https://www.faz.net/-gqe-7i113

Militärflugzeug A400M : Erster Airbus-Transporter geht an Frankreich

Da stehen sie nun: Militär-Transportflugzeuge A400M des europäischen Flugzeugbauers Airbus in Sevilla Bild: AFP

Verspätet und verteuert erreicht das Militärflugzeug A400M einen Meilenstein. Airbus braucht jetzt viele Exportkunden, um damit Geld zu verdienen. Das wird lange dauern.

          2 Min.

          Der europäische Konzern Airbus hat am Montag in seinem spanischen Werk bei Sevilla offiziell den ersten Militärtransporter vom Typ A400 M ausgeliefert. In einem Festakt im Beisein von französischen Politikern und Konzernvertretern nahm die französische Luftwaffe symbolisch die erste Maschine in Empfang. Damit erreicht das größte Militärprogramm, das jemals in Zusammenarbeit mehrerer europäischer Nationen entstanden ist, seinen bisher wichtigsten Meilenstein. Der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian sprach von einem „riesigen Exportpotential des Fliegers“. Keine andere Militärmaschine könne soviel Flexibilität aufweisen wie der A400M, meinte Tom Enders, der Vorstandsvorsitzende der Muttergesellschaft EADS.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Der deutsche Manager schätzte das Exportpotential des Militärtransporters auf 300 bis 400 Maschinen ein, die sich nach Ansicht von Militärexperten aber auf mehrere Jahrzehnte erstrecken. Bisher hat Airbus mit Malaysia nur einen Exportkunden gewonnen, der vier Maschinen bestellt hat. Die übrigen Aufträge über 170 Modelle sollen an die Programmnationen Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Spanien, Belgien, Luxemburg und die Türkei gehen.

          Ersatz für die Transall

          Die Entstehung des A400M ist eine Geschichte von europäischem Kooperationswillen, die im Streit mit der Industrie beinahe zu scheitern drohte. Europa braucht für seine Militäreinsätze dringend eigene Transportmaschinen, weil die Transall C-160 aus eigener Produktion zu alt und zu klein ist und zu wenig Reichweite hat. Als die Regierungen Anfang des vergangenen Jahrzehnts erstmals Aufträge vergaben, versprach Airbus den ersten A400M schon 2006 aufsteigen zu lassen und das gesamte Projekt für den Festpreis von 20 Milliarden Euro abwickeln zu können – obwohl der Luftfahrtkonzern zu dieser Zeit gleichzeitig den Riesenflieger A380 entwickeln musste und keine Erfahrung im Bau großer Militärmaschinen hatte.

          Die Versprechungen erwiesen sich als desaströse Fehleinschätzung. So kam es zu schmerzhaften Verzögerungen und Kostenüberschreitungen. Der Erstkunde Frankreich bekommt seinen ersten Flieger nun mit fünf Jahren Verspätung, und die Gesamtkosten liegen um mehr als fünf Milliarden Euro über Plan. 2009 und 2010 setzte Airbus unter Androhung des Programmstopps durch, dass die europäischen Kunden mehrere Milliarden Euro nachschossen; gleichzeitig schrumpfte aber die Orderzahl.

          Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian in Sevilla

          Kurz nachdem sich die Regierungen mit Airbus geeinigt hatten, setzte die Staatsschuldenkrise ein. Daher stehen heute dicke Fragezeichen hinter den Bestellungen der Regierungen. Selbst der größte Kunde Frankreich hat in seiner Budgetplanung bis 2019 nur 15 Maschinen vorgesehen, obwohl er vor drei Jahren noch 35 Stück für diesen Zeitraum eingeplant hatte und insgesamt 50 Flieger bestellt hat. Deutschland hat seine Bestellungen von 70 auf 53 Maschinen für insgesamt 9,5 Milliarden Euro verringert und will davon 13 Stück im Export weiterverkaufen. Im November 2014 soll der erste A400 M an die Bundeswehr ausgeliefert werden. Auch Spanien will von 27 bestellten Fliegern fast die Hälfte wieder an andere Nationen loswerden – eine Umlenkung von Aufträgen, die gleichzeitig die Exportchancen anderer Airbus-Maschinen verringert.

          Der Luftfahrtkonzern gab sich am Montag dennoch optimistisch. Programme wie der A400M könnten immer erst nach mehreren Jahrzehnten beurteilt werden. So hätten die europäischen Produktionsländer auch glänzend an der in den 60-er Jahren entwickelten Transall verdient, heißt es bei Airbus. Den A400M sieht das Unternehmen als weitgehend konkurrenzlos. Die C-17 von Boeing ist größer, und der amerikanische Hersteller kündigte unlängst an, die Produktion in zwei Jahren zu beenden. Die altbewährte Herkules C-130 von Lockheed Martin ist dagegen kleiner und viel älter; die jüngste Version hatte ihren Erstflug 1996. Der A400M setzt dabei auf hohe Vielseitigkeit. Ausgerüstet mit den größten Propellerantrieben der Welt kann er Panzer, Hubschrauber und Truppen transportieren, er kann andere Maschinen in der Luft betanken und beim Fliegen selbst mit Luft betankt werden. Landungen im Sand und auf anderen Behelfspisten sollen möglich sein. „Der A400M ist wie drei Maschinen in einer“, sagte Enders in Sevilla.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.