https://www.faz.net/-gqe-9onod

Berliner Start-up Mimycri : Wie aus Flüchtlingsbooten Taschen werden

  • -Aktualisiert am

Lebensgeschichten im Taschenformat: Nora Azzaoui und Vera Günther (von links) in ihrem Atelier in Berlin Bild: Judith Affolter

Junge Gründer aus Berlin haben eine ungewöhnliche Produktidee, als sie auf einer griechischen Insel Flüchtlinge in Empfang nehmen.

          Das junge Berliner Unternehmen Mimycri e.V. verkauft ungewöhnliche Taschen und Rucksäcke – man stellt sie aus kaputten Flüchtlingsbooten her. Die Idee entstand im Winter 2015, als zwei der sieben Gründer, Vera Günther und Nora Azzaoui, als Freiwillige auf der griechischen Insel Chios mithalfen, die Geflüchteten in Empfang zu nehmen und mit trockener Kleidung sowie Essen und Trinken zu versorgen.

          Außerdem reinigten sie die Strände und entsorgten die kaputten Boote und Rettungswesten. Zurück in Deutschland fertigte ein befreundeter Modedesigner aus einem Stück mitgenommenem Bootsmaterial eine kleine Tasche.

          Im Winter 2016 wurde das Upcycling- Unternehmen für den Deutschen Integrationspreis der Hertie-Stiftung nominiert und aufgefordert, eine Crowdfunding-Kampagne durchzuführen. In deren Rahmen nahm man 43.000 Euro ein. 2017 kündigten die beiden Gründerinnen ihre Stellen, um sich in Vollzeit auf ihr Unternehmen konzentrieren zu können.

          Schneider mit Fluchterfahrung

          Auch die Zusammenarbeit mit Menschen mit Fluchterfahrung sei dem gemeinnützigen Non-Profit-Verein wichtig. „Wir wollen zeigen, dass die Menschen, die zu uns kommen, Menschen mit Talenten sind und genauso sind wie wir.“

          Das Mimycri-Team besteht aus vier festangestellten Mitarbeitern: Günther, Azzaoui und zwei Schneidern mit Fluchterfahrung. „Allerdings arbeiten wir mit noch ganz vielen anderen Leuten zusammen, die wir unter anderem für die Designentwicklung, Websiten-Aufbau oder gewisse Eventformate mit dazuholen. Das erweiterte Mimycri-Team besteht aus etwa zehn Leuten“, sagt Günther.

          Die Produkte entstehen in einem Atelier in Treptow in Berlin. Die Hauptprodukte des Unternehmens sind Taschen und Rucksäcke, doch auch Laptoptaschen und Sneaker finden sich im Sortiment. Die Produkte sind in dem Online-Shop auf der Internetseite erhältlich und in Läden in München und Berlin und bald auch in Hamburg. In einigen Museen finden sich die Produkte ebenfalls, als Ausstellungsobjekt und in den Shops, unter anderem in Süddeutschland, Australien und Kanada.

          Material aus Chios

          Die Kundschaft stammt vor allem aus Deutschland. Es gibt auch ausländische Kunden. Berichte über Mimycri erschienen beispielsweise in thailändischen und australischen Zeitungen. Im vergangenen Jahr betrug der Umsatz etwa 50.000 Euro.

          Man bietet zehn verschiedene Taschenprodukte an. Besonders gut läuft laut Günther der große Rucksack für 170 Euro. Im Sommer 2018 verkauften sich die Bauchtaschen sehr gut, sie kosten je nach Größe 85 oder 125 Euro. Das Material kommt nach wie vor hauptsächlich von der griechischen Insel Chios und wird von dort aus in Zusammenarbeit mit der Organisation Offene Arme e.V. alle paar Monate nach Berlin gesendet. „Es gibt zwei Möglichkeiten, wie die Menschen die Insel erreichen“, sagt Julia Boving, Koordinatorin und Administratorin der Organisation.

          Weitere Themen

          Neue Vorwürfe gegen Scheuer

          Maut-Debakel : Neue Vorwürfe gegen Scheuer

          Die Pkw-Maut kommt nicht - jetzt werden die Verträge aufgearbeitet. Hat Verkehrsminister Scheuer getrickst, damit die Mauterhebung billiger aussieht?

          Topmeldungen

          Handelsabkommen mit Bolsonaro : Berlin ist dafür, Paris dagegen

          Die Bundesregierung will das Mercosur-Freihandelsabkommens ratifizieren. Frankreich und andere EU-Staaten hatten wegen der Haltung Brasiliens zu den Bränden am Amazonas eine Blockade gefordert. Droht kurz vor dem G-7-Gipfel Streit zwischen Berlin und Paris?
          Wer macht’s? Annalena Baerbock und Robert Habeck

          Grüne Kanzlerkandidatur : Baerbock oder Habeck?

          Die grüne Spitze kommt gut an. Doch Annalena Baerbock und Robert Habeck wollen nicht darüber reden, wer Kanzlerkandidat wird und mit wem sie im Bund koalieren wollen.
          Verkehrsminister Andreas Scheuer

          Maut-Debakel : Neue Vorwürfe gegen Scheuer

          Die Pkw-Maut kommt nicht - jetzt werden die Verträge aufgearbeitet. Hat Verkehrsminister Scheuer getrickst, damit die Mauterhebung billiger aussieht?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.