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Metro : Real und Kaufhof machen Schwierigkeiten

  • Aktualisiert am

Ein Franzose soll Real auffrischen Bild: dpa

Der Einzelhandelskonzern verzeichnet weniger Wachstum im zweiten Quartal. Vor allem die Warenhauskette Real schreibt tiefrote Zahlen. Und auch bei Galeria Kaufhof laufen die Geschäfte schlechter.

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          Der größte deutsche Handelskonzern Metro setzt sein Umsatzwachstum fort, verbucht aber weniger Gewinn. Im ersten Halbjahr steigerte der Düsseldorfer Handelsriese den Umsatz um 10,9 Prozent auf 30,3 Milliarden Euro. Diesen Zuwachs erzielte Metro vor allem im Ausland. Das Wachstum hatte aber auch seinen Preis: Wegen der Integrationsaufwendungen für die Akquisitionen von Wal-Mart Deutschland und Géant in Polen sank das Vorsteuerergebnis um 14,2 Prozent auf 202 Millionen Euro.

          Das Ergebnis je Aktie verringerte sich gegenüber dem Vorjahr sogar um 64,5 Prozent auf 29 Cent, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte. Die Aktie wurde in einem schwachen Börsenumfeld mit einem Abschlag von 0,6 Prozent bei rund 56,70 Euro gehandelt. Damit lagen die Kursverluste allerdings unter den Verlusten des Deutschen Aktienindex Dax, in dem die Metro-Aktie auch gelistet ist.

          Das zweite Quartal trug zur Ertragsschwäche im ersten Halbjahr bei. In den Monaten April bis Juni stiegen zwar die Erlöse um 9,7 Prozent auf 15,4 Milliarden Euro. Aber das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) verringerte sich um 8 Prozent von 321 Millionen auf 296 Millionen Euro.

          Nur das Ausland macht Spaß: Metro-Chef Hans-Joachim Körber
          Nur das Ausland macht Spaß: Metro-Chef Hans-Joachim Körber : Bild: AP

          Zahlen im Rahmen der Erwartungen

          Aktienhändler meinten, dass die Metro-Zahlen insgesamt im Rahmen der Erwartungen lägen. Der Umsatz liege leicht über dem Konsens, der Gewinn vor Steuern und Zinsen leicht darunter, hieß es. Analysten der Landesbank Baden-Württemberg und der HVB sprachen in ersten Kommentaren ebenfalls von einem Quartalsbericht im Rahmen der Erwartungen. Laut HVB-Experte Volker Bosse erzielte Metro gute Umsatzdaten. Auf der Gewinnseite habe das Unternehmen indes unter der erstmaligen Konsolidierung
          von Wal-Mart Deutschland gelitten.

          Der Metro-Vorstandsvorsitzende Hans-Joachim Körber kündigte auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf an, der Konzern werde auch in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres sein profitables Wachstum fortsetzen. Vor allem die internationale Expansion werde konsequent vorangetrieben. Gleichzeitig bekräftigte er die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr. Die Metro rechnet weiterhin mit einem Umsatzanstieg von 8 bis 9 Prozent sowie einem Anstieg des Ergebnisses vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 6 bis 8 Prozent.

          Wachstum in Osteuropa und in Asien

          Die stärksten Wachstumsregionen für die Metro waren erneut Osteuropa und Asien mit einem Umsatzplus von 23,5 und 26,5 Prozent. Doch auch in Deutschland wuchs der Umsatz dank der Wal-Markt-Übernahme um 7,6 Prozent auf 13,1 Milliarden Euro.

          Punkten konnte der Konzern erneut vor allem mit seinen Metro Cash&Carry-Großmärkten sowie mit den Elektronikmarktketten Media Markt und Saturn. Die weltweit präsenten Großmärkte lieferten erneut den größten Anteil des Gewinns. Die Elektronikmarktketten glänzten mit einem Umsatzplus von 14,3 Prozent. Sogar in Deutschland gelang Media Markt und Saturn trotz der Mehrwertsteuererhöhung ein Umsatzplus von 5,1 Prozent.

          Real macht noch mehr Verlust

          Beim langjährigen Sorgenkind des Konzerns, der SB-Warenhauskette Real, stiegen die Umsätze im ersten Halbjahr zwar akquisitionsbedingt um fast 27 Prozent auf über 6 Milliarden Euro. Wegen der Kosten der Übernahme schrieb real allerdings tiefrote Zahlen. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) lag mit minus 108 Millionen Euro mehr als drei Mal so hoch wie im Vorjahr. Im ersten Halbjahr 2006 betrug der Verlust lediglich 38 Millionen Euro. Die Ausweitung der Verluste begründete Körber mit der Integration von Wal Mart Deutschland.

          Die Schwierigkeiten bei Real haben jetzt auch personelle Konsequenzen: Der Metro-Konzern hat Joël Saveuse zum neuen Chef der Warenhauskette berufen. Der Handelsmanager, der zuletzt das Europageschäft der französischen Einzelhandelskette Carrefour verantwortete, löst zum 1. September Andreas Riedel ab. Dieser verlasse das Unternehmen auf eigenen Wunsch, teilte Metro am Mittwoch mit. Der 54 Jahre alte Manger Saveuse soll den Umbau von Real in Deutschland und die Expansion in Osteuropa vorantreiben.

          Kaufhof wird nicht verkauft

          Die Warenhauskette Galeria Kaufhof litt laut Körber unter der Mehrwertsteuererhöhung. Hier gingen die Umsätze um 1,2 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro zurück. Operativ schrieb die Metro-Tochtergesellschaft mit 52 Millionen Euro weiter rote Zahlen, nach einem Minus von 65 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2006.

          Der Metro-Konzern habe keine Absicht, sich von seinen Kaufhof-Warenhäusern zu trennen. „Wir sind mit unserem Portfolio zufrieden“, sagte Körber weiter am Mittwoch. Kaufhof gehöre zu diesem Portfolio, bekräftigte der Unternehmenschef. Analysten hatten Forderungen nach einem Verkauf der Sparte erhoben.

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