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Metro-Konzern : „Besser Kaufen“ statt „Schöner Wohnen“

Olaf Koch, der Metro-Vorstandsvorsitzende Bild: AFP

Der Metro-Konzern will mit neu gestalteten Märkten kleine Bäcker und Metzger locken. Neue Convenience-Angebote sollen die Läden wettbewerbsfähiger gegenüber großen Ketten machen.

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          Wenn Olaf Koch, der Vorstandsvorsitzende der Metro AG, zur Bilanzpressekonferenz nicht nach Düsseldorf in die Zentrale, sondern nach Köln-Godorf in einen neugestalteten Großmarkt einlädt, so hat das einen handfesten Grund. Er will zeigen, dass das schwächelnde, mit schrumpfenden Umsätzen kämpfende Deutschland-Geschäft der wichtigsten Konzerntochtergesellschaft, Metro Cash & Carry, Fortschritte in der strategischen und operativen Neuausrichtung macht.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Rund tausend Gespräche habe Metro mit Kunden im Vorfeld geführt, berichtete Koch, der seit März persönlich für die Großhandelssparte verantwortlich zeichnet. Das Ergebnis: „Es gibt viel, was wir verbessern können.“ Dabei geht es ihm nicht um kosmetische Verbesserung, sondern ums Sortiment. Der viermonatige Umbau in Köln-Godorf sei deshalb weniger nach „Schöner Wohnen“, sondern nach „Besser Kaufen“ erfolgt. Impulse soll vor allem die gezieltere Ausrichtung des Angebots auf die Kundenbedürfnisse bringen, besonders bei Lebensmitteln. Für die Gastronomen etwa, die in Köln ein Drittel der Kunden stellen, wurden neue Produkte aus Frankreich, Spanien und Italien eingeführt. Mit Stolz verwies Koch auf die Holzregale voller Olivenöle, Antipasti, Nudeln und Gebäck. Anfang 2014 sollen weitere Delikatessen aus Griechenland und der Türkei folgen.

          „Die Bäcker und Metzger hatten wir bisher nicht auf dem Radarschirm“

          Punkte sammeln will die Metro bei Restaurantbetreibern und Hotels auch mit einem größeren Frischeangebot (Fisch, Fleisch und Obst/Gemüse), regionalen Lieferanten, einem Weinhumidor und neuen Verpackungsgrößen. Zudem wurde eine weitere Zielgruppe identifiziert: „Die Bäcker und Metzger hatten wir bisher nicht auf dem Radarschirm.“ Diesen Kleinbetrieben will Koch beispielsweise Convenience-Artikel anbieten, um sie wettbewerbsfähiger gegenüber großen Ketten und Supermärkten zu machen. Um fast ein Drittel gestrafft wurde das Sortiment abseits der Lebensmittel. Koch will an dem sogenannten Non-Food-Geschäft festhalten, „aber wir müssen es deutlich cleverer machen“. Moderner und fokussierter soll das Angebot etwa von Textilien, Bürobedarf und Elektroartikeln daherkommen. Darüber hinaus sollen sich die Kunden dank niedrigerer Regale und eines Farbleitsystems auf der Verkaufsfläche besser zurechtfinden.

          Neben Köln-Godorf sind bisher drei weitere Filialen in Berlin, Düsseldorf und Schwelm nach dem neuen Konzept umgebaut worden. Bis die restlichen 52 Märkte komplett umgestellt sind, kann es nach Kochs Angaben drei bis fünf Jahre dauern. Einzelne Elemente der Neuausrichtung würden aber in allen Filialen zügig umgesetzt. Speziell in Italien hätten neue regional orientierte Marktkonzepte schon erhebliche Umsatz- und Ergebnisimpulse gebracht.

          Koch sieht in allen Vertriebslinien, neben Cash & Carry auch bei Media-Saturn, Real und Galeria Kaufhof, Fortschritte, was den Umsatz- und Ergebnistrend angeht. Auch im laufenden Weihnachtsgeschäft, das in das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres fällt, verbucht Metro nach seinen Worten eine spürbare Umsatzverbesserung. Diesen Schwung aus der wichtigsten Periode des Jahres will der Vorstand ins nächste Jahr mitnehmen und trotz weiterhin schwacher Wirtschaftsdynamik 2013/14 (30. September) ein leicht positives Umsatzwachstum erreichen. Beim operativen Ergebnis (Ebit) vor Sonderfaktoren will Metro deutlich zulegen und den Vergleichswert von 1,7 Milliarden Euro übertreffen. „Wir wollen operativ in allen Vertriebslinien besser werden“, versprach Koch. Erklärtes Ziel ist, den Aktionären, darunter als größter Einzelgruppe dem Duisburger Familienunternehmen Haniel, im kommenden Jahr wieder eine Dividende zu zahlen. Denn für das Rumpfgeschäftsjahr 2012/13 (30. September) gibt es nichts zu verteilen.

          In der ersten Jahreshälfte 2014 will der Vorstand auch entscheiden, ob er eine Minderheitsbeteiligung von Metro Cash & Carry Russland an die Börse gibt. Der Teilbörsengang dieser wachstumsstarken und erfolgreichen Tochtergesellschaft sei bisher noch nicht konkret, aber ein „guter Gedanke“, wie Koch sagte. Denn die Landesgesellschaft könnte so deutlich stärker expandieren, ohne zugleich die Metro-Bilanz zu belasten. Sollte man sich zu dem Schritt entschließen, werde die Mehrheit aber langfristig bei Metro bleiben, versicherte er. Was die geplante Trennung von der Warenhaus-Tochtergesellschaft Kaufhof angeht, so steht Metro nach eigenem Bekunden derzeit mit niemandem im Dialog. „Wir wollen nicht, dass Kaufhof zu einem Spekulations- oder Zerschlagungsobjekt wird“, sagte der Metro-Chef und wiederholte seine Bedingungen: Kaufhof wird nur verkauft, wenn ein fairer Preis gezahlt wird und der Käufer das Geld auch nachweisen kann. Zudem muss eine langfristige Perspektive für das Warenhaus-Unternehmen gesichert sein. Vor zwei Jahren hatte unter anderem Karstadt-Teileigentümer René Benko für Kaufhof geboten.

          In dem wegen des fehlenden Weihnachtsgeschäfts wenig aussagefähigen Rumpfgeschäftsjahr hat Deutschlands größter Handelskonzern ein bereinigtes Umsatzplus von 0,9 Prozent auf 46,3 Milliarden Euro erzielt. Das bereinigte Ebit wurde zwar deutlich verbessert, unter dem Strich verblieb aber ein Verlust (vor Sonderfaktoren) von 71 Millionen Euro. Deutliche Erfolge verbucht Metro derzeit beim Schuldenabbau und der Verbesserung des Mittelzuflusses. Der Stärkung der Bilanz durch die weitere Verringerung der Schulden will der Vorstand auch im laufenden Jahr hohe Priorität einräumen.

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