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Umfrage unter Unternehmen : Mittelstand löst sich aus Corona-Schock – Insolvenzgefahr bleibt hoch

  • Aktualisiert am

Arbeiter beobachtet eine Papiermaschine in Brandenburg: Die Geschäftslage im Mittelstand hat sich zuletzt deutlich verbessert. Bild: dpa

Vor allem kleine und mittlere Unternehmen stufen ihre Geschäftslage wieder deutlich besser ein. Dagegen bleibt die Industrie ein Sorgenkind – und sind laut einer Untersuchung deutlich mehr Beschäftigte von Insolvenzen betroffen.

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          Deutsche Mittelständler verlassen zunehmend die Schockstarre der Corona-Krise. „Die kleinen und mittleren Unternehmen gehen mit einem soliden Erholungskurs ins Sommerquartal“, erklärte die Bankengruppe KfW am Donnerstag zu ihrem Mittelstandsbarometer mit dem Münchner Ifo-Institut.

          Das Geschäftsklima sei im Juli zum dritten Mal in Folge gestiegen. Auch bei den Großunternehmen helle sich die Stimmung auf. „Ihre aktuelle Geschäftslage schätzen diese Unternehmen aber trotz des aktuell kräftigen Anstiegs noch doppelt so schlecht ein wie die Mittelständler.“ Vor allem der Handel profitiere von der anziehenden Konjunktur. „Insbesondere bei den kleinen und mittleren Einzelhändlern scheint die temporäre Mehrwertsteuersenkung einen deutlichen Effekt zu haben.“ Die Geschäftslage sei hier wieder auf das Niveau von vor der Corona-Krise geklettert.

          Wenn der Mehrwertsteuersatz 2021 wieder von 16 auf 19 Prozent erhöht werde, müssten die Unternehmen aber mit einer Gegenbewegung rechnen. „Sorgenkind der deutschen Wirtschaft bleibt die Industrie“, betonten die KfW-Fachleute. Die mittelständischen Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes bewerten demnach ihre Geschäftslage „deutlich schlechter als die Mittelständler aller anderen Wirtschaftsbereiche“. Noch pessimistischer blickten die großen Industrieunternehmen auf ihre Geschäftslage. Doch diese Betriebe setzten auf bessere Aussichten und mehr Exportgeschäft.

          Steigende Zahl von Großinsolvenzen

          „Nach dem Absturz ins Bodenlose im April ist den kleinen und mittleren Unternehmen ein recht ordentlicher Neustart gelungen“, sagte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. Die positivere Stimmung stütze sich nicht nur auf bessere Aussichten, sondern seit Juni auch wieder auf eine bessere Geschäftslage. „Nach dem historischen Einbruch im ersten Halbjahr sind die Weichen für ein hohes Wachstum im Sommerquartal gestellt.“ Ein Risiko jedoch blieben steigende Neuinfektionen – in Deutschland und weltweit. 

          Doch auch in Hinblick auf Unternehmensinsolvenzen bestehen noch erhebliche Risiken. Darauf hat das Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) in einer Studie hingewiesen. Demnach sind in Deutschland deutlich mehr Beschäftigte von Unternehmensinsolvenzen betroffen – und das, obwohl die Zahl der Pleiten weiter gesunken ist.

          Wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Insolvenztrend der Hallenser Ökonomen hervorgeht, waren im Juli drei Mal so viele Stellen von den gemeldeten Zahlungsschwierigkeiten betroffen als im Durchschnitt der ersten drei Monate dieses Jahres. Laut IWH liegt das an der steigenden Zahl von Großinsolvenzen. Zugleich sank die Zahl der angemeldeten Insolvenzen im Vergleich zum Juni um 3 Prozent und im Vergleich zum Vorjahresmonat sogar um 11 Prozent. Diese Entwicklungen sind laut der Studie jedoch wenig aussagekräftig.

          Um eine Pleitewelle durch die negativen Folgen der Corona-Pandemie zu verhindern, hat die Bundesregierung die strengen Regeln zur Anmeldung einer drohenden Zahlungsunfähigkeit bis Ende September deutlich gelockert. IWH-Forsche Steffen Müller geht davon aus, dass die gemeldeten Insolvenzen nach der Rückkehr zu den alten Regelungen wieder steigen.

          In der Zwischenzeit müsse man die Zahl der betroffenen Stellen im Auge behalten. Das IWH wertet zu diesem Zweck die Zahl der Beschäftigten der 10 Prozent der größten Unternehmen aus, die einen Insolvenzantrag gestellt haben. Im Juli waren das laut Mitteilung 23.600. Zwischen Januar und März lag der Wert hingegen bei jeweils rund 6700 betroffenen Beschäftigten. Damit habe sich die Zahl verdreifacht. Im Vergleich zum Juni waren 76 Prozent mehr Stellen von Unternehmensinsolvenzen betroffen.

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