.

          „Wir wollen in die großen Kaufhäuser“

          Susan Kottwitz: Bedient Mireille Mathieu - in ihrem Atelier in Halle an der Saale

          Das hat Susan Kottwitz auch. Sie ging nicht nach Peking oder London. Sie blieb zu Hause in Ostdeutschland, in Halle an der Saale. Im Hinterhof eines verfallenden Bürgerhauses fing alles an, damals, als die Berliner Mauer fiel. Handgemachte Damenmode aus dem Abriss: In Paris hätten sie eine knallige Werbung daraus gemacht, in Halle ging es für Kottwitz ums Überleben. Als Jugendliche hatte sie sich ihre Kleider selbst genäht. Nach Lehre, Meisterbrief und mitten im Schicksalsjahr der Wende nahm sie allen Mut zusammen und übernahm eine kleine Schneiderei. Da war sie 23. Sie machte alles, was gefragt war: Änderungen und Maßanfertigungen, Auftragsarbeiten und exklusive Stücke. Kottwitz war sich für nichts zu schade. Qualität spricht sich herum. Bald konnte sie die Änderungsschneiderei streichen und ganz das machen, was sie wollte: Mode.

          Heute hat sie ihr Atelier in der jahrhundertealten sanierten Neuen Residenz gleich hinter dem Dom. Tonnengewölbe, Lichthof, Deckenstuck und Holzparkett. Ein kleines Gewandhaus. Sie macht Kleider, ihr Mann den Kommerz; sie entwirft, er rechnet. Nun will Kottwitz wachsen. Der Vertrieb wird gestärkt, das Marketing geschärft. „Wir wollen in die großen Kaufhäuser: das KaDeWe in Berlin, das Alsterhaus in Hamburg, die Galeries Lafayette.“ Sie steht im Atelier. Es reicht über zwei Etagen, unten die Boutique, oben die Schneiderei; unten wird angepasst, abgesteckt und verkauft, oben geschnitten, genäht und geplättet. Susan Kottwitz hat ihre Manufaktur von Jahr zu Jahr vergrößert und den Kundenstamm wachsen lassen. Unternehmerinnen, Anwältinnen, Professorinnen, Theater-, Film- und Fernsehstars.

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