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Microsoft : Wann kommt endlich Windows 9?

Aufgeklappte Zukunft: Ein Microsoft-Tabletcomputer Bild: AFP

Mit dem Betriebssystem Windows 8 wollte Microsoft den großen Wurf landen. Es sollte den Konzern fit machen für die Zukunft, nur die Kunden wollen es nicht. Nun warten alle auf den Nachfolger.

          Klassische Personalcomputer verkaufen sich schlecht – und das Betriebssystem Windows 8 konnte daran nichts ändern. Inzwischen wurde das Betriebssystem von seinem Hersteller Microsoft einer umfassenden Renovierung unterzogen. Unter der Versionsnummer 8.1 kehrten einige beliebte Funktionen wie der Startknopf am linken Bildschirmrand zurück. Ein großer Wurf indes sieht anders aus. Unter Computerkäufern erfreut sich die Vorgängerversion Windows 7 in ihren alten Kleid mit normaler Benutzeroberfläche noch immer großer Beliebtheit.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nun sind die ersten ernstzunehmenden Spekulationen aufgetaucht, dass der Sprung auf die nächste Versionsnummer 9 viel schneller kommt als bisher gedacht. Da sich nicht nur die Computer-, sondern auch die Medienwelt wandelt, werden diese Gerüchte nicht etwa durch einen Bericht einschlägiger amerikanischer Medien genährt, sondern durch einen Blogger, dem in Fachkreisen und unter Windows-Nutzern gleichermaßen hohe Kompetenz zugesprochen wird.

          Das klassische Startmenü soll zurückkehren

          Und so schreibt Paul Thurrott auf seiner Website, dass Microsoft schon auf seiner Entwicklerkonferenz „Build 2014“ im April konkrete Details für die nächste Version seines Windows-Betriebssystems bekanntgeben wird. Laut Thurrott soll das klassische Start-Menü wieder ein zentraler Bestandteil des neuen Betriebssystems werden. Dieses Programm wird derzeit unter dem Codenamen „Threshold“ entwickelt. Die „App“-Anwendungen, die sich derzeit auf einer eigenen Ebene der Benutzeroberfläche finden, sollen künftig auch in der klassischen Desktop-Umgebung laufen.

          Damit würde Microsoft einen der größten Kritikpunkte am aktuellen Windows 8 ausräumen – nämlich die Tatsache, dass das Betriebssystem eigentlich in zwei Teile zerfällt. Anders als bei Konkurrenzsystemen wie Apples iOS oder Googles Android bekommen Nutzer immer wieder die alte – wenig touchgerechte – Ansicht zu sehen. Von einem homogenen Betriebssystem kann keine Rede sein.

          Als angeblichen Veröffentlichungstermin für Windows 9 nennt Thurrott den April 2015. Damit reagiere Microsoft auch auf die derzeit geringe Akzeptanz des kostenlosen Windows-8.1-Upgrades. Mit dieser neuen Version hatte Microsoft versucht, Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen und die größten Programmfehler auszubügeln. Offenbar vergeblich.

          PC-Hersteller dürften Druck machen

          Von Microsoft selbst gibt es zu den neuen Spekulationen keinen Kommentar. Jedoch scheinen die Überlegungen alles andere als unplausibel zu sein. Nicht zuletzt die wichtigsten Microsoft-Kunden, also die Hersteller von PCs, dürften dem größten Softwarekonzern der Welt erheblichen Druck machen. Denn die Branche hat ein sehr schlechtes Jahr hinter sich. Wie die Analystenhäuser IDC und Gartner am vergangenen Freitag mitteilten, ist der Absatz von Desktops und Notebooks im vergangenen Jahr um rund 10 Prozent auf 315 Millionen Stück gefallen. Die Kunden kaufen lieber Tabletcomputer.

          Hersteller wie Acer, Hewlett-Packard, Dell oder Toshiba haben deshalb zum Teil erhebliche Schwierigkeiten. So hat sich Dell gerade von der Börse verabschiedet, um sich neu auszurichten. Acer hat eine neue Führung, HP gilt als Dauerbaustelle. Die chinesisch-amerikanische Lenovo-Gruppe ist das einzige Unternehmen, das noch mit seinem Wachstum glänzen kann.

          Das beliebteste Windows bleibt mit Abstand Windows 7

          Die Industrie muss sich vor allem mit neuen Produktkategorien wie Tabletcomputern und Smartphones auseinandersetzen. Eigentlich sollte die Windows-8-Software diese Welten optisch miteinander verbinden. Die Kundschaft goutiert das nicht: So kam selbst das alte Betriebssystem Windows XP im Dezember vergangenen Jahres noch auf fast 30 Prozent Marktanteil, wie die Analysten von Net Applications ermittelt haben. Windows 8 und Windows 8.1 kletterten zusammen erstmalig auf einen zweistelligen Wert und erreichten 10,15 Prozent.

          Damit ist das neueste Windows-Betriebssystem rund 15 Monate nach seinem Start noch weit von einer Verbreitung entfernt, wie sie der Urahn XP für sich verbuchen kann. Und das beliebteste Windows bleibt mit großem Abstand Windows 7. Die seit Oktober 2009 angebotene Software, die die ungeliebte Windows-Version Vista ablöste, läuft auf knapp unter 50 Prozent der Windows-Rechner und damit de facto auf jedem zweiten Windows-PC. Der Marktanteil von Windows insgesamt liegt im Dezember bei 90,73 Prozent, gefolgt von Apples Mac OS mit 7,54 Prozent.

          Blogger Thurrott hat es deshalb gut: Seine Website erfreut sich angesichts der Beliebtheit von Windows weiterhin regen Interesses – unabhängig davon, wann Windows 9 nun tatsächlich kommt.

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