https://www.faz.net/-gqe-we34

Mobiltelefone : Nokia steigert Gewinn um 67 Prozent

  • Aktualisiert am

Proteste nach Bekanntgabe der Werksschließung Bild: AP

Weil Nokia sein eigentlich profitables Bochumer Werk nach Rumänien verlagert, sorgte der Handyhersteller für einen Aufschrei. Mit Begriffen wie „Subventionsheuschrecke“ kritisierten Politiker die Entscheidung. Neue Zahlen spielen den Kritikern in die Karten: Nokia hat seinen Quartalsgewinn rasant gesteigert.

          2 Min.

          Der finnische Nokia-Konzern hat seine Gewinne 2007 stark gesteigert und die Handy-Konkurrenten in allen Bereichen weit hinter sich gelassen. Wie das Unternehmen am Donnerstag in Helsinki mitteilte, stieg der Nettogewinn im vergangenen Jahr um 67 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro.

          Im besonders erfolgreichen vierten Quartal konnte der souveräne Weltmarktführer seinen Marktanteil auf 40 Prozent erhöhen. Das Unternehmen will deshalb seine Dividende für die Aktionäre in diesem Jahr um 23 Prozent auf 0,53 Euro je Aktie erhöhen. Konzernchef Olli-Pekka Kallasvuo sagte: „Nokias fantastisches viertes Quartal hat dazu beigetragen, dass 2007 zu einem Jahr mit starkem Wachstum und erhöhter Rentabilität für uns wurde.“ 2007 sei insgesamt „ein Jahr mit wichtigen strategischen Entscheidungen“ gewesen.

          Wütende Reaktionen der Mitarbeiter

          Die Bekanntgabe der Zahlen sorgte bei den Mitarbeiter des von der Schließung bedrohten Bochumer Handy-Werks für wütende Reaktionen. „7,2 Milliarden Reinerlös - damit könnten die über 100 Jahre unsere Lohnkosten zahlen“, rief die Betriebsratsvorsitzende Gisela Achenbach bei einer „alternativen Bilanz-Pressekonferenz“ zum mittäglichen Schichtwechsel.

          Die Bochumer Nokianer hätten durch Sonderschichten und Sonntagsarbeit erheblich zum Erfolg beigetragen. „Der Gewinn ist auch unser“, sagte Achenbach. Die Gewerkschaft setze auf neue Gespräche mit der Geschäftsführung, sagte die IG-Metall-Bevollmächtigte Ulrike Kleinebrahm. „Der Imageschaden für Nokia tut denen jetzt schon weh. Wir werden nachsetzen.“ Die SPD in Nordrhein-Westfalen und die Linke bezeichneten die Rekordergebnisse von Nokia als „Schlag ins Gesicht“ der Bochumer Beschäftigten. „Die Wut in Bochum, NRW und ganz Deutschland über Nokia ist groß“, schimpfte SPD-Generalsekretär Michael Groschek.

          Nokia-Chef entschuldigt sich

          Der Chef des finnischen Handy-Konzerns Nokia, Olli-Pekka Kallasvuo, hat sich unterdessen für die Entscheidung zur geplanten Werksschließung in Bochum ausdrücklich entschuldigt. Er sagte in Helsinki: „Ich will mich dafür entschuldigen, dass wir dazu kommen mussten, eine so schmerzliche Entscheidung zu treffen. Sie basiert aber auf soliden Argumenten.“

          Kallasvuo kündigte baldige Gespräche mit der Landesregierung in Nordrhein-Westfalen an, um „innovative Lösungen für die Region Bochum zu finden“. Nokia wolle zeigen, dass das Unternehmen ein „verantwortungsbewusster Teil der Gesellschaft“ sei.

          „Subventionsheuschrecke“ und „Karawanenkapitalismus“

          Treiber für die guten Zahlen des Handyherstellers war vor allem die hohe Nachfrage aus Schwellenländern, wo günstige Geräte nachgefragt werden. Der Umsatz wuchs im vierten Quartal um 34 Prozent auf 15,72 Milliarden Euro und der operative Gewinn von 1,52 Milliarden auf 2,49 Milliarden Euro. Mit einem verwässerten Überschuss von 0,47 Euro pro Aktie übertraf der Branchenprimus die Erwartungen der von Thomson Financial befragten Analysten, die im Durchschnitt mit 0,42 Euro pro Anteil gerechnet hatten.

          Wegen der geplanten Schließung seines Werkes in Bochum und der Verlagerung des Standortes ins billigere Rumänien war der Konzern in den vergangenen Wochen stark in die Kritik geraten. Aus Solidarität mit den Bochumer Arbeitern kündigten mehrere deutsche Politiker einen Nokia-Boykott an. Außerdem entbrannte eine Diskussion über die Subventionsvergabe in Deutschland und in der EU.

          „Das sorgt für Zuversicht im Markt“

          Nicolas von Stackelberg vom Bankhaus Sal. Oppenheim bewertete die Zahlen in einer Schnelleinschätzung als „sehr, sehr gute Zahlen“. In allen Bereichen hätten die Finnen die Umsätze gesteigert bei gleichzeitig steigender Profitabilität. Bislang lautet seine Einschätzung für die Nokia-Aktie „Neutral“ mit einem Kursziel von 22 Euro. „Die veröffentlichten Zahlen sind aber besser als unsere Schätzungen“, sagt der Analyst.

          Positiv wertet ein anderer Analyst, dass Nokia die Prognose eines Wachstums des Handy-Marktes von 10 Prozent für das laufende Jahr bestätigt habe. Hierauf richte sich das Anlegerinteresse stärker als auf die Quartalszahlen selbst. „Das sorgt für Zuversicht im Markt.“ Mit Blick auf die Debatte um eine Rezession in den Vereinigten Staaten sei die bekräftige Prognose „hilfreich“.

          Weitere Themen

          Renault schockt die Börse

          Prognose gekappt : Renault schockt die Börse

          Renault hat seine Umsatz- und Gewinnziele gekürzt. Die schwächelnde Autonachfrage trifft den französischen Autokonzern stärker als bislang gedacht. Der Aktienkurs verlor bis zu 14 Prozent.

          Topmeldungen

          Isabel Schnabel ist eine profilierte Kennerin der Finanzmärkte und der Geldpolitik.

          Isabel Schnabel rückt auf : Eine Bereicherung für die EZB

          Isabel Schnabel ist Expertin für Banken und Finanzmärkte. Dennoch wird ihre Berufung in die EZB-Führung als Nachfolgerin von Sabine Lautenschläger nicht jedem gefallen. Sie hat sich schon deutlich positioniert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.