https://www.faz.net/-gqe-14wav

Militärtransporter A400M : Pleitegeier oder Packesel?

Kommt wuchtig daher: der europäische Militärtransporter A400M vor seinem Jungfernflug Bild: picture alliance / dpa

Das Tauziehen um das europäische Transportflugzeug A400M geht in die letzte Runde: Bis Ende Januar wollen sich die Bestellnationen und Airbus auf die Rettung der Produktion einigen. Viel steht auf dem Spiel: 40.000 Arbeitsplätze, Steuermilliarden und die Glaubwürdigkeit des Herstellers.

          Der Militärtransporter A400M kommt erstaunlich leise daher. Beim Anflug sieht man den grauen Vogel mit den krallenartigen Propellern lange, bevor er zu hören ist. Mehr ein Rauschen als ein Dröhnen ertönt dann beim Überflug selbst in niedriger Höhe. Kein Vergleich mit einem Kampfflugzeug.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Im umgekehrten Verhältnis steht dazu der Lärm, den der A400M in Politik, Wirtschaft, Luftwaffe und Medien erzeugt. Das ist aber nicht verwunderlich. Schon in den achtziger Jahren entstanden Pläne für den ersten europaweit gebauten Militärtransporter. Zum Vertragsabschluss kam es 2003. Vorher stiegen die Italiener und die Portugiesen aus, erwog Deutschland den Kauf beim russischen Hersteller des Konkurrenzmodells Antonow und mussten die Briten entscheiden, ob sie nicht doch lieber bei Boeing bestellen sollen.

          Weil die Hersteller die Aufgabe unter- und die Regierungen die Industrie überschätzten, droht das ganze Projekt jetzt sogar noch zu scheitern. Airbus-Chef Tom Enders will den A400M nicht unter den aktuellen Vertragsbedingungen bauen, denn nach seiner Einschätzung könnte das Programm den ganzen Konzern in die Tiefe reißen. Die Steuerzahler sollen noch mehrere Milliarden nachschießen, denn die Finanzierung hätte nie so abgeschlossen werden dürfen, wie es 2003 geschah, findet Enders.

          Fast 130 Tonnen auf Jungfernflug: Der A 400M hob im Dezember 2009 zum ersten Mal ab - verspätet

          Boeing macht seit langem vor, wovon Airbus träumt

          „Pacta sunt servanda“, sagt dagegen die Bundesregierung, Verträge sind einzuhalten. Am kommenden Donnerstag treffen sich in London die Staatssekretäre aus den sieben Nato-Bestellnationen, die auf 180 Maschinen zum Gesamtpreis von 20 Milliarden Euro warten. Die bisher letzte Verhandlungsfrist ist auf Ende Januar gelegt worden. Bis dahin wollen sich die Kunden und die Airbus-Muttergesellschaft EADS auf eine Rettung des Programms geeinigt haben.

          Viel steht auf dem Spiel. In militärischer Hinsicht ist es die Fähigkeit, europäische Truppen und Material schnell in alle Welt zu bringen. Im 21. Jahrhundert, wo die Konflikte fernab der Heimat toben, ist rasche Mobilität die Voraussetzung jeder Intervention. In wirtschaftlicher Hinsicht geht es um insgesamt 40.000 Arbeitsplätze sowie um das technische Wissen und Können der europäischen Flugzeugindustrie. Das letzte große Transportflugzeug, das Deutsche und Franzosen bauten, war die Transall, die schon Ende der fünfziger Jahre entstand. Seither dominieren die Amerikaner und die Russen das Geschäft.

          Damit geht es auch um die Glaubwürdigkeit von Airbus. Der mit viel Mühe aufgebaute deutsch-französisch-spanische Konzern hat sich zwar als Anbieter ziviler Passagiermaschinen fest neben Boeing etabliert, doch seine militärische Kompetenz beim Bau großer Militärtransporter muss er noch unter Beweis stellen. Ein Ausbau des Verteidigungsgeschäfts hätte den erwünschten Nebeneffekt, die Abhängigkeit von der stark schwankenden zivilen Flugzeugnachfrage zu verringern. Boeing macht das seit langem vor, doch Airbus träumt bis heute von einem Gleichgewicht aus Zivil- und Militärgeschäft.

          Ein Wirrwarr über Landes- und Unternehmensgrenzen hinaus

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Brände im Regenwald : Das ökologische Endspiel am Amazonas

          Der Amazonas-Regenwald produziert gut ein Fünftel des Sauerstoffs, den wir atmen. Die andauernden Waldbrände und der Raubbau an ihm sind nicht nur eine ökologische Katastrophe – sondern auch eine humanitäre.
          Noch baumelt der Golf an den Greifarmen im Zwickauer VW-Werk. Bald soll ihn das Elektromodell ID ablösen.

          VW-Werk : Zwickau wird elektrisch

          VW produziert im sächsischen Zwickau bald nur noch Elektroautos. Das Werk wird damit zum Modell für die ganze Branche. Was bedeutet das für die Arbeiter? Ein Besuch im Versuchslabor.
          Wohl dem, der einen Torjäger wie Robert Lewandowski in seinen Reihen hat.

          3:0 bei Schalke 04 : Bayern und die große Lewandowski-Show

          Nach dem Remis zum Start der Saison zeigen die Münchner „auf“ Schalke ihre ganze Klasse. Beim klaren Sieg ragt vor allem der Torjäger heraus. Es ist ein Spiel voller denkwürdiger Momente.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.