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Milliardenübernahme : Novartis will Alcon komplett übernehmen

  • -Aktualisiert am

Novartis schafft sich mit dem Alcon-Kauf ein neues Standbein Bild: AFP

Der Schweizer Pharmakonzern übernimmt von Nestlé für rund 28 Milliarden Dollar die Mehrheit des Augenheilkunde-Spezialisten Alcon. Auch den Rest will Novartis noch erwerben.

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          Der Weg zur teuersten Übernahme in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte ist frei. Zum frühestmöglichen Zeitpunkt erwirbt der Pharmakonzern Novartis vom Konzern Nestlé weitere 52 Prozent des Augenmittelherstellers Alcon. Der Preis hierfür beträgt 28,1 Milliarden Dollar oder umgerechnet rund 20 Milliarden Euro. Novartis übt damit eine Kaufoption aus, die von Jahresbeginn bis Juli 2011 läuft. Diese war beim Erwerb eines ersten Aktienpakets von 25 Prozent zu einem Preis von 10,4 Milliarden Dollar im April 2008 vereinbart worden.

          Für die restlichen Alcon-Anteile plant Novartis nach eigenen Angaben ein Abfindungsangebot in eigenen Aktien im Wert von rund 11,2 Milliarden Dollar. Damit summiert sich die gesamte Transaktion auf nahezu 50 Milliarden Dollar. Sie übertrifft zugleich die bisherige Rekordsumme von knapp 47 Milliarden Dollar, die der Novartis-Konkurrent Roche im vergangenen Jahr für die 44,2 Prozent an dem amerikanischen Biotechnologiekonzern Genentech bezahlte, die zuvor noch nicht in seinem Besitz gewesen waren.

          Novartis will die Kaufsumme über eine Kapitalerhöhung, eigene Barmittel sowie über Kredite aufbringen. Ende September vergangenen Jahres verfügte der Pharmakonzern über flüssige Mittel in Höhe von 14,2 Milliarden Dollar. Nestlé seinerseits nutzt den Geldsegen vorderhand für ein neues Aktienrückkaufprogramm, bei dem innerhalb von zwei Jahren rund zehn Milliarden Franken (knapp 10 Milliarden Dollar) eingesetzt werden sollen. Der Aktienkurs legte daher am Montag bis zum Nachmittag um mehr als 1,5 Prozent zu, wohingegen die Novartis-Papiere deutlich nachgaben.

          Zugleich entzündeten sich an dem Geschäft neuerlich Spekulationen über mögliche Zukäufe des größten Lebensmittelkonzerns der Welt. Die Aufmerksamkeit richtet sich dabei in erster Linie auf den von Kraft belagerten Schokoladenhersteller Cadbury in Großbritannien. Patrick Hasenböhler von der Bank Sarasin meint allerdings, Nestlé könnte sich höchstens für Teilgebiete von Cadbury interessieren. Ähnlich äußerte sich Dieter Buchholz, Leiter Aktien der Falcon Private Bank in Zürich. Generell wolle sich Nestlé eher in Entwicklungs- und Schwellenländern verstärken als auf gereiften Märkten, ergänzte er.

          Die Übertragung des Aktienpakets von Nestlé erwartet Novartis für das zweite Halbjahr 2010. Erst dann würde auch der Kaufpreis fällig. Dem Abfindungsangebot muss unter anderem noch eine Aktionärsversammlung des Konzerns zustimmen. Novartis will Alcon, das neben Mitteln für Kontaktlinsen zum Beispiel auch chirurgische Instrumente zur Behandlung von Augenkrankheiten herstellt, mit seiner eigenen Sparte Ciba Vision zusammenlegen. Darüber hinaus hat der Pharmariese das wichtige Medikament Lucentis im Programm, das gegen Erblindungskrankheiten hilft. Konzernchef Daniel Vasella verspricht sich von der Zusammenfassung eine bedeutende Verstärkung des Novartis-Geschäfts und begründet dies mit dem steigenden Durchschnittsalter der Weltbevölkerung, Innovationen in der Augenheilkunde und der Nachfrage in den Schwellenländern.

          Die neue Sparte dürfte nach Analystenschätzungen rund 13 Prozent zum Konzernumsatz beitragen. Die Synergieeffekte beziffert Novartis auf 300 Millionen Dollar im vierten Jahr nach der Übernahme. Zuletzt hatte Nestlé im Zwischenbericht über das erste Halbjahr 2009 für die Pharmasparte um das 1945 in Texas gegründete Alcon einen Umsatz von umgerechnet 3,8 Milliarden Dollar gemeldet. Die Rendite, bezogen auf das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit), erreichte nahezu 35 Prozent, verglichen mit 12 Prozent im angestammten Geschäft mit Nahrungsmitteln und Getränken, Tendenz steigend.

          Auch für den Verkäufer Nestlé stellt die Transaktion mit Novartis ein glänzendes Geschäft dar. Der Lebensmittelmulti hatte Alcon 1977 für nur 280 Millionen Dollar erworben. 2002 brachte er 23 Prozent des Augenmittelherstellers an die Börse und erlöste dafür 2,2 Milliarden Dollar. 2008 veräußerte er die ersten 25 Prozent an Novartis dann für die erwähnten 10,4 Milliarden Dollar.

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