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Bankenstrafen-Ticker : Deutsche Bank vor Milliardenstrafe wegen Zinsmanipulation

Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt Bild: dpa

Betrug, Geldwäsche, Zinsmanipulationen: Banken weltweit müssen für ihre Fehltritte büßen. Nun kommen mutmaßliche Zinsmanipulationen die Deutsche Bank teuer zu stehen.

          15 Min.

          April 2015

          Die Deutsche Bank einigt sich mit Behörden in den Vereinigten Staaten und Großbritannien auf eine Bereinigung der Vorwürfe wegen Manipulation des Zinssatzes Libor. Die Bank entlässt sieben Mitarbeiter und zahlt insgesamt 2,5 Millionen Dollar.

          Februar 2015

          Im Streit um windige Hypothekengeschäfte steht Morgan Stanley vor einem Vergleich mit den amerikanischen Behörden. Die Bank soll 2,6 Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro) zahlen, wie aus einer Mitteilung an die Börsenaufsicht SEC vom Mittwoch hervorgeht. Der Deal ist noch nicht in trockenen Tüchern. Aber es sei eine grundsätzliche Übereinkunft erzielt worden, heißt es in dem Schreiben. Das Geldhaus habe für den Fall 2,8 Milliarden Dollar zurückgelegt.

          Januar 2015

          Der größtenteils verstaatlichten britischen Royal Bank of Scotland (RBS) drohen einem Bericht zufolge empfindlich höhere Strafzahlungen für mutmaßliche Vergehen aus der Zeit der Finanzkrise. Die Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit dem Verkauf von sogenannten Ramschpapieren in den Vereinigten Staaten könnten die Bank mehr als fünf Milliarden Pfund (6,4 Milliarden Euro) kosten, schrieb die „Times“ am Freitag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die RBS soll in großem Stil hypothekenbesicherte Papiere verkauft haben, obwohl sie von Problemen der zugrundeliegenden Hauskredite wusste. Bisher hat das staatlich gestützte Institut rund 1,9 Milliarden Pfund für einen Vergleich zurückgelegt.

          Dezember 2014

          Die Commerzbank wird offenbar mehr als eine Milliarde Dollar (800 Millionen Euro) Strafe in den Vereinigten Staaten zahlen. Die Bank habe die Zahlung unter anderem wegen Verstößen gegen das amerikanische Embargo gegen den Iran akzeptiert, verlautete am  Donnerstag aus informierten Kreisen. Eine Vereinbarung mit den verschiedenen US-Behörden werde ausgearbeitet und bis Januar öffentlich gemacht. Die Commerzbank äußerte sich auf Anfrage am Freitag nicht dazu. Den Angaben zufolge ist vorgesehen, dass die deutsche Großbank 600 Millionen Dollar (484 Millionen Euro) für Verstöße gegen die Sanktionen zahlt, die gegen den Iran, den Sudan und Myanmar verhängt worden waren. Der Rest der Strafzahlung beziehe sich auf andere Vorwürfe, wie den von der Staatsanwaltschaft in Manhattan erhobenen Vorwurf der Geldwäsche. Den Angaben zufolge wird noch über weitere Forderungen des New Yorker Finanzaufsehers Benjamin Lawsky verhandelt. Dieser fordert, dass Banken, die in illegale Geschäfte verwickelt waren, ihre Gewinne zurückzahlen und Strafzahlungen leisten. Im Gegenzug für die Zusage der Commerzbank, die Strafe zu zahlen und keine ähnlichen Taten zu begehen, verzichtet die Justiz auf eine Anklage. Die zweitgrößte deutsche Privatbank hatte bereits 2010 erklärt, dass ihre Dollar-Geschäfte mit dem Iran in den Vereinigten Staaten untersucht würden. Ende September berichtete als erstes das „Wall Street Journal“, dass die amerikanische Justiz wegen mutmaßlichen Verstoßes der Commerzbank gegen die strengen Vorschriften zur Geldwäschebekämpfung in den Vereinigten Staaten gegen die Bank ermittele.

