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Mission halb erfüllt : René Obermann bleibt Telekom-Chef

René Obermann Bild: dapd

Der Aufsichtsrat verlängerte den Vertrag fast ein Jahr vor Ablauf. Ein solcher Vertrauensbeweis ist in einem Dax-Konzern eher selten. Nun bleibt René Obermann für weitere fünf Jahre Chef der Deutschen Telekom.

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          Ein solcher Vertrauensbeweis ist in einem Dax-Konzern eher selten. Fast ein Jahr, bevor sein Vertrag als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom im November 2011 auslaufen wird, hat René Obermann die Verlängerung in der Tasche. Erwartungsgemäß hat der Aufsichtsrat am Donnerstag zugestimmt. Obermann hat den ersten Teil seiner Mission erfüllt. Die Aufräumarbeiten in der Telekom sind abgeschlossen, jetzt hat er Zeit bis 2016, um den Konzern mit neuen Ideen auf Wachstumskurs zu bringen. Wenn alles gutgeht, wird er die am Donnerstag abgesegnete neue Mittelfriststrategie „Verändern – Verbessern – Erneuern“ selbst abarbeiten können. Obermann sei der „richtige Mann für die Zukunft“ und werde den Konzern zu neuen Erfolgen führen, lobte ihn Ulrich Lehner, der Vorsitzende des Aufsichtsrates.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Ernsthafte Zweifel an einer zweiten Runde für Obermann bestanden schon lange nicht mehr. Anfangs gab es Rückschläge, mehrfach musste der Vorstandschef schlechte Nachrichten verkünden und Gewinnprognosen nach unten korrigieren. Aber das wurde weniger Obermann angekreidet als seinen Vorgängern, die die Dinge hatten schleifen lassen. Die Skepsis, die ihm zunächst entgegenschlug, verwandelte sich bald in Anerkennung, auch für sein geschmeidiges Auftreten gegenüber der Politik. Ohne die Unterstützung des Bundes, der als Großaktionär noch immer die Fäden im Hintergrund zieht, säße Obermann heute nicht so fest im Sattel.

          Aber dass es mit der Vertragsverlängerung so schnell ging, hat er vor allem der Bonner Staatsanwaltschaft zu verdanken. Als sie im Spätsommer Ermittlungen gegen ihn einleitete, weil der Telekom-Chef in eine Schmiergeldaffäre auf dem Balkan verwickelt sein soll und sogar Obermanns Privatwohnung durchsucht wurde, stärkte ihm der Aufsichtsrat demonstrativ den Rücken. Weit vor der üblichen Zeit wurden die Verhandlungen über den Anschlussvertrag aufgenommen. Der Korruptionsverdacht ist immer noch nicht endgültig vom Tisch, aber es gibt nach Angaben der Staatsanwaltschaft auch keine neuen Erkenntnisse, die gegen Obermann sprechen. An ihm ist auch vorher nichts hängen geblieben von den Skandalen und Affären, welche die Telekom in seinen vier Jahren an der Spitze erschüttert haben.

          Erfolge im Deutschlandgeschäft

          Für den 47 Jahre alten Manager, der durch seine Ehe mit Fernsehmoderatorin Maybritt Illner einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden ist, sprechen vor allem die Erfolge im Deutschlandgeschäft. Gegen alle Widerstände hat er den Konzern von Grund auf umgekrempelt. Als er im November 2006 als Vorstandschef antrat, übernahm Obermann von seinem vorzeitig entlassenen Vorgänger Kai-Uwe Ricke eine riesige Baustelle. Scharenweise liefen die Kunden davon, weil Telefon und Internet von der Telekom viel zu teuer waren und das T fast als Synonym für einen miserablen Service stand. Die Mobilfunk- und Festnetzsparte arbeiteten gegeneinander, statt gemeinsam den Markt zu bearbeiten. Obermann griff hart durch. Sogar den ersten Streik in der Geschichte der Telekom nahm er in Kauf, um längere Arbeitszeiten und niedrigere Löhne für Zehntausende von Beschäftigten durchzusetzen. Kostensenkungen und besserer Service haben sich bezahlt gemacht, zumindest im Inland läuft es wieder einigermaßen rund.

          „In den nächsten Jahren geht es darum, die Transformation der Deutschen Telekom voranzutreiben“, beschreibt Obermann den zweiten Teil seiner Mission. Dieser Umbau hat viele Facetten: Obermann muss das stockende Geschäft in Amerika und Südosteuropa wieder flottmachen, und er braucht Innovationen und neue Wachstumsfelder. Denn der Umsatz stagniert, dem Konzern und seiner Aktie fehlen die Perspektiven. Obermann setzt auf zusätzliche Einnahmequellen rund um das Internet, Cloud Computing für Großkunden und den Mobilfunk. Sie sollen nun, in Obermanns zweitem Anlauf, endlich auch den Aktienkurs nach vorn bringen. Es wird Zeit. Denn sein Versprechen, die Telekom-Aktie werde sich unter seiner Führung mindestens so gut entwickeln wie die Papiere der Konkurrenz, hat René Obermann noch nicht eingelöst.

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