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Mit zwei Jahren Verspätung : Jetzt werden neue ICEs ausgeliefert

Die Bahn kommt Bild: dapd

Mit über zwei Jahren Verspätung liefert Siemens 4 der 16 bestellten ICEs an die Deutsche Bahn aus. Das Eisenbahnbundesamt hat nach Informationen der F.A.Z. die langersehnte Freigabe erteilt.

          Der Weg für die Auslieferung von 16 ICE-Hochgeschwindigkeitszügen an die Deutsche Bahn ist frei. Nach Informationen dieser Zeitung hat das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) am Freitag noch kurz vor Weihnachten vier Züge für den Einsatz im Personenverkehr zugelassen. Dies war aus Kreisen der Beteiligten zu erfahren. Damit könnte womöglich der größte Teil der Züge noch in diesem Winterfahrplan eingesetzt werden, der am 15. Dezember begonnen hat.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Rein theoretisch könnte die Deutsche Bahn die Züge sofort einsetzen. Beobachter rechnen allerdings damit, dass sie zunächst nicht im laufenden Betrieb auf der Schiene verkehren, sondern vorerst lediglich als Reserve vorgehalten werden sollen. Gerade zu verkehrsstarken Zeiten wie an Freitag- oder Sonntagabenden hatte die Bahn bislang für Ausfälle beim sogenannten rollenden Material kaum Ersatz zur Verfügung. Mit den neuen Zügen könnte sich diese angespannte Lage etwas verbessern.

          Die ICE-Züge der dritten Generation hätten eigentlich schon im Oktober 2011 ausgeliefert werden sollten. Seitdem gab es immer wieder Querelen zwischen dem Bahnbetreiber DB, dem Zughersteller Siemens und dem Eisenbahn-Bundesamt (EBA) als Kontrollinstanz. Die Beteiligten schoben sich die Schuld für die teuer gewordenen Verzögerungen gegenseitig zu.

          Montage am ICE 3 in einer Siemens-Fabrikhalle in Krefeld

          In diesem Herbst waren bereits zwei ICE 3 für Schulungs- und Testzwecke freigegeben worden, allerdings nicht für den Personenverkehr. Zuletzt sollten vor einem Jahr acht der von Siemens unter dem Namen Velaro D gebauten Züge eingesetzt werden. Jedoch wurde die Auslieferung wegen Softwareproblemen bei den hochkomplexen Bremssystemen abermals gestoppt. Personalengpässe im Eisenbahn-Bundesamt kamen erschwerend hinzu: Sie sorgten dafür, dass Änderungen nur zögerlich abgenommen werden konnten. Alleine im vergangenen Jahr hatte ein EBA-Prüfer 60 Mängel an den neuen Zügen beanstandet. Seit dem Sommer wurde das EBA jedoch von den privaten Organisationen TÜV und Dekra unterstützt, um die Prüfungen und Abnahmen zu beschleunigen. Dennoch rechneten Experten nicht mehr damit, dass Züge noch in diesem Jahr freigegeben werden.

          Für die Deutsche Bahn, die bislang durch den milden Winter von wetterbedingten Ausfällen weitgehend verschont blieb, ist die Freigabe der ersten Tranche ein beruhigendes Signal. Sie kann nun mit einer kleinen Reserve ihrer zum Teil überalterten ICE-Flotte mit etwas mehr als 250 Zügen disponieren. Die Bahn arbeitet an der Kapazitätsgrenze, da Achsprobleme in den vergangenen Jahren zu verkürzten Wartungsintervallen und dementsprechend zu weniger Zugeinsätzen führten.

          Siemens-Chef Kaeser sprach noch kürzlich von einer „Mega-Peinlichkeit“

          Für den Siemens-Vorstandsvorsitzenden Joe Kaeser, seit dem 1. August im Amt, dürfte das Plazet des EBA ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk sein. Die Verzögerungen hatten das Image des Konzerns erheblich angekratzt. Vor wenigen Wochen sprach Kaeser selbst von einer „Mega-Peinlichkeit“ und plädierte für eine enge Zusammenarbeit mit der Bahn bei künftigen Projekten. Siemens wird von 2017 an auch die rund 300 neuen Züge der ICx-Generation liefern, die die ICE-1-Flotte und die EC- und IC-Züge ersetzen soll. Die jetzige Freigabe durch das EBA könnte auch ein wichtiges Signal für den Siemens-Konkurrenten Bombardier sein. Auf dessen 135 Doppelstock-Züge wartet die Bahn ebenso.

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