          November 2014

          Im Skandal um manipulierte Devisenkurse sind erste Strafen gegen Großbanken verhängt worden. In Großbritannien, der Schweiz und den Vereinigten Staaten brummten die Aufsichtsbehörden fünf Banken Strafen in Höhe von insgesamt knapp 3,4 Milliarden Dollar (2,7 Milliarden Euro) auf. Dies geht aus am Mittwoch in London, New York und Zürich veröffentlichten Mitteilungen der jeweiligen Aufsichtsbehörden hervor. Betroffen sind Citigroup, HSBC, JPMorgan, die Royal Bank of Scotland (RBS) und die UBS. Die Strafe für die fünf Institute in dem Devisen-Skandal hatte sich angedeutet, da sie zuletzt bereits Vorkehrungen dafür getroffen hatten und sich zum Beispiel mit Rückstellungen dafür gerüstet hatten. Die höchste Zahlung muss die Schweizer UBS mit insgesamt 799 Millionen Dollar leisten. Dahinter reihen sich Citigroup (668 Mio Doller), JPMorgan (662 Mio Dollar), RBS (634 Mio Dollar) und HSBC (618 Mio Dollar) ein. Mit 1,77 Milliarden Dollar verhängte die britische Aufsichtsbehörde FCA den größten Teil der Strafe. 1,475 Milliarden Dollar gehen auf das Konto der amerikanischen Aufsichtsbehörde CFTC - von der Schweizer Finma kommen 138 Millionen Dollar dazu.

          Oktober 2014

          Die Vereinigten Staaten und Großbritannien machen offenbar Druck in ihren Ermittlungen gegen die Deutsche Bank. Wegen der Manipulation von wichtigen Referenzzinssätzen wollen die angelsächsischen Behörden das größte deutsche Geldhaus in den kommenden Monaten zu einer beträchtlichen Strafe verdonnern, berichtete das „Wall Street Journal“. Wahrscheinlich sei ein Abschluss des Verfahrens Ende 2014 oder Anfang 2015, schrieb das Blatt unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen. Die Manipulation des Referenzzinssatzes Libor zählt zu den größten Altenlasten der Deutschen Bank. Im Gegensatz zu vielen vorangegangenen Vergleichen mit Geldhäusern erwägen die Ermittler laut „New York Times“ dieses mal, dass sich die Deutsche Bank oder eine ihrer amerikanischen Niederlassungen im Rahmen der Einigung schuldig bekennen muss, den Libor manipuliert zu haben. Endgültig entschieden sei das aber noch nicht. Die Deutsche Bank wollte sich zu den Zeitungsberichten nicht äußern.

          Die Schweizer Großbank UBS muss im Steuerstreit mit Frankreich womöglich eine Geldstrafe in Milliardenhöhe zahlen. Die Westschweizer Zeitung „Le Temps“ berichtete am Freitag von einem internen Gerichtsdokument, wonach UBS zu einer Buße von bis zu fünf Milliarden Euro (sechs Milliarden Franken) verurteilt werden könnte, sollte sie wegen schwerem Steuerbetrug und Geldwäsche schuldig gesprochen werden. UBS erklärte, die Grundlagen für jede Art von Berechnung in diesem Fall seien völlig konstruiert und spekulativ. „Wir können nicht verhindern, dass vertrauliche Dokumente publik gemacht und willkürlich interpretiert werden“. Es gebe eine formelle Untersuchung, ein Prozess sei aber noch nicht eröffnet worden. UBS werde sich weiterhin mit allen verfügbaren Mitteln zur Wehr setzen.

          September 2014

          Die größte europäische Bank HSBC hat den Hypothekenpapier-Streit in Amerika beigelegt. Der Preis für eine Einigung mit der zuständigen Behörde seien 550 Millionen amerikanische Dollar, teilte der Konzern mit.

