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Milliardärs-Clan Reimann : Die Phantome aus Kurpfalz

Reimanns backen Brötchen: Die Milliardärsfamilie hat die Bäckereikette Panera Bread gekauft. Bild: AFP

Ihre Marken kennt jedes Kind, sie selbst tauchen nie öffentlich auf. Jetzt haben die Reimanns wieder zugeschlagen. Was wissen wir über Deutschlands stille Milliardärsfamilie?

          Sie sind wieder aufgetaucht, die Reimanns. Wieder in Amerika. Diesmal wollen sie Panera Bread kaufen, eine börsennotierte Bäckereikette mit 2000 Filialen. 7,5 Milliarden Dollar haben sie den Panera-Aktionären am Mittwoch geboten, 20 Prozent Aufschlag auf den Börsenkurs. Keine kleine Summe, selbst für die Reimanns nicht, aber auch kein ganz großer Wurf. 30 Milliarden Euro sollen sie in den vergangenen drei Jahren nur in den Ausbau ihres Kaffeegeschäftes gesteckt haben, allein für den amerikanischen Kaffeeröster Keurig Green haben sie zusammen mit einem Finanzinvestor 13,9 Milliarden Dollar auf den Tisch gelegt. Das war Ende 2015 und ebenfalls in den Vereinigten Staaten.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          Amerika scheint der Familie zu gefallen, zumindest als Pflaster für gute Geschäfte. Man kann es nur vermuten, so wie man überhaupt fast alles nur vermuten kann, rund um diese Familie aus der Kurpfalz, die in wenigen Jahren zu einer der reichsten in Deutschland aufgestiegen ist. Auf 30 Milliarden Euro wird das Vermögen der vier Reimanns und ihrer Kinder geschätzt. Nur die BMW-Erben Susanne Klatten und Stefan Quandt sind gemeinsam noch reicher. Verschwiegener, zurückhaltender aber ist keiner.

          Keine Kommentare, keine Fotos, keine öffentlichen Auftritte, weder wohltätige noch rauschhafte. Bestätigt wird nichts, dementiert auch nicht. Würde hinter ihrem geschäftlichen Erfolg nicht alles verblassen, man könnte sagen: die größte Leistung der Reimanns ist es, in einer digital überwachten Welt unsichtbar geblieben zu sein. Im Gegensatz dazu tönt ihr über die Jahre zusammengekauftes Markenportfolio auf allen Kanälen. Calgon, Clearasil, Durex, Kukident, Sagrotan, Vanish, Wella, Jimmy Choo, Belstaff, Bally bis hin zu Senseo, Jacobs und Tassimo: sie könnten einen Supermarkt allein füllen.

          200 Jahre im Geschäft

          Den schmucklosen Informationen ihrer Luxemburger Dachgesellschaft JAB Holding Company nach laufen die Geschäfte prächtig. 1,3 Milliarden Euro sind 2016 unterm Strich hängen geblieben, in den beiden Vorjahren waren es 2,8 Milliarden und 2,6 Milliarden Euro. Was dabei tatsächlich verdient ist, was „nur“ Wertsteigerung, lässt sich in dem Geflecht von Holdings und Zweckgesellschaften in Wien, Luxemburg und den Niederlanden allerdings nicht ohne weiteres erkennen.

          Den Grundstein des Erfolges legte der Ludwigshafener Unternehmer Albert Reimann, aus dessen Chemiefabrik Joh. A. Benckiser im Laufe der Zeit eine milliardenschwere Multimarkengruppe erwuchs. Die Wurzeln des Unternehmens reichen fast 200 Jahre zurück, damals gründete Urvater Johann Adam Benckiser eine Salmiakhütte in Pforzheim. Heute gehört die „JAB Holding“ den Geschwistern Renate Reimann Haas (65 Jahre) und Wolfgang Reimann (64) sowie deren Halbbrüdern Stefan Reimann-Andersen (53) und Matthias Reimann-Andersen (52 Jahre) samt Kindern.

          Albert Reimann selbst hatte keine leiblichen Kinder, er adoptierte neun, darunter vier seiner Schwester Else Dubbers. Als den Nachkommen 1984 das Testament eröffnet wurde, sollen sie ob ihres Reichtums erstaunt gewesen sein, denn Reimann, so geht die Legende, hat sie bis zum Schluss über die Eigentumsverhältnisse im Unklaren gelassen, damit sie etwas Ordentliches lernen. Für die Kinder war er bis zuletzt Manager, nicht Eigentümer der Fabrik. Die beiden Älteren haben denn auch in Chemie promoviert, auch einer der jüngeren veröffentlichte noch in den neunziger Jahren an der Universität Heidelberg Abhandlungen über die Chemie. Schnell jedoch verliert sich ihre Spur. 1996 ließen sich die Kinder der Schwester ausbezahlen und gehen seither eigene Wege. Später verabschiedete sich auch Andrea Reimann-Ciardelli aus dem Kreis. Ihre Geschwister verkauften Aktien und zahlten sie mit einer Milliarde Euro aus. Sie lebt mit ihrer Familie heute in Amerika.

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