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Milliarden-Kapitalerhöhung : Deutsche Bank greift nach der Postbank

Die Deutsche Bank hatte sich im Spätsommer 2008 - kurz vor der Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers - mit der Post auf eine Übernahme der Postbank geeinigt. Bild: dpa

Mit einer Rekord-Kapitalerhöhung in Höhe von bis zu 9,8 Milliarden Euro will sich die Deutsche Bank für die Zukunft rüsten. Sie braucht Geld für die Komplettübernahme der Postbank. Und um die strengeren Regeln für die Finanzbranche einhalten zu können.

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          Die Deutsche Bank zieht die Übernahme der Postbank vor und will zudem ihr Kapital um bis zu 9,8 Milliarden Euro erhöhen. Dies haben Vorstand und Aufsichtsrat von Deutschlands größtem Kreditinstitut am Sonntag beschlossen. Die Kapitalerhöhung ist die zweitgrößte Aktienplazierung in Deutschland. Nur die Deutsche Telekom kam im Jahr 1999 mit 10,8 Milliarden Euro auf ein größeres Volumen.

          Markus Frühauf
          (maf.), Wirtschaft

          „Mit dieser Kapitalerhöhung wollen wir uns das notwendige Eigenkapital für eine geplante Konsolidierung der Postbank sichern“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann. Den Aktionären der Postbank will die Deutsche Bank ein Barangebot in Höhe von 24 bis 25 Euro unterbreiten. Am Freitag ging die Postbank-Aktie mit 27 Euro aus dem Handel. Die genaue Offerte, deren Höhe die Finanzaufsicht Bafin ermittelt, soll in einer Woche feststehen. Sie entspricht dem gewichteten durchschnittlichen Börsenkurs der vergangenen drei Monate. Die Deutsche Bank hält derzeit 29,95 Prozent an der Postbank. Über der Marke von 30 Prozent muss sie ein Pflichtangebot abgeben.

          Ursprünglich wollte die Deutsche Bank die Postbank erst im Februar 2012 mehrheitlich übernehmen. Dann wird eine Pflichtwandelanleihe der Deutschen Post (Postbank-Anteil: 39,5 Prozent) fällig, in deren Rahmen die Deutsche Bank einen Postbank-Anteil von 27,4 Prozent erhalten wird. Der Preis der Postbank-Aktie ist im Januar 2009 für diese Transaktion schon auf 45 Euro festgelegt worden. Zu diesem Kurs würde das dann zwingend erforderliche Pflichtangebot an den Postbank-Streubesitz (66,7 Millionen Aktien entsprechen 30,5 Prozent) 3 Milliarden Euro kosten. Demgegenüber spart sich die Deutsche Bank rund 1,3 Milliarden Euro, weil sie die Offerte an die Postbank-Minderheitsaktionäre schon jetzt durchführt. Ackermann bezeichnet das derzeit bestehende Zeitfenster als günstig, um die Kosten der Akquisition zu minimieren.

          Josef Ackermann
          Josef Ackermann : Bild: AFP

          Für den Postbank-Anteil von 62 Prozent zahlt die Deutsche Bank an die Post 4,9 Milliarden Euro, falls diese auch noch die restlichen 12 Prozent veräußert. Die vollständige Übernahme der Postbank, also einschließlich der nun abgegebenen Offerte an die Minderheitsaktionäre, dürfte 6,5 Milliarden Euro betragen. Genaue Angaben dazu sowie zur Kapitalerhöhung wird die Deutsche Bank am Montag während einer Pressekonferenz machen.

          Postbank ist die größte deutsche Filialbank

          Die Deutsche Bank will die Postbank, die mit 14 Millionen Kunden die größte deutsche Filialbank ist, bereits in diesem Jahr konsolidieren. Deshalb muss sie ihre bestehende Postbank-Beteiligung neu bewerten. Dadurch erwartet sie im dritten Quartal eine Ergebnisbelastung von 2,4 Milliarden Euro. Da die Postbank schwach kapitalisiert ist, muss die Deutsche Bank für eine Konsolidierung ihr Kapital deutlich aufstocken. Mit einer Summe von 9,8 Milliarden Euro fällt das Volumen sogar etwas höher aus, als Finanzkreise am Freitag noch erwartet hatten (siehe Deutsche Bank womöglich vor Kapitalerhöhung). Die Maßnahme begründete Ackermann auch mit den schärferen Eigenkapitalanforderungen der Aufsichtsbehörden. Die Aktienplazierung soll zwischen dem 22. September und dem 5. Oktober erfolgen. Den endgültigen Beschluss werden der Vorstand und der Präsidialausschuss des Aufsichtsrats am 20. September treffen.

          Die Deutsche Bank will 308,6 Millionen neue Stammaktien ausgeben. Diese Titel hat das Bankenkonsortium bereits zu einem vorläufigen Bezugspreis von 31,80 Euro je Aktie übernommen, womit der Emissionserlös von 9,8 Milliarden Euro schon garantiert ist. Am Freitag lag der Schlusskurs der Deutschen-Bank-Aktie bei 47,70 Euro. Zum Bankenkonsortium gehören UBS, Santander, Bank of America Merrill Lynch, Commerzbank, HSBC Trinkaus, ING, Morgan Stanley und die Société Générale. Nach Angaben der Deutschen Bank erhöht sich das Grundkapital um 49,7 Prozent oder 790 Millionen auf 2,38 Milliarden Euro.

          Den Aktionären räumt die Deutsche Bank ein Bezugsrecht von zwei zu eins ein: Für zwei gehaltene alte Aktien können sie eine neue erwerben. Um dieses Bezugsverhältnis darzustellen, wird die Deutsche Bank die Zahl der bezugsberechtigten Aktien reduzieren. Zu diesem Zweck wird sie von Montag bis Donnerstag 3,1 Millionen Titel am Markt zurückkaufen.

          Die Deutsche Bank war in den vergangenen Jahren schon häufiger auf Einkaufstour. Zu den großen Übernahmen zählen unter anderem der Kauf der New Yorker Investmentbank Bankers Trust für rund 17 Milliarden D-Mark im November 1998. Später kaufte die Deutsche Bank die Berliner Bank, die Norisbank und die in Schieflage geratene Traditionsbank Sal. Oppenheim.

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