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Gehälter : Viele Mitarbeiter fühlen sich unfair entlohnt

Kritik: Extreme Relation aufgrund der niedrigen Tarifvergütung

Gerechte Entlohnung spielt nicht nur im Vergleich mit Kollegen eine Rolle, sondern auch im Vergleich mit Vorgesetzten bis hin zum höchsten Management. Beliebt sind derzeit Multiplikatoren, die ausdrücken, das Wievielfache eines durchschnittlich gezahlten Gehalts der Vorstandsvorsitzende bekommt. Von diesem Vergleich hält Haussmann gar nichts. Er sei kaum aussagefähig. Dort komme immer wieder nur raus, dass der Chef eines kleinen spezialisierten Dienstleisters (Softwarehaus) relativ wenig verdient und der Chef eines großen Produktionsunternehmens relativ viel. Das liege zum einen daran, dass das Durchschnittseinkommen im Softwarehaus viel höher liege als im Produktionsunternehmen und dass zweitens der Chef eines international tätigen Produktionsbetriebs auch mehr Verantwortung trage. „Es ist daher absolut angemessen, dass der Chef eines Großkonzerns überproportional mehr bekommt als jener eines kleinen Dienstleistungsuntnehmens“, findet Haussmann.

Darin ist er sich einig mit seinem Kollegen Alexander von Preen. Auch der Vergütungsexperte der Personalberatung Kienbaum weist darauf hin, dass die extrem hohe Vergütungsrelation von 37 zu 1 im Einzelhandel kein Ausdruck exorbitant hoher Managergehälter sei, sondern der niedrigen Tarifvergütung der Mitarbeiter. Von Preen unterstützt die Aussage, dass die Unternehmensgröße das allein ausschlaggebende Kriterium für die Höhe des Managerentgelts sein kann – und nicht das Durchschnittsgehalt der Mitarbeiter. Nach einer Kienbaum-Untersuchung liegt das Gehalt des Vorstandsvorsitzenden im Durchschnitt der privaten Unternehmen 19 Mal so hoch wie das Durchschnittsgehalt seiner Angestellten.

Deutsche Vorstände europaweit an der Spitze der Entgeltskala

Wie bei Angestellten und Arbeitern stellt sich für Haussmann auch bei Mangergehältern die Frage der Transparenz. Die Öffentlichkeit, die amerikanische Börsenaufsicht und Corporate-Governance-Vorschriften verlangen zunehmend, dass Managergehälter offengelegt werden. Das sei im Sinne von mehr Transparenz auch zu begrüßen. Allerdings gebe es eine Tendenz, die Managerentgelte immer komplizierter zu gestalten, gibt Haussmann zu. Die derzeitige Forderung, bei Misserfolgen eines Managers auch bereits gezahltes Entgelt zurückzufordern, mache die Verträge noch einmal erheblich komplexer. „Es besteht natürlich die Gefahr, dass das ganze kontraproduktiv wirkt. Wenn selbst der Begünstigte die Zusammensetzung seines Entgelts nicht mehr nachvollziehen kann, dann wirkt auch jeder variable Bestandteil nicht mehr leistungssteigernd“, warnt Haussmann. Eine Rückkehr zu einfachen Gehaltsstrukturen für Manager sehe er jedoch nicht.

Im internationalen Vergleich sei zu beobachten, dass deutsche Vorstände in Europa an der Spitze der Entgeltskala liegen. Global sind die Vorstände in Großbritannien und den Vereinigten Staaten besser bezahlt. Die Managergehälter seien aber global betrachtet sehr viel homogener als alle anderen Gehaltsstufen. Während die Vergütungsunterschiede im unteren Bereich (Arbeiter) international enorm seien und auch im mittleren Management noch immer groß, sei im Top-Management eine zunehmende globale Angleichung zu beobachten. „Wir sind auf dem Weg zu einem Weltgehalt bei Vorständen“, beobachtet Haussmann. Das sei die konsequente Folge davon, dass immer häufiger grenzüberschreitend Vorstände eingestellt würden.

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