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Millionenstrafe für EY : Wenn der Wirtschaftsprüfer mit dem Kunden schläft

  • Aktualisiert am

Eingang des Frankfurter Standorts der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Bild: Nauck, Daniel

Eine Prüferin hatte eine Beziehung mit dem Hauptbuchhalter ihres Klienten, ein anderer Prüfer spielte Golf mit dem Finanzchef: Das kommt Ernst & Young jetzt teuer zu stehen.

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          Die amerikanische Börsenaufsicht hat der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young eine Strafe wegen fragwürdigen Beziehungen zwischen Wirtschaftsprüfern und Kunden auferlegt. In einem Fall kam eine romantische Beziehung zwischen einer Wirtschaftsprüferin und einem der Kunden ans Licht, berichtet die Financial Times. Die Strafe beträgt 9,3 Millionen Dollar.

          Dem Bericht zufolge habe ein Senior Partner von Ernst & Young, der mit der Betriebsprüfung einer New-Yorker Aktiengesellschaft befasst war, eine „unverhältnismäßig enge Freundschaft“ zu dem Finanzchef der Firma gehegt. Sie seien zusammen verreist und hätten mit ihren Familien gemeinsam Football-, Hockey- und Golfturniere besucht. Eine andere Partnerin dieses Teams ging sogar eine Liebschaft mit dem Hauptbuchhalter der Aktiengesellschaft ein, die sie prüfte. Laut der Börsenaufsicht sei Ernst & Young in beiden Fällen nicht angemessen mit der Situation umgegangen.

          „Ernst & Young hat nicht genug getan um seine Partner dabei aufzuspüren oder davon abzuhalten, zu enge Beziehungen zu ihren Klienten einzugehen und damit ihre Rolle als unabhängige Prüfer zu verspielen“, sagte der Direktor der Aufsichtsbehörde Andrew Ceresney. Eine unparteiische und objektive Prüfung sei seitens der Prüfer so nicht möglich.

          Es ist das erste Mal, dass die amerikanische Börsenaufsicht Prüfern ihre Unabhängigkeit aufgrund ihrer persönlichen Beziehungen abspricht. „Die Personen im Zentrum dieser Ermittlungen haben vielfach gegen unsere Grundsätze verstoßen“, schreibt eine Ernst & Young-Sprecherin in einem Statement gegenüber der Agentur Bloomberg. Beide seien entlassen worden. „Wir bereuen, dass diese Vorfälle aufkamen und sind froh, sie hinter uns zu lassen“, heißt es weiter. Zu dem Vorwurf, im Vorfeld nicht genug getan zu haben, äußerte sich die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft allerdings nicht.

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