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Horrende Stundensätze : Thomas Middelhoffs sündhaft teure Anwälte

  • -Aktualisiert am

Gut bezahlt: Middelhoff (in der Mitte) und die Verteidiger Fromm (links) und Holtemüller. Bild: dpa

Der ehemalige Top-Manager lässt sich seine juristische Vertreter einiges kosten. Von Stundenlöhnen von 1000 Euro ist die Rede. Doch sind seine Berater wirklich ihr Geld wert?

          Thomas Middelhoff steht finanziell vor einem Scherbenhaufen: Die Kaution, durch die er jetzt nach fünfmonatiger Untersuchungshaft vorläufig in Freiheit kam, musste er mühsam bei alten Weggefährten sammeln. Sein Strafverteidiger Sven Thomas hatte dafür eigens ein Treuhandkonto eingerichtet. Auch sein Zivilanwalt Hartmut Fromm steuerte nach eigenen Angaben ein Scherflein bei. Fromm ist aber gut abgesichert – mit einer Millionenhypothek auf die Middelhoff-Immobilie an der Côte d’Azur, die derzeit zum Verkauf ansteht.

          Gut verdient haben dürfte Fromm an seinem Mandanten ohnehin: Stets rücke der Berliner Advokat mit zwei bis drei Junganwälten im Schlepptau an, ist zu hören. Dass er den Einsatz zu Stundensätzen von 1000Euro und mehr abgerechnet habe, weist Fromm auf Anfrage entschieden zurück.

          Allerdings erklärte er ansonsten lediglich, die Kanzlei Buse Heberer Fromm habe ihre „Regelstundensätze“ angesetzt. Sein Stuttgarter Kollege Winfried Holtermüller, der Middelhoff mitverteidigte, erklärte nur, seine Kanzlei berechne „moderate Stundensätze“. Dem Vernehmen nach hat er bereits vor einem Jahr 2,4 Millionen Euro als Honorar überwiesen bekommen.

          Vorn vorneherein ein sinnloses Manöver

          Guter Rechtsrat ist natürlich auch gutes Geld wert. In Middelhoffs Umfeld werden jedoch Vorwürfe gegen die beiden Rechtsberater laut. Bei jeder Gelegenheit hätten sie einen Rechtsstreit angezettelt und damit eine Einigung mit den wichtigsten Gläubigern verhindert, als dies noch möglich gewesen sei. Die Folge: Statt eines einvernehmlichen Schuldenschnitts musste der ehemalige Topmanager aus der Haft heraus Privatinsolvenz anmelden. Die Bank Sal. Oppenheim, mit der er um bis zu 200Millionen Euro im Clinch liegt, habe deshalb irgendwann gar nicht mehr mit ihm verhandelt, heißt es.

          Davon sei ihm nichts bekannt, entgegnet Fromm. Auch Holtermüller kontert: „Wir sind die Letzten, die überflüssige Rechtsstreitigkeiten vom Zaun brechen – unsere Kanzlei steht nicht in dem Ruf, Mandanten abzuzocken.“ Holtermüller hatte zudem mit gescheiterten Eilanträgen beim Gericht versucht, das von der Bank eingefrorene Geld loszueisen. Doch das sei von vornherein aussichtslos gewesen und habe viel Geld gekostet, sagen Beobachter. Auch ein Mahnbescheid des Anwalts gegen den damaligen Arcandor-Insolvenzverwalter über 120Millionen Euro sei unsinniger und teurer Aktionismus gewesen.

          Wenig hilfreich war demnach außerdem ein Schreiben Holtermüllers an den Immobilienentwickler Josef Esch und die Mitgesellschafter eines Immobilienfonds. Darin fuhr er schweres Geschütz auf und fragte provozierend, wie Esch denn seinen Pflichten als Geschäftsführer weiterhin nachkommen wolle, wenn er – was zu erwarten stehe – ohnehin bald verhaftet werde. Der Anwalt sieht das hingegen als Ausdruck echter Sorge einiger Mitgesellschafter, dass Esch durch sein Strafverfahren zeitlich zu sehr belastet würde. Ansonsten versichert er: „Wir halten eine Einigung mit den Gläubigern weiterhin für möglich – dafür ist es nie zu spät.“ Der vorläufige Insolvenzverwalter könne dazu sicher beitragen.

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