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Dosen für Banksy & Co. : Sie machen die Düse

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Molotow wirbt damit, dass die Sprühdosen besonders leise sind. Bild: Molotow

Mit welchen Dosen sprühen eigentlich weltberühmte Graffitikünstler? Nicht wenige kaufen sie von einem Schwarzwälder Unternehmen.

          Wilhelm Feuerstein gründete im Jahr 1959 in Lahr am Fuße des Schwarzwalds das Unternehmen Farben Feuerstein. Sein Sohn Jürgen übernahm den Betrieb knapp vierzig Jahre später und schuf eine Marke mit dem einprägsamen Namen Molotow. Sie sollte, erklärt Feuerstein, beim Kunden gewisse Assoziationen mit einem breiten Interpretationsspielraum wecken.

          Der gelernte Groß- und Einzelhandelskaufmann entwickelte den ersten Prototyp graffitioptimierter Sprühdosen; dabei nutzten ihm selbsterworbene Kenntnisse über Farben und ihre Zusammensetzung, Haltbarkeit, Qualität und Deckkraft. Mit weniger Sprühnebel und schärferen Strichkanten hätten die neuentwickelten Farbdosen den Boden für eine ganze Bewegung bereitet, heißt es vom Unternehmen.

          Jürgen Feuerstein begann mit Künstlern aus der noch jungen internationalen Graffitiszene zusammenzuarbeiten. Der Austausch mit Künstlern wie zum Beispiel Dare aus der Schweiz und Seen aus New York – inzwischen ist er eine Ikone der Graffiti-Writing-Kultur – halfen bei der Weiterentwicklung der Sprühdosen und der Marker. Schon im Jahr 2000 hatte das Unternehmen laut Feuerstein den inzwischen weltberühmten britischen Streetart-Künstler Banksy auf einer Veranstaltung in Hamburg gesponsert.

          Gute Haftung

          Nach drei Jahren Entwicklungszeit wurde 1998 mit der ersten leisen Sprühdose der Welt, dem Burner, die Marke Molotow geboren. Sie muss nur wenige Male geschüttelt werden, ohne dass dafür noch Mischkugeln notwendig sind. Durch eine spezielle Farbzusammensetzung geht das Durchmischen der am Boden gesammelten Pigmente geräuschlos vonstatten. Auch nach zwanzig Jahren ist dieses Produkt immer noch ein wichtiger Umsatzträger des Unternehmens. Nach 1998 folgten weitere Innovationen wie die erste Künstlersprühdose für präzise, urbane Kunst.

          Daneben wurden vielseitig einsetzbare Acrylmarker entwickelt und auf den Markt gebracht. Alle diese Produkte gelten nach Angaben des Inhabers als Wegweiser für zukünftige Farbkonzepte auf dem Kunstmarkt. Das bestätigt der junge Offenburger Künstler Tony Luong. Die Molotow-Farben hafteten sehr gut auf jedem Untergrund und zeichneten sich durch eine kurze Trocknungszeit und eine kräftige Farbdeckung aus. „Durch die starke Farbdeckung selbst der größten Farbgegensätze wie Weiß auf Schwarz kann mit den Molotow-Farben sehr gut plastisch gearbeitet werden“, erklärt Luong. „Außerdem muss oft unter Zeitdruck gearbeitet werden, was durch die schnelle Trocknung der Farben unterstützt wird“, fügt er hinzu.

          In Lahr arbeiten 34 Mitarbeiter. Molotow bringt nach Auskunft des Geschäftsführers jedes Jahr etwa zwei bis vier Produkte des Kernsortiments, also Sprühdosen und Marker, neu heraus. Zusätzlich werden jährlich weitere fünf bis zehn Produkte aus anderen Bereichen wie Untergründe, Zubehör und Merchandise vermarktet. Feuerstein betont, Molotow sei in den Bereichen Qualität und Innovation in der Graffitiszene der globale Marktführer. Mit einem Anteil von 60 Prozent am Umsatz sind die Farbdosen nach wie vor das wichtigste Standbein des Unternehmens.

          Führend mit Aquasystemen

          Neben dem Burner ist nach Feuerstein die Molotow-Premium die derzeit zuverlässigste Referenzspraydose, die auch bei Minusgraden funktioniert. Die ökologischste Sprühdose sei die 2016 eingeführte One4all-Sprühdose. In ihr wurden 85 Prozent der flüchtigen Lösungsmittel durch Wasser ersetzt; das sorgt für weitgehende Geruchlosigkeit.

          Nach Angaben von Feuerstein werden 40 Prozent des Umsatzes durch Marker erzielt. Auch da seien die Aquasysteme des Unternehmens führend; sie fänden großen Anklang im Do-it-yourself- und Handlettering-Segment, aber auch im Graffiti-Sketching. Alle Markersysteme mit der R.E.M.-Technologie – R.E.M. steht für Refill Exchange Mix – sind bis zu 50-mal nachfüllbar.

          Die Sprühdosen kosten zwischen 5 und 10 Euro, die Marker drei bis 10 Euro. Die Preise seien im Branchenvergleich relativ hoch; doch man stecke viel Geld in Forschung und Entwicklung. Auf dem Markt gibt es viel billige Massenware aus Fernost. Dazu sagt Feuerstein: „Wir haben uns darauf spezialisiert, 99 Prozent unseres Kernsortiments in Deutschland zu produzieren. Der Kunde darf dann selbst entscheiden, was ihm mehr wert ist: eine langfristige Qualität oder die kurzzeitige Freude über einen günstigen Preis.“ Nur ein Hersteller könne qualitativ mithalten: Montana Cans aus Heidelberg.

          Auch Kunden aus der Wirtschaft

          Laut Feuerstein hat man 2017 auf der Welt rund zwei Millionen und 2018 etwa 2,5 Millionen Sprühdosen abgesetzt. Der Jahresumsatz liege im unteren zweistelligen Millionenbereich. 40 Prozent werden in Deutschland erzielt. Exportiert wird in sechzig Länder. „Neben dem heute nicht mehr wegzudenkenden Internethandel über Internetshops, Newsletter und diverse Social-Media-Plattformen gibt es auch noch das klassische Printmarketing mit Mailingaktionen, die drei- bis viermal im Jahr aufgesetzt werden“, berichtet Feuerstein. Den größten Teil seines Umsatzes erzielt Molotow aber nach wie vor über den stationären Handel und den Großhandel. In allen wichtigen Ländern arbeitet man mit lokalen Vertriebspartnern zusammen. Läden existieren zum Beispiel in Prag, Warschau und Madrid.

          Neben den Kunden aus der Graffiti- und Kunstszene zählen laut Feuerstein auch Konzerne wie Lufthansa, Porsche und Bosch zu den Kunden. Seit 2016 unterhält man eine langfristige, strategische Partnerschaft mit der Schneider Schreibgeräte GmbH, die sich vor allem auf eine gemeinsame Produktentwicklung und erweiterte Vertriebskanäle konzentriert.

          Schon 2004 initiierte Feuerstein die erste reine Graffitiausstellung auf der Welt; sie hieß K31. Heute stehen teure Kunstwerke von bekannten Graffitikünstlern wie Banksy, Seen und Co. in den renommierten Museen der Welt, zum Beispiel im Moco Museum in Amsterdam und dem Museum der Weltkulturen in Mailand.

          Der Artikel stammt aus dem Schülerprojekt „Jugend und Wirtschaft“, das die F.A.Z. gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Banken veranstaltet.

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