          Die Federal Housing Finance Agency (FHFA) hatte 2011 insgesamt 18 Finanzkonzerne verklagt, die den staatlichen Immobilienfinanzierern Hypothekenpapiere verkauft hatten. Der Vorwurf: Die Banken hätten verschleiert, wie kritisch es um die Häuserkredite bestellt war, mit denen die Wertpapiere abgesichert wurden. Die Papiere verloren in der Finanzkrise massiv an Wert. Die staatlichen Immobilienfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac mussten mit Milliarden an Steuergeld gerettet werden.

          Zuletzt hatte die FHFA rund 17 Milliarden Dollar wieder eingetrieben. Die größten Beträge wurden bei der Bank of America, JPMorgan und Morgan Stanley fällig. Alleine die Bank of America musste Fannie Mae und Freddie Mac faule Wertpapiere für sechs Milliarden Dollar wieder abnehmen. Bei Goldman Sachs lag die Summe zuletzt mit 3,15 Milliarden Dollar deutlich niedriger.

          September 2014

          Der Streit mit den Vereinigten Staaten  über den Verstoß gegen Iran-Sanktionen könnte für die Commerzbank bald ein kostspieliges Ende haben. Das zweitgrößte deutsche Geldhaus steht kurz davor, sich mit den amerikanischen Behörden auf einen Vergleich zu  einigen, wie mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Voraussichtlich werde die Commerzbank eine Buße von rund 650 Millionen Dollar (knapp 500 Millionen Euro) zahlen, sagte einer der Insider. Im Gegenzug werde  das Verfahren eingestellt.

          Börsianer sehen den sich abzeichnenden Vergleich unter dem Strich positiv. Eine Buße von 650 Millionen Dollar sei zwar sicherlich keine gute Nachricht, sagte ein Händler. „Aber positiv ist, dass die Angelegenheit damit endlich vom Tisch ist.“  Commerzbank-Aktie gewann am Donnerstag zeitweise gut ein Prozent auf 11,94 Euro - den höchsten Stand seit zweieinhalb Monaten. Im Leitindex Dax, der 0,6 Prozent verlor,  zählten die Commerzbank-Papiere zu den wenigen Gewinnern.

          Die Commerzbank ist unter anderem wegen Geschäften mit der staatlichen iranischen Reederei IRISL in den Jahren 2002 bis 2007 ins Visier der US-Behörden geraten. Die Vereinigten Staaten werfen dem Unternehmen vor, die Verbreitung mutmaßlicher Massenvernichtungswaffen  unterstützt zu haben. Die Commerzbank habe gewusst, dass IRISL mit Sanktionen belegt worden sei und habe dennoch Geschäfte mit der Firma gemacht.

          August 2014

          Der Wall-Street-Riese Goldman Sachs wird mit einer Milliardenstrafe von amerikanischen Aufsehern zur Rechenschaft gezogen. Anlass sind umstrittene Hypothekengeschäfte aus der Zeit vor der Finanzkrise. Die Investmentbank muss faule Wertpapiere für 3,15 Milliarden Dollar (2,37 Milliarden Euro) zurückkaufen, die sie den staatlichen Immobilienfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac von 2005 bis 2007 angedreht hatte.

          Effektiv wird die Bank durch die Einigung aber zunächst nur mit 1,2 Milliarden Dollar belastet. Die Summe ergibt sich aus der Differenz zwischen dem Rückkaufbetrag und dem aktuellen Marktwert der Papiere.

          Das ist nicht allzu viel gegen den Vergleich, dem die Bank of America mit dem amerikanischen Justizministerium über 16,65 bis 17 Milliarden Dollar  zugestimmt hat (rund 12,5 Milliarden Euro). Das ist der höchste jemals bezahlte Betrag in einer zivilrechtlichen Auseinandersetzung zwischen der Regierung in Washington und einem Unternehmen.

          Bei dem Verfahren geht es um Vorwürfe, die Bank habe Investoren beim Verkauf von Hypothekenpapieren hinters Licht geführt. Die Bank of America habe den Grundzügen der Einigung nach einem Telefongespräch zwischen Unternehmenschef Brian Moynihanh und das amerikanischen Justizminister Eric Holder zugestimmt.

