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Mitbestimmung : Offener Streit zwischen Volkswagen und Porsche

Winterkorn wünscht sich wieder ruhigeres Fahrwasser Bild: AP

In der Auseinandersetzung um die Mitbestimmung bei Volkswagen hat sich der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn für einen raschen Dialog mit dem Großaktionär Porsche ausgesprochen. Der Betriebsratsvorsitzende Osterloh attackierte indes den Porsche-Chef weiter.

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          Im Streit um die Mitbestimmung bei Volkswagen hat sich der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn für einen raschen Dialog mit dem Großaktionär Porsche ausgesprochen. „Wir müssen so schnell wie möglich miteinander reden“, sagte Winterkorn am Dienstag am Rande einer Podiumsdiskussion der IG Metall in Frankfurt. „Ich hoffe, dass es dann zu einer Einigung kommt.“ Andernfalls droht ein Konflikt zwischen dem VW-Betriebsrat und Porsche zu eskalieren.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Denn um die Rechte der VW-Arbeitnehmer in der neuen Porsche-Holding zu wahren, hatte der VW-Betriebsrat am Montag bereits Klage beim Stuttgarter Arbeitsgericht eingereicht. Nun attackierte der VW-Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh den Porsche-Chef Wendelin Wiedeking wegen der Mitbestimmungsvereinbarung für die Holding: Der Vertrag sei ein „Schlag ins Gesicht der mündigen Arbeitnehmer im Volkswagen-Konzern“, sagte Osterloh während einer VW-Betriebsversammlung in Wolfsburg. Winterkorn sagte in Frankfurt, dass er die Klage zwar nicht kenne, der Betriebsrat aber „im Rahmen der Mitbestimmung“ durchaus das Recht zu diesem Schritt habe: „Wir müssen dem Betriebsrat zugestehen, wenn er Bedenken hat, diese auch zu äußern.“

          Brief an die Mitarbeiter

          Osterloh kritisierte vorab in einem Brief, den er vor der Betriebsversammlung an alle 324.000 VW-Mitarbeiter verschickt hat, nicht nur Porsche-Chef Wiedeking, sondern indirekt auch den Porsche-Betriebsratsvorsitzenden Uwe Hück: „Das Vorgehen des Porsche-Chefs steht dem Demokratieprinzip der sozialen Marktwirtschaft und der von unserem Kollegen Uwe Hück gelobten deutschen Mitbestimmung zutiefst entgegen“, heißt es in dem dreiseitigen Brief, der der F.A.Z. vorliegt.

          Bernd Osterloh übt weiter scharfe Kritik

          Laut Osterloh haben in der neuen Porsche-Holding die 12.000 Porsche-Arbeitnehmer „genauso viel Gewicht wie die der 324.000 Beschäftigten des Volkswagen-Konzerns.“ Tatsächlich sollen jeweils drei Arbeitnehmervertreter von VW und Porsche in den zwölfköpfigen Aufsichtsrat der Holding einziehen, sobald Porsche seinen VW-Anteil auf mehr als 50 Prozent erhöht. Winterkorn äußerte sich dazu am Dienstag nicht. Osterloh fordert hingegen neue Verhandlungen über die Rechte der Arbeitnehmer. In seinem Brief heißt es dazu: „Damit wir dann auch tatsächlich keinen Einfluss mehr auf unsere eigenen Geschicke nehmen können, hat sich der Porsche-Vorstand einen weiteren Kniff einfallen lassen. Der Vertrag ist praktisch unkündbar.“

          Osterloh begründete in seinem Brief auch noch einmal die Klage gegen Porsche: Weil „Herr Wiedeking an Gesprächen mit uns als Euren Arbeitnehmervertretern“ nicht interessiert gewesen sei, „sehen wir nun keine andere Möglichkeit mehr, als gerichtlich überprüfen zu lassen, ob die bei Porsche geschlossene Mitbestimmungsvereinbarung gegen geltendes Recht verstößt.“

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