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„Mit Augenmaß“ : Bahn bereitet höhere Preise vor

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Bald könnte es mit den Preisen wieder rauf gehen Bild: Felix Seuffert / F.A.Z.

Bahnkunden müssen sich abermals auf höhere Preise einstellen. Aller Voraussicht nach werden die Tickets zum Jahreswechsel teurer. Bahnchef Grube, sprach aber von Preiserhöhungen „mit Augenmaß“. Gleichzeitig sagte er, ein Börsengang stehe derzeit nicht an.

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          Bahnkunden müssen sich abermals auf Preiserhöhungen einstellen. Aller Voraussicht nach werden die Fahrscheine zum Jahreswechsel teurer werden. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Rüdiger Grube, sagte am Dienstag in Berlin, mit Rücksicht auf die Kunden werde es Preiserhöhungen „mit Augenmaß“ geben. Die Entscheidung über die neuen Tarife werde „in den nächsten 7 bis 14 Tagen“ fallen.

          „Ich kann die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens nicht völlig aus dem Auge verlieren“, begründete Grube die Absicht des Vorstands. In den vergangenen Jahren hat die Bahn regelmäßig die Preise im Nah- und Fernverkehr angehoben; zuletzt stiegen sie im Dezember 2008 um durchschnittlich 3,9 Prozent. Die zurückliegenden Preisrunden begründete die Bahn immer wieder mit den gestiegenen Energiepreisen.

          Zur Zeit muss der Konzern in der Wirtschaftskrise schwere Einbußen an Umsatz und Gewinn hinnehmen. Im Güterverkehr verzeichnet die Bahn dieses Jahr einen Einbruch um rund 25 Prozent. Negativ wirken sich auch die technischen Schwierigkeiten bei der Berliner S-Bahn aus. In ihrer Planung hatte Bahn hier einen Ergebnisbeitrag von 125 Millionen Euro kalkuliert. Nach den Ausfällen der vergangenen Monate rechnet sie inzwischen mit Verlusten. Bahnchef Grube verwies überdies auf den Schuldenberg der Bahn von 15,3 Milliarden Euro; mittelfristig sollten davon 5 Milliarden Euro abgetragen werden.

          Grube: Börsengang steht derzeit nicht an

          Bahnchef Rüdiger Grube hat sich zudem gegen eine Aufspaltung seines Konzerns gewandt und steht damit im Widerspruch zu Union und FDP. Grube sprach sich am Dienstag in Berlin abermals für den Verbund von Schienennetz und Transportgesellschaften aus. Dies sei der entscheidende Faktor, um Pünktlichkeit im Bahnverkehr zu erreichen. „Das kann man nur gewährleisten, wenn alle Bereiche eng zusammenarbeiten.“ Das Beispiel England habe gezeigt, dass die Zersplitterung der Bahn der falsche Weg sei. Er könne sich nicht vorstellen, dass politisch Verantwortliche diesen Argumenten nicht zugänglich seien.

          Grube sagte, ein Börsengang des bundeseigenen Konzerns stehe angesichts der Finanzkrise nicht an. Grundsätzlich sei die Privatisierung zwar weiterhin eine Option - derzeit jedoch nicht aktuell: „Ein Börsengang wäre eine Vernichtung von Unternehmenswerten“, sagte er.

          Die FDP hat in ihrem Wahlprogramm klar das Ziel der Bahn-Privatisierung verankert: „Das Schienennetz dagegen wollen wir von den Verkehrsbereichen trennen und als Aktiengesellschaft im Eigentum des Bundes belassen“, heißt es dort. Die Union bekennt sich in ihrem Wahlprogramm ebenfalls zur Privatisierung und macht deutlich: „Im Sinne einer Teilprivatisierung müssen Schienennetz und Bahnhöfe in der Hand des Bundes bleiben.“

          Gewerkschaften befürchten Zerschlagung des internen Konzern-Arbeitsmarkts

          Bahnchef Grube war wenige Monate vor der Bundestagswahl unter anderem mit Unterstützung des SPD-Verkehrsministers Wolfgang Tiefensee zum Nachfolger von Hartmut Mehdorn ernannt worden, der ebenfalls eine Aufspaltung der Bahn über Jahre bekämpft hatte. Die FDP und große Teile der Union wollen der Bahn das Schienennetz entziehen, um Konkurrenten des Staatskonzerns den Zugang zum Netz ohne Diskriminierung zu ermöglichen. Damit soll auch mehr Verkehr auf die Schiene gebracht werden.

          Die Bahn-Gewerkschaften Transnet und GDBA lehnen eine Aufspaltung ab, weil sie unter anderem die Zerschlagung des internen Arbeitsmarktes im Konzern befürchten. Hier können überzählige Arbeitskräfte aus den Bereichen Netz und Bahnhöfe zum Güter- oder Personenverkehr oder auch umgekehrt verschoben werden. Beide Gewerkschaften warnten am Dienstag vor einem „blinden Privatisierungskurs“. Angesichts der Lage auf den Finanzmärkten sei das auf absehbare Zeit nicht auf der Tagesordnung. Die Vorsitzenden Alexander Kirchner und Klaus-Dieter Hommel warnten, „das erfolgreiche Modell es integrierten Bahnkonzerns anzutasten und die DB AG zerschlagen zu wollen“. Auch der SPD-Verkehrsexperte Uwe Beckmeyer warnte vor einer leichtfertigen Aufgabe des Konzernverbundes. Grube selbst bekannte sich abermals grundsätzlich zur Option der Privatisierung, nannte sie aber derzeit nicht aktuell. „Ein Börsengang wäre eine Vernichtung von Unternehmenswerten“, sagte er.

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