https://www.faz.net/-gqe-9gnhp

Walmart-Konzern : MeToo erreicht Indiens Chefetagen

Binny Bansal galt lange Zeit als der Sunnyboy der indischen Gründerszene. Bild: Reuters

Das indische Idol der Gründerszene wird bei Walmart gefeuert. Es geht um den Vorwurf von sexuellem Missbrauch. Doch die Inder können das Verhalten der amerikanischen Firma nicht verstehen.

          MeToo in Indien: Der amerikanische Walmart-Konzern, der sich für Milliarden in den Wachstumsmarkt auf dem Subkontinent eingekauft hat, feuert einen Milliardär, ein Idol der indischen Gründerszene. Die Gründe dafür erscheinen vielen indischen Managern fadenscheinig. Eine befriedigende Erklärung aber gibt es – bislang – nicht. Dafür illustriert der Fall das harte Aufeinandertreffen von Kulturen. Amerika mit seinen strengen Regeln, die nun noch einmal durch die MeToo-Bewegung verschärft wurden, hat Probleme, sich in Indien zurecht zu finden. Und die Inder haben Schwierigkeiten, sich Amerikas Sicht unterzuordnen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Binny Bansal erschien vielen als der Sunnyboy der indischen New Economy. Mit seinem Freund Sachin Binsal, mit dem er nicht verwandt ist, gründete er 2007 die Internet-Buchhandlung Flipkart in einer Zweizimmerwohnung. Zwei Jahre später bekamen sie eine Million Startkapital von Accel und verkauften 20.000 Bücher. 2013 folgte eine zweite Investitionsrunde über 360 Millionen Dollar, diesmal schon mit der Investmentbank Morgan Stanley. Die