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Insiderwissen um Aktien : Ermittler durchsuchen Büros der Berenberg Bank

Die Berenberg Bank in Frankfurt Bild: Wolfgang Eilmes

Die älteste Bank Deutschlands ist durch Vorwürfe gegenüber ihrem Gesellschafter Hendrik Riehmer in die Aufmerksamkeit der Justiz gerückt. Er könnte sich mit Insiderwissen im Zusammenhang mit Aktien strafbar gemacht haben.

          Ermittler des Landeskriminalamts haben zeitgleich Geschäftsräume der Berenberg Bank in Hamburg, zwei private Villen und Büros eines Immobilienunternehmers in der Innenstadt durchsucht. Die Beamten erhofften sich von den Razzien, die schon am vergangenen Mittwoch stattfanden und von Vertretern der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) begleitet wurden, mehr Informationen über eine Transaktion mit Aktien der Reederei Hapag-Lloyd im Jahr 2017, die womöglich gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstieß.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Ein Sprecher der Bank bestätigte die Durchsuchungen, über die zuerst das „Hamburger Abendblatt“ berichtet hatte. „Die Behörden untersuchen eine Transaktion unter dem Gesichtspunkt des Verdachts auf Insiderhandel“, sagte er. „Wir kooperieren vollumfänglich mit den Behörden und gehen fest davon aus, dass sich dieser Verdacht nicht bestätigen wird.“ Die Ermittlungen richten sich nicht gegen die Bank, sondern gegen einen ihrer persönlich haftenden Gesellschafter: Hendrik Riehmer, der neben Bankchef Hans-Walter Peters in der Unternehmensleitung sitzt und für das Investmentbanking verantwortlich ist. Außerdem sollen ein früherer Kollege, Daniel C., der eine Immobiliengesellschaft leitet, und eine Frau aus seinem privaten Umfeld zu den Beschuldigten gehören.

          Ihnen soll Riehmer schon Anfang 2017 Informationen weitergegeben haben, wonach die TUI AG, die damals noch mit einem größeren Anteil an Hapag-Lloyd beteiligt war, ihre Aktien bald verkaufen werde. Darüber soll er Insider-Wissen gehabt haben, da Berenberg als Dienstleister eingebunden war. Als TUI die Transaktion im Juli bekanntmachte und die Aktie anstieg, sollen die Aktienpakete, welche die beiden Mitbeschuldigten zuvor erworben haben sollen, innerhalb eines Tages 3,7 Millionen Euro an Wert gewonnen haben. Die Beschuldigten wollten sich persönlich nicht äußern.

          Meldepflicht vernachlässigt

          Dem Bericht zufolge soll ein Gericht einen sogenannten Arrestbeschluss erlassen haben, wonach gut 20 Millionen Euro von den Konten der beiden Mitbeschuldigten sichergestellt wurden. Ein solcher Schritt sei nur möglich, wenn ein hinreichender Tatverdacht bestehe, hieß es.

          Allerdings dürfte es nicht einfach sein, einen konkreten Gesetzesverstoß nachzuweisen. Schließlich war schon lange bekannt, dass TUI beabsichtigte, seine Beteiligung an Hapag-Lloyd loszuschlagen. Außerdem dürfte längst nicht klar gewesen sein, dass der Ausstieg eines wichtigen Großaktionärs tatsächlich einen Kursanstieg von Hapag-Lloyd verursachen würde.

          Die Reederei war früher ein Teil des Preussag-Konzerns, der später in TUI umbenannt worden war. Am 10. Juli 2017 hatte TUI bekanntgemacht, dass es seine letzten 8,5 Millionen Aktien zu einem garantierten Mindestpreis „in einem auf dem offenen Markt plazierten Blocktrade“ verkauft hatte, nachdem schon seit März ein Teil der Position aufgelöst worden war.

          Die Privatbank Berenberg ist die älteste Bank in Deutschland und wird seit ihrer Gründung von persönlich haftenden Gesellschaftern geführt. Wie die „Wirtschaftswoche“ im Mai 2018 berichtet hatte, wird gegen Riehmer, der zusammen mit Peters insgesamt 26,1 Prozent der Stimmrechtsanteile von Berenberg kontrolliert, auch in einer anderen Sache ermittelt. Er soll für Kunden der Bank jeweils mehr als 10 Prozent der Aktien mehrerer börsennotierter Unternehmen aufgekauft oder sich Zugriff darauf gesichert haben.

          Obwohl dabei meldepflichtige Schwellen berührt worden sein sollen, habe die Bank das nicht öffentlich gemacht, lautete der Verdacht. Berenberg weist die Vorwürfe zurück. In den vergangenen Jahren war die Bank auch durch Ermittlungen rund um ihre Schweizer Niederlassung ins Gerede gekommen, in denen es um Steuerhinterziehung überwiegend in den Jahren 2004 bis 2011 ging. Ermittlungen wegen Verdachts auf Beihilfe zur Steuerhinterziehung auf Panama waren dagegen eingestellt worden.

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