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Milliarden für Hypo Real Estate : Bund und Banken retten Dax-Konzern vor dem Aus

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Stabile Wand oder nur noch Fassade? Die Zentrale von Hypo Real Estate in München Bild: AP

Erstmals steckt ein Dax-Konzern tief im Strudel der Finanzkrise. Der Bund bürgt mit 35 Milliarden Euro für den schwer angeschlagenen Hypothekenfinanzierer Hypo Real Estate. Für Verwirrung sorgten Äußerungen des Finanzministeriums über eine „geordnete Abwicklung“.

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          Die Bundesregierung und eine Gruppe von Banken haben den angeschlagenen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) durch eine Bürgschaft und Kredite in Milliardenhöhe vor dem Aus bewahrt. Die Finanzkonzerne hätten dem Münchner Unternehmen kurz- und mittelfristige Darlehen „über mehrere Milliarden Euro“ gewährt, erklärte Firmenchef Georg Funke am Montag in München. Die Bundesregierung bürgt für diese Darlehen mit einem Risikoschirm im Umfang von insgesamt 35 Milliarden Euro, wie der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Torsten Albig, sagte. Hypo Real Estate war angesichts der Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten in Schieflage geraten.

          Die nur knapp abgewendete Insolvenz hat unterdessen erste personelle Konsequenzen bei deren Tochtergesellschaft Depfa. Nach Informationen der F.A.Z. soll Bo Heide-Ottosen seinen Stuhl im Management Board der Depfa räumen. Heide-Ottosen ist bisher für das Staats- und Infrastrukturgeschäft der Depfa verantwortlich. Die Depfa war Ende vergangener Woche in Liquiditätsschwierigkeiten geraten und brachte damit auch die HRE in eine schwere Schieflage. In Finanzkreisen hieß es außerdem, in der Depfa-Führungsspitze und im Aufsichtsrat der HRE würden möglicherweise weitere Manager ausgewechselt.

          Verwirrungen über die Zukunft der Bank

          Die Zusage für den Dax-Konzern sei nötig, um die Finanzhilfen der Privatbanken abzusichern, sagte Steinbrück-Sprecher Albig. Es handele sich nicht um bereits eingetretene Verluste, wurde betont. Sollte aber die Bürgschaft in Anspruch genommen werden, würde dies die Banken und den Bund natürlich belasten. Dem Plan muss den Angaben zufolge allerdings noch der Haushaltsausschuss zustimmen. Das Gremium wird am Dienstag auf einer Sondersitzung über die Rettungsbemühungen für Hypo Real Estate beraten.

          In höchster Not: Vorstandschef Funke
          In höchster Not: Vorstandschef Funke : Bild: dpa

          Nach Bekanntgabe des Rettungspakets herrschte zunächst Verwirrung über die Zukunft der Bank. Ministeriumssprecher Albig, sagte, Sinn der Maßnahmen sei die „geordnete Abwicklung“ der Hypo Real Estate. Zudem sprach er von einem „geordneten Untergang“. Eine Verstaatlichung sei nicht geplant. Die Hypo Real sah derweil ihren Bestand durch das milliardenschwere Rettungspaket als gesichert an. Von einer Abwicklung des Unternehmens könne keine Rede sein, sagte ein Sprecher in München. Vielmehr gehe es darum, die Refinanzierung des Konzerns wieder auf ein solides Fundament zu stellen.

          Belastungen für den Bundeshaushalt nicht ausgeschlossen

          Die Belastungen der 35-Milliarden-Bürgschaft sind nach Darstellung des Bundesfinanzministerium völlig offen. Belastungen für den Bundeshaushalt seien nicht ausgeschlossen, sagte Albig. Sollte die Bürgschaft auf Grund von Verlusten in Anspruch genommen werden, entfielen in einem ersten Schritt von den dann 14 Milliarden Euro 60 Prozent auf die Privatbanken. Einen zweiten Teil in Höhe von 21 Milliarden Euro müsste der Bund allein tragen. Wie hoch die tatsächlichen Verluste am Ende sein könnten, sei derzeit offen, hieß es.

          Aber erst wenn der Bürgschaftsrahmen in Anspruch genommen werde, sei auch der Bund betroffen. Ohne den „Garantieschirm“ des Bundes hätte es aber das Rettungspaket der Privatbanken nicht gegeben. Dies hätte dann einen deutlich größeren Schaden für den deutschen Finanzplatz und den Steuerzahler gehabt. Bei dem Bürgschaftsrahmen handele es sich nicht um bereits eingetretene Verluste, wurde betont.

          Berlin will Ausbreitung der Finanzkrise verhindern

          Bei Inanspruchnahme der Bürgschaft wäre der Bund vom ersten Euro an betroffen. Maximal könnten es rund 26,5 Milliarden Euro für den Bund sein. Der Bund habe angesichts eines gesamten „Bürgschaftstopfs“ von rund 300 Milliarden aber noch Spielraum für die Hypo-Real-Hilfen. Nach Angaben von Regierungssprecher Ulrich Wilhelm soll mit der Liquiditätshilfe eine Ausbreitung der Finanzkrise verhindert werden. Auch seien die Maßnahmen in enger Abstimmung mit der Bundesbank, der Finanzaufsicht BaFin sowie anderen europäischen Regierungen abgestimmt.

          In einem Krisentreffen will Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) die Fraktionen am Nachmittag über den Plan informieren, wie es aus Parlamentskreisen hieß. An dem Treffen bei Unionsfraktionschef Volker Kauder sollen alle übrigen Fraktionschefs und die haushaltspolitischen Sprecher teilnehmen. Nach Angaben des Finanzministeriums sei die Krise am vergangenen Donnerstag, als Steinbrück im Bundestag eine Regierungserklärung hielt, in diesem Ausmaß nicht absehbar gewesen.

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