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Teslas riesige Batteriefabrik : Wie das Elektroauto den Durchbruch schafft

Noch ist es ungewohnt, dass der Tankschlauch mit einem Ladekabel ersetzt wird. Bild: AFP

Tesla plant mit einer 5 Milliarden Dollar teuren Fabrik, Elektroautos zum Standard zu machen. Ein neuer Blick in die Pläne zeigt: Das ist zwar ambitioniert - aber durchaus möglich.

          Teslas Vorstandschef Elon Musk sorgt gern für Aufsehen: Ob es nun die Freigabe aller Patente ist oder der Plan, eine riesige, 5 Milliarden Dollar teure Fabrik zu eröffnen. Mit dieser Fabrik will Tesla den Markt für Elektroautos komplett umkrempeln, vor allem sollen sie günstiger werden. Nun konnte Visual Capitalist, eine Internet-Plattform für Investoren, einen tieferen Blick in die Pläne werfen – und wie sie die Autoindustrie verändern wird.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Der teuerste Teil eines Teslas sind die Akkus“, schreibt Visual Capitalist Gründer Jeff Desjardins in einem Blogpost. „Wenn die Kosten unter die Grenze von 200 Dollar je Kilowattstunde fallen, werden Elektroautos mit konventionellen Autos mithalten können – und das sogar ohne Subventionen.“  Desjardins schätzt, dass das mit der gigantischen Fabrik möglich sein wird. Heute kostet eine Kilowattstunde rund 300 Dollar bei Tesla. Bei anderen Autoherstellern sind es Schätzungen zufolge zwischen 500 und 600 Dollar – ein unschätzbarer Kostenvorteil. Die Elektroautos von Tesla haben eine Kapazität von bis zu 85 Kilowattstunden. Damit hat Tesla schon heute einen Preisvorteil von 25.000 Dollar gegenüber der Konkurrenz – Tendenz dank der riesigen Rabrik eher steigend.

          Die Eröffnung von Teslas Batteriefabrik ist für das Jahr 2017 geplant. Das fällt genau mit dem geplanten Startdatums der dritten Generation von Teslas Elektroautos zusammen. Das Model 3 soll dabei wesentlich günstiger sein. Während das aktuelle Model S im günstigsten Fall rund 66.000 Euro kostet, sollen es beim Model 3 nur die Hälfte sein. In der neuen Fabrik sollen die Elektroautos effizienter zusammengebaut werden. Und die Batterien sollen billiger werden. Damit wäre mit dem Auto ein Durchbruch auf dem Massenmarkt möglich, schätzen Branchenexperten.

          Noch ist es nur eine Computersimulation, aber so soll Teslas Gigafabrik aussehen. Bilderstrecke

          Teslas Ziel ist es, innerhalb eines Jahres in der neuen Fabrik mehr Lithium-Ionen-Akkus herzustellen, als 2013 auf der ganzen Welt produziert wurden. Durch die eigene Herstellung der Batterien könnten die Kosten um rund 30 Prozent je Kilowattstunde fallen, schätzt Visual Capitalist. Die Produktion von Lithium-Ionen-Batterien benötigt viele Mineralien wie Graphit, Kobalt und natürlich auch Lithium. Laut der Schweizer Großbank UBS gehen 70 Prozent der Kosten für jede Batterie auf diese Rohstoffe zurück. Die Weltproduktion von Graphit betrug 375.000 Tonnen im Jahr 2013 – Teslas riesige Fabrik würde diese Menge um 126.000 Tonnen anheben. Das meiste Kobalt der Welt kommt heute mit Abstand aus der Demokratischen Republik Kongo. Aber eben von dort will Tesla den Rohstoff aufgrund politischer Bedenken nicht beziehen. Lithium soll laut Visual Capitalist aus China kommen.

          Noch dieses Jahr soll entschieden werden, wo die Fabrik genau stehen soll. Die Entscheidung wird zwischen den amerikanischen Bundesstaaten Nevada, New Mexico, Arizona und Texas fallen. Die Pläne sind trotzdem schon relativ weit fortgeschritten. Der benötigte Strom soll sowohl von Solar-Panels als auch durch Windenergie produziert werden. Arbeiten sollen dort auf 400 Hektar rund 6500 Menschen. Mit der Fabrik soll es möglich sein, 500.000 Autos im Jahr herzustellen. Aktuell verkauft Tesla lediglich 35.000 Autos jährlich. Das amerikanische Unternehmen selbst will 2 Milliarden Dollar investieren, die restlichen 3 Milliarden Dollar sollen Investoren liefern.

          Das günstige Tesla-Auto, dass Modell S, hat heute eine Reichweite von 390 Kilometern, fährt bis zu 190 Kilometer pro Stunde und hat 306 PS. Von 0 auf 100 benötigt es 6,2 Sekunden. Beim teuersten Modell für mindestens 90.000 Euro beträgt die Reichweite schon heute 502 Kilometer bei einer Höchstgeschwindigkeit von 210 Kilometer pro Stunde und 421 PS. Damit ist es das einzige langstreckentaugliche E-Auto.

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