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Metro-Goldwyn-Mayer : Das lange Siechtum einer Hollywood-Legende

Bild: MGM

Metro-Goldwyn-Mayer war einmal das berühmteste Filmstudio der Welt. Außer der „James Bond“-Reihe ist vom alten Glanz wenig geblieben. Jetzt ist MGM auf dem Weg in die Insolvenz.

          3 Min.

          Daniel Craig ist frustriert. Der britische Schauspieler würde lieber heute als morgen wieder in seine Paraderolle als Geheimagent James Bond schlüpfen. Aber die erfolgreiche Filmreihe liegt derzeit auf Eis. Das Hollywood-Studio Metro-Goldwyn-Mayer (MGM), dem die Rechte an James Bond gehören, kann kein grünes Licht für die Produktion des nächsten Teils geben. Denn die Zukunft von MGM selbst ist in der Schwebe.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Das hochverschuldete Filmstudio hat sich vor fast einem Jahr zum Verkauf gestellt, ist aber nun mangels attraktiver Angebote auf dem Weg in die Insolvenz. Am Freitag stimmten die Gläubiger einem Plan zu, MGM in einem Gläubigerschutzverfahren zu restrukturieren. Daniel Craig gefällt seine Zwangspause als James Bond gar nicht: „Ich bin wirklich heiß darauf, in die Gänge zu kommen“, sagte er unlängst der „Los Angeles Times“.

          Die derzeitige Hängepartie ist ein weiteres unrühmliches Kapitel in dem seit langer Zeit andauernden Niedergang der einstigen Hollywood-Legende. Nach vielen Besitzerwechseln in den vergangenen Jahrzehnten, oft von einem Finanzinvestor zum nächsten, ist das Studio mit dem brüllenden Löwen im Logo heute nur noch ein Schatten seiner früheren Existenz. Jenseits von James Bond produziert MGM nur noch wenige eigene Filme und ist stattdessen vor allem zu einer Verwertungsmaschine für sein Archiv verkommen.

          James Bond muss warten: Daniel Craig ärgert sich darüber, dass es dem Filmstudio MGM schlecht geht

          In den dreißiger Jahren berühmtestes Filmstudio in Hollywood

          MGM entstand im Jahr 1924, als der New Yorker Kinobetreiber Marcus Loew seine Filmproduktionsfirma Metro mit den beiden Studios Goldwyn und Mayer verschmolz. In den dreißiger Jahren stieg MGM zum berühmtesten Filmstudio in Hollywood auf, das einen Klassiker nach dem anderen herausbrachte. Allein 1939 kamen etwa das Epos „Vom Winde verweht“ und das Musical „Der Zauberer von Oz“ von MGM. In dieser Glanzzeit gelang MGM eine Serie, in der das Studio zwanzig Jahre am Stück jeweils mindestens eine Oscar-Nominierung für den besten Film bekam. Die Monumentalproduktionen von MGM verloren in den sechziger Jahren aber an Zugkraft, und das Studio geriet in Schwierigkeiten.

          1969 wurde MGM an den Investor Kirk Kerkorian verkauft, der sich sonst mit Engagements in der Kasino- und der Autobranche einen Namen gemacht hat. Kerkorian hat MGM im Laufe mehrerer Jahrzehnte drei Mal gekauft und wieder verkauft. Zu den zwischenzeitlichen Eigentümern gehörten auch andere Finanzinvestoren, etwa die französische Bank Crédit Lyonnais. Zum bisher letzten Mal hat Kerkorian MGM im Jahr 2005 abgestoßen. Damals verkaufte er seinen Mehrheitsanteil an ein Konsortium aus dem japanischen Unterhaltungskonzern Sony, dem amerikanischen Kabelanbieter Comcast sowie mehreren Beteiligungsgesellschaften.

          Zu diesem Zeitpunkt hatte MGM schon ein langes Siechtum hinter sich: Die Filmproduktion wurde seit Jahren auf Sparflamme gehalten, attraktiv war MGM für Sony und seine Mitstreiter in erster Linie wegen seiner Bibliothek mit rund 4000 Filmen. Das Sony-Konsortium zahlte damals für MGM 5 Milliarden Dollar inklusive der Übernahme von Schulden und wettete damit auf einen regelmäßigen Geldstrom aus dem Ausschlachten der Bibliothek auf DVD, im Fernsehen und anderen Verwertungskanälen.

          Das DVD-Geschäft erlahmte

          Diese Rechnung ging aber in den vergangenen Jahren immer weniger auf, gerade das DVD-Geschäft erlahmte. Zudem ächzte MGM nach der stark fremdfinanzierten Übernahme unter einer immensen Schuldenlast von fast 4 Milliarden Dollar. Im vergangenen November wurde MGM abermals zum Verkauf gestellt.

          Die Resonanz war nicht gerade überwältigend. Zwar gab es Interessenten wie den Medienkonzern Time Warner, der 1,5 Milliarden Dollar geboten haben soll, aber die Offerten waren den Gläubigern von MGM zu niedrig. Stattdessen entstand der Plan, MGM in einem schnellen Insolvenzverfahren zu restrukturieren. Im Rahmen der Insolvenz sollen die Gläubiger zu Eigentümern werden und im Gegenzug für den Erlass von Schulden rund 95 Prozent der Anteile an MGM bekommen. MGM soll außerdem eine strategische Partnerschaft mit dem kleinen amerikanischen Produktionsstudio Spyglass Entertainment eingehen, das 5 Prozent erhalten soll. Die bisherigen Eigentümer würden leer ausgehen.

          Die Umsetzung dieses Plans schien schon beschlossene Sache, als vor wenigen Wochen der Investor Carl Icahn dazwischenfunkte. Icahn drängte darauf, MGM mit dem Filmstudio Lionsgate zusammen zu schließen. Er ist bereits mit einem Anteil von mehr als 30 Prozent größter Aktionär von Lionsgate und hat sich daneben auch bei MGM engagiert, indem er Gläubigern Schulden abkaufte. Er versuchte, genug Gläubiger auf seine Seite zu bekommen, um das bisherige Sanierungskonzept auszuhebeln und den Weg für einen Verbund von MGM und Lionsgate freizumachen. Damit ist er am Freitag gescheitert - MGM dürfte in den nächsten Tagen den Insolvenzantrag stellen.

          Während James Bond noch in der Warteschleife ist, gab es kürzlich Fortschritte in einem anderen Vorhaben von MGM - was jedoch daran liegt, dass es sich um ein Gemeinschaftsprojekt mit dem ungleich stabileren Filmstudio Warner Bros. handelt. Warner hat grünes Licht für die Produktion von zwei Filmen auf Basis des Buchs „Der kleine Hobbit“ gegeben, in denen die Vorgeschichte der erfolgreichen „Herr der Ringe“-Trilogie erzählt wird. Das Ringen um MGM hatte die Freigabe des Projekts verzögert. Um die Hobbit-Saga gab es zudem andere Unsicherheiten: Wegen Auseinandersetzungen mit Schauspielergewerkschaften und einem Disput um staatliche Zuschüsse überlegten die Produzenten, die Filme anders als zunächst geplant nicht in Neuseeland zu drehen, wo „Herr der Ringe“ entstand. Das war eine Frage von nationalem Interesse, in die sich selbst der neuseeländische Premierminister John Key einschaltete. Nach einem Krisentreffen vergangene Woche verkündete Key, dass die Produktion doch in Neuseeland bleibt.

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