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Milliardär Würth im Interview : „Blicke ich in den Spiegel, sehe ich einen Gauner“

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„Wir sind auf dem Weg in eine Edel-DDR”, sagt Reinhold Würth, Schraubenhändler Bild: Frank Röth / F.A.Z.

Alle reden über das Bankgeheimnis und über Steuerhinterziehung. Der Milliardär Reinhold Würth hat nun im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gestanden, dass ihn seine Vorstrafe wegen eines Steuerdelikts „maßlos“ belastet.

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          Alle reden über das Bankgeheimnis und über Steuerhinterziehung. Der Milliardär Reinhold Würth hat nun im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gestanden, dass ihn seine Vorstrafe wegen eines Steuerdelikts „maßlos“ belastet.

          Herr Würth, Sie sind bald 60 Jahre im Geschäft. Haben Sie je eine solch harte Krise erlebt?

          Nein. Noch gar nie. Und ich habe so manchen Abschwung mitgemacht: Wenn man nach der Bibel geht, passiert das alle sieben Jahre – dann komme ich auf acht Tiefs.

          Was ist dieses Mal so außergewöhnlich?

          Dass die Krise sich weltweit einheitlich auswirkt, dass sie alle Branchen erreicht. Man kann nirgendwohin ausweichen. Die Krise ist gewaltig, ihre Dimension haben wir bis heute nicht verstanden. Wenn es ganz schlimm wird, können sich nicht mal die Staaten halten. Bei dem Gedanken läuft es mir eiskalt über den Rücken.

          Ihre Generation hat Hyperinflation in Deutschland noch erlebt. Droht uns demnächst Ähnliches?

          Es muss irgendwann zur Inflation kommen, so viel Geld wie die Länder jetzt für ihre Rettungsaktionen drucken. Und dann muss man irgendwann irgendwo zwei Nullen abschneiden. Die Folgen der Krise werden wir noch 30 Jahre spüren.

          Wie wappnen Sie sich?

          Wir achten zuerst auf die Liquidität. Alles andere ist absolute Nebensache, selbst Profitabilität ist unwichtig. Alle Investitionen bis Ende April sind eingefroren. Cash is king. Wir haben 270 Millionen Euro eigene liquide Mittel auf Banken liegen, haben zudem gesicherte Kreditlinien von einigen hundert Millionen.

          Das genügt als Sicherheit?

          Natürlich müssen wir auf der Hut sein und sparen. Nach menschlichem Ermessen kann uns dann nicht viel passieren. Auf der anderen Seite rutschen selbst gewaltige Unternehmen wie die UBS an den Abgrund – solche Konzerne haben ganze Batterien von Volkswirten rumrennen. Wenn selbst die ihr Risiko so schlecht einschätzen können, wird mir manchmal unheimlich, und dann frage ich mich: Haben wir unser Unternehmen unter Kontrolle? Verstehen Sie mich richtig: Ich hab’s unter Kontrolle. Nur weiß ich nicht, ob ich es tatsächlich unter Kontrolle habe.

          Wie zuverlässig sind die Banken? Spüren Sie eine Kreditklemme?

          Nicht im Geringsten. Wir haben überhaupt kein Problem, Geld zu bekommen – wenn wir denn wollten. Aber wir brauchen keines. Wir haben das umgekehrte Problem: Macht die Bank, wo wir unser Geld hintragen, morgen früh noch auf?

          Ihnen selbst gehört eine kleine Bank am Bodensee. Schlüpft die auch unter den staatlichen Rettungsschirm?

          Nein, ich bitt’ Sie. Die sind erstaunlich gut. Fast wie im Märchen.

          Was können Ihre Banker besser?

          Die haben sich nie mit Kreditderivaten und all dem Zeugs beschäftigt. Die betreiben das klassische Geschäft: Einlagen annehmen und als Kredite rausgeben.

          Im Moment bauen Sie am anderen, dem Schweizer, Ufer des Sees eine neue Konzernzentrale. Flüchten Sie vor dem deutschen Fiskus?

          Nein. Ich habe schon vor 45 Jahren in der Schweiz die „Würth International“ gegründet, darunter ist schon immer der gesamte Würth-Auslandskonzern zusammengefasst. Die Zentrale des Auslandskonzerns ist in der Schweiz, in Rorschach. Das ist nur konsequent. Künzelsau bleibt aber der Sitz des deutschen Konzerns.

          Das ist der weit kleinere Teil Ihrer Firma. Zudem verlagern Sie Führungsstäbe in die Schweiz.

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