          Juli 2014

          Mit einer Rekordzahlung legt die UBS ein weiteres Verfahren wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung bei. Die Einigung mit der Staatsanwaltschaft Bochum kostet die größte Schweizer Bank eigenen Angaben vom Dienstag zufolge rund 300 Millionen Euro. Das ist die höchste Strafe, die ein Schweizer Geldhaus jemals in Deutschland bezahlt hat. Die Buße belastet das Ergebnis der UBS im zweiten Quartal. Trotzdem steigerte die Bank den Gewinn um 15 Prozent auf 792 Millionen Franken und schnitt damit etwas ab als von Analysten erwartet. Im Vorjahresquartal hatten Altlasten noch stärker zu Buche geschlagen.

          Juli 2014

          Die Schweizer Großbank UBS soll vermögenden Kunden aus Frankreich aktiv bei der Hinterziehung von Steuern geholfen haben. Pariser Ermittler weiteten ein bereits länger laufendes Ermittlungsverfahren gegen das Institut aus. Sie streben nun nicht nur eine Anklage wegen illegaler Anwerbung von Kunden, sondern auch wegen Geldwäsche in Zusammenhang mit Steuerhinterziehung an. Um Geldflüsse zwischen Frankreich und der Schweiz zu verschleiern, wurde nach Erkenntnissen der Justiz unter anderem ein spezielles Buchführungssystem aufgebaut. Bis zur Klärung der Vorwürfe soll die UBS nun eine Kaution von insgesamt 1,1 Milliarden Euro hinterlegen. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Ermittler ein Anklageverfahren wegen illegaler Anwerbung von Kunden eingeleitet und 2,9 Millionen Euro Kaution von der UBS gefordert. Die Bank kündigte gegen die Milliarden-Kaution umgehend Einspruch an. Für eine solche Forderung gebe es keine rechtliche Basis, hieß es in einer Stellungnahme.

          Juli 2014

          Die Citigroup  steht einem Insider zufolge kurz vor einem milliardenschweren Vergleich mit den amerikanischen Behörden: Rund sieben Milliarden Dollar soll es die amerikanische Großbank kosten, ein Verfahren wegen Betrugs an Investoren im Vorfeld der Finanzkrise beizulegen. Citigroup wird vorgeworfen, Geldanlegern hochriskante Hypothekenpapiere verkauft und damit um Milliarden von Dollar gebracht zu haben. Dem Insider zufolge soll die Zahlung vorwiegend bar erfolgen, einige Milliarden seien aber auch als Hilfe für finanziell angeschlagene Investoren gedacht. Eine Einigung zwischen der Bank und dem amerikanischen Justizministerium könnte in der kommenden Woche bekanntgegeben werden. Citigroup wollte sich dazu nicht äußern. Eine Sprecherin des Justizministeriums antwortete nicht auf Anfragen.

          Ein Vergleich über sieben Milliarden Dollar wäre mehr, als Analysten angesichts der Größe des Citi-Geschäfts mit Verbriefungen von Hypothekenkrediten erwartet haben. Einige Analysten an der Wall Street hatten geschätzt, dass die Bank rund drei Milliarden Dollar dafür zur Seite gelegt hat. Das Justizministerium wiederum hatte Insidern zufolge eine Klage mit einer Strafforderung von mindestens zehn Milliarden Dollar erwogen.

          Juli 2014

          Der Commerzbank droht einem Zeitungsbericht zufolge wegen mutmaßlicher Verstöße gegen amerikanische Sanktionen eine Geldstrafe von mindestens 500 Millionen Dollar (370 Millionen Euro). Eine Einigung mit den amerikanischen Behörden auf eine Strafzahlung sei noch in diesem Sommer möglich, berichtete die „New York Times“. Die Commerzbank hatte - wie die Deutsche Bank auch - bereits eingeräumt, dass sie wegen ihrer Geschäfte mit Ländern wie dem Iran im Visier der amerikanischen Behörden steht. Die Verhandlungen hätten gerade erst begonnen, sagte eine mit den Gesprächen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Wann sie abgeschlossen würden, sei unklar. Die Commerzbank wollte sich am Dienstag dazu nicht äußern. Die Vereinigten Staaten verdächtigen Deutschlands zweitgrößte Bank, über ihre amerikanische Tochter Gelder für Unternehmen im Iran und im Sudan transferiert zu haben.

          Juni 2014

          Die französische Bank BNP Paribas wird voraussichtlich 8 Milliarden bis 9 Milliarden Dollar Strafe in den Vereinigten Staaten zahlen. Das ist ein Teil eines Abkommens, das die Bank und amerikanische Ankläger jetzt in Grundzügen ausgehandelt haben. Das berichtet die gewöhnlich gut informierte Zeitung Wall Street Journal. Die Bank steht unter dem Verdacht, in früheren Jahren vorsätzlich 30 Milliarden Dollar verschleiert zu haben, um sie dann – unter Umgehung von Sanktionen - über Regionalbanken an Unternehmen und Regierungsstellen im Sudan zu leiten. BNP Paribas soll bei den Ermittlungen nicht sonderlich kooperativ gewesen sein, heißt es.  Die amerikanischen Behörden haben Insidern zufolge zunächst eine Strafe von 16 Milliarden Dollar für die französische BNP Paribas wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Sanktionen ins Gespräch gebracht. Die Summe sei im Verlauf der Gespräche aber offenbar nur eine Verhandlungstaktik gewesen, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Es habe sich um die Reaktion auf ein Angebot des Pariser Konzerns gehandelt, rund eine Milliarde Dollar zu zahlen. Das französische Finanzhaus ist die zweite ausländische Bank in diesem Jahr, die sich in Amerika schuldig bekennen muss. Im Mai hatte die Schweizer Bank Credit Suisse sich der Beihilfe zur Steuerhinterziehung schuldig bekannt und eine Strafe von 2,6 Milliarden Dollar gezahlt.

          Großinvestoren wie die Allianz-Tochter Pimco, die Fondsgesellschaft Blackrock und die DZ Bank verklagen die Deutsche Bank und fünf andere Geldhäuser wegen ihrer Verwicklung in das Geschäft mit riskanten Hypothekenpapieren. Sie hätten ihre Pflichten als Treuhänder verletzt, weil sie die Emittenten hypothekenbesicherter Papiere (MBS) vor der Finanzkrise 2008 nicht zum Rückkauf wackliger Kredite gedrängt hätten, heißt es in mehreren am Mittwoch in New York eingereichten Klagen.

          Mai 2014

          In den weitreichenden Ermittlungen um die Manipulation des Goldpreises haben Finanzaufseher erstmals Strafzahlungen verhängt. Die britische Financial Conduct Authority (FCA) brummte der Londoner Großbank Barclays am Freitag eine Geldbuße von 26 Millionen Pfund auf. Der frühere Barclays-Händler James Plunkett muss 96.000 Pfund Strafe bezahlen und wurde mit einem Berufsverbot belegt. „Händler, die der Versuchung unterliegen, auf Kosten ihrer Kunden einen schnellen Dollar zu machen, sollten sich im Klaren darüber sein: Dieses Verhalten kostet Sie Ihren guten Ruf und Ihre Erwerbsgrundlage“, sagte die zuständige FCA-Direktorin Tracy McDermott. Mit den Strafzahlungen erreichen die Untersuchungen im Goldmarkt eine neue Dimension: Zum ersten Mal konnte einem Bankhändler ein konkreter Manipulationsversuch nachgewiesen werden.

          Im Skandal um die jahrelange Manipulation von wichtigen Zinssätzen treibt die EU-Kommission ihre Untersuchungen gegen drei Großbanken voran. Die obersten europäischen Wettbewerbshüter informierten die französische Crédit Agricole, die amerikanische Bank JP Morgan und das britische Geldhaus HSBC über die Vorwürfe, teilte die EU-Kommission in Brüssel mit. Nach Ansicht der Kartellwächter haben die Banken den Referenzzinssatz Euribor zu ihren Gunsten manipuliert, um Handelsgewinne einzustreichen. Ihnen drohen Strafen von bis zu zehn Prozent ihres Jahresumsatzes. Die Untersuchung ist Teil eines großen Zinsskandals. Bereits im Dezember 2013 hatte die EU-Kommission gegen vier Banken - darunter die Deutsche Bank - Strafen von mehr als eine Milliarde Euro verhängt.

          Amerikanische Ermittler verlangen mehr als 3,5 Milliarden Dollar (gut 2,5 Milliarden Euro) von der französischen Großbank BNP Paribas, um Untersuchungen zu Geschäften des Konzerns mit sanktionierten Ländern wie dem Sudan und Iran beizulegen. Eine entsprechende Vereinbarung, die im nächsten Monat erfolgen könne, werde derzeit ausgehandelt, berichten mehrere Medien und berufen sich auf mit der Sache vertraute Personen. Der Vergleich kann demnach auch höher ausfallen. Den Angaben zufolge wollen die Vereinigten Staaten auch, dass sich BNP Paribas schuldig bekennt.

          Die Credit Suisse zahlt 2,6 Milliarden Dollar wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung - vor allem: Sie bekennt sich schuldig.

          März 2014

          Die Finanzkrise kostet die Bank of America noch einmal richtig Geld. Die Großbank zahlt nach eigenen Angaben wegen strittiger Hypothekengeschäfte aus den Jahren 2005 bis 2007 zusammen 6,3 Milliarden Dollar an die beiden staatlichen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. Zusätzlich kauft sie ihnen Hypothekenpapiere im Zeitwert von 3,2 Milliarden Dollar (2,3 Mrd Euro) wieder ab. Die Aufsichtsbehörde FHFA und die Großbank verkündeten den Vergleich am Mittwoch. Die Behörde hatte 2011 insgesamt 18 Finanzkonzerne verklagt, die Fannie Mae und Freddie Mac Hypothekenpapiere verkauft hatten. Der Vorwurf: Die Banken hätten die darin enthaltenen Hauskredite zu rosig dargestellt. In der ab 2007 hereinbrechenden Finanzkrise verloren die Papiere massiv an Wert. In der Folge musste der Staat bei den Immobilienfinanzierern rettend einspringen. Die Bank of America muss besonders tief in die Tasche greifen, weil sie auch für Geschäfte des in der Finanzkrise übernommenen Immobilienfinanzierers Countrywide sowie der Investmentbank Merrill Lynch geradesteht.

          Die Schweizer Credit Suisse kann einen Rechtsstreit mit der amerikanischen Aufsichtsbehörde Federal Housing Finance Agency (FHFA) gegen eine Zahlung von 885 Millionen US-Dollar beilegen. Die FHFA war der Credit Suisse vor, zwischen 2005 und 2007 Hypotheken unter falschen oder unvollständigen Angaben verkauft zu haben. Die Bank teilte mit, dass damit der bedeutendste Rechtsstreit dieser Art zwischen der Credit Suisse und Anlegern beigelegt sei.

          Januar 2014

          Die größte amerikanische Bank JP Morgan Chase zahlt wegen ihrer Rolle als Hausbank des Finanzbetrügers Bernard Madoff zwei Milliarden Dollar. Die Ermittler hatten der Bank vorgeworfen, das Schneeballsystem Madoffs gedeckt und gegen das Geldwäschegesetz verstoßen zu haben. Madoff verbüßt wegen seines Milliardenbetrugs eine Haftstrafe von 150 Jahren.

          Dezember 2013

          Der letzte Monat des Jahres wird teuer für die Deutsche Bank: Die EU-Kommission verdonnert mehrere Geldinstitute wegen des Libor-Skandals zu Geldbußen von insgesamt 1,7 Milliarden Euro, allein 725 Millionen muss die Deutsche Bank zahlen. Auch die Royal Bank of Scotland, die Société Générale sowie die beiden amerikanischen Banken Citigroup und JP Morgan werden zur Kasse gebeten. Nach Ansicht der EU-Kommission hatten Händler der Banken jahrelang Referenzzinssätze manipuliert, um Handelsgewinne einzustreichen.

          Wesentlich teurer wird es für die Deutsche Bank in den Vereinigten Staaten. Das Institut einigt sich mit der amerikanischen Aufsichtsbehörde FHFA auf eine Strafe von 1,4 Milliarden Euro. Das Geld geht als Schadensersatz an die beiden staatlichen Immobilienfinanzierer Fanni Mae und Freddie Mac, die sich wegen verlustreicher Hypothekenanleihen von der Deutschen Bank betrogen sahen.

          Auch die  Royal Bank of Scotland (RBS) wird in Amerika zur Kasse gebeten: Die Briten zahlen 100 Millionen Dollar (72 Millionen Euro) Strafe, weil sie jahrelang Außenhandelssanktionen gegen den Iran, Burma, Sudan und Kuba umgangen haben sollen. Trotz der Verbote soll die Bank tausende von Finanzgeschäften im Volumen von mehr als einer halben Milliarde Dollar mit den Staaten abgewickelt haben.

          November 2013

          Rekord: Die größte amerikanische Bank JP Morgan Chase einigt sich mit dem amerikanischen Justizministierium und anderen Behörden wegen unlauterer Hypothekengeschäfte vor der Finanzkrise auf einen Vergleich von 13 Milliarden Dollar. JP Morgan wurden Gesetzesverstöße beim Verkauf von Wertpapieren und Immobilienkrediten zwischen 2005 und 2007 vorgeworfen. Zudem soll JP Morgan falsche Angaben über die Qualität von Hypothekenanleihen gemacht haben, die das Geldhaus an die staatlichen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac verkauft hatte.

          September 2013

          JP Morgan einigt sich mit amerikanischen und britischen Behörden auf einen außergerichtlichen Vergleich über 920 Millionen Dollar (660 Millionen Euro). Die Geldstrafe für das Handelsdebakel rund um den „Londoner Wal“ fiel damit höher aus als erwartet. Die Bank hatte zuvor in ihrer Anlagesparte in London mit riskanten Derivate-Geschäften mehr als sechs Milliarden Dollar Verlust gemacht. Wegen der Größe der Positionen erhielt einer der verantwortlichen Händler den Spitznamen „Londoner Wal“. JP Morgan räumte Fehler in der internen Kontrolle ein. Zudem hatte die Bank gegenüber den Behörden falsche Angaben zu den Transaktionen gemacht.

          Februar 2013

          Die Royal Bank of Scotland muss an britische und amerikanische Aufsichtsbehörden 615 Millionen Dollar (441 Millionen Euro) Strafe zahlen. Mitarbeiter der Bank hatten sich zuvor an der Manipulation des Referenz-Zinssatzes Libor in London, Tokio und Singapur beteiligt. Die Bank kündigte an, sich 300 Millionen Pfund der Gesamtstrafe von den Mitarbeitern wieder zurückzuholen, indem für 2012 und die künftigen Jahre niedrigere Boni ausgeschüttet werden. In E-Mails, die veröffentlicht wurden, machten sich beteiligte Händler lustig, wie leicht es sei, mit dem Libor reich zu werden. „Es ist einfach verblüffend, wie die Libor-Feststellung einem soviel Geld einbringen kann. Es ist jetzt ein Kartell hier in London“, schrieb einer der RBS-Händler.

          Dezember 2012

          Die Schweizer Bank UBS kauft sich für 1,4 Milliarden Franken (1,16 Milliarden Euro) aus den Ermittlungen im Libor-Skandal frei. Ein Großteil der Manipulationen bei UBS gehe auf einen einzelnen Händler zurück, der von 2006 bis 2009 in Tokio für die Bank gearbeitet habe, erklärte die Schweizer Bankenaufsicht Finma. Für UBS ist es die höchste Strafzahlung der Unternehmensgeschichte.

          Wegen Verstößen gegen das Geldwäscheverbot muss die britisch-asiatische Großbank HSBC 1,9 Milliarden Dollar (1,36 Milliarden Euro) Strafe zahlen. Die Amerikanischen Aufsichtsbehörden hatten der Bank vorgeworfen, mit fragwürdigen Geldtransfers aus Mexiko gegen das Gesetz verstoßen zu haben. Außerdem soll die Bank regelmäßig Sanktionen gegen Iran, Sudan und Nordkorea nicht eingehalten haben.

          Die britische Standard Chartered Bank muss wegen des Verstoßes gegen Iran-Sanktionen ebenfalls Tief in die Tasche greifen und 327 Millionen Dollar (234 Millionen Euro) zahlen. Bereits im August 2012 hatte die Bank eine 340 Millionen Dollar-Strafe von der New Yorker Finanzaufsicht akzeptiert.

          Juni 2012

          Amerikanische und britische Behörden weisen der Barclays Bank nach, jahrelang den Londoner Interbanken-Zinssatz Libor manipuliert zu haben. Das Geldinstitut muss deshalb 290 Millionen Pfund, umgerechnet 350 Millionen Euro, Strafe bezahlen. Der damalige Barclays-Chef Bob Diamon erklärt wegen des Skandals wenige Tage später seinen Rücktritt.

          Dezember 2011

          Die Bank of America verlangte von Latinos und Schwarzen überhöhte Zinsen. Nach jahrelangem Streit beugt sich die Bank im Dezember 2011 einem Vergleich mit dem Justizministerium in Washington und zahlt 335 Millionen Dollar (240 Millionen Euro) Strafe. In dem Verfahren ging es um das Geschäftsgebaren des Hypothekenanbieters Countrywide Financial, der von der Bank of America im Juli 2008 übernommen wurde. Countrywide soll mehr als 10.000 Kreditnehmern eine schlechte Kreditwürdigkeit attestiert und so zu höheren Zinszahlungen verpflichtet haben, weil sie nicht weiß waren.

          Oktober 2011

          285 Millionen Dollar (205 Millionen Euro) Strafe für die amerikanische Citigroup: Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hatte die Citigroup beschuldigt, Investoren von ausfallgefährdeten Hypothekenkrediten eigene Spekulationen verschwiegen zu haben: Die Bank hatte auf einen Kursverfall der Banken gewettet, ihren Kunden das aber nicht mitgeteilt.

          September 2011

          Die Schweizer Bank Credit Suisse muss 150 Millionen Euro an die deutsche Justiz zahlen. Das Geldinstitut soll betuchten Deutschen systematisch bei der Steuerhinterziehung geholfen und Geld vor dem deutschen Fiskus in Lebensversicherungen auf den Bermudas versteckt haben. Die Ermittlungen wurden durch den Ankauf einer Steuer-CD im Jahr 2010 ausgelöst.

          Mai 2011

          Wegen Auktionsbetrugs bei US-Kommunalanleihen muss die Schweizer Bank UBS 160 Millionen Dollar (115 Millionen Euro) Strafe zahlen. Die Bank räumte ein, dass mehrere Mitarbeiter zwischen 2001 und 2006 den Bieterprozess bei der Auktion der Anleihen manipuliert hatten.

          Februar 2011

          Die Deutsche Bank muss in Südkorea eine Rekordstrafe von umgerechnet 640.000 Euro zahlen. Das Geldinstitut soll große Aktienpakete nicht regelgerecht an der Börse in Seoul platziert haben und so einen Kurssturz verursacht haben. Die Summe entspricht der größten Summe, die ein Marktteilnehmer für Verstöße gegen Börsenregeln bis Dato in Südkorea zahlen musste. Die Bank wird zudem für sechs Monate weitgehend vom Eigenhandel und vom Handel mit Finanzderivaten in Südkorea ausgeschlossen.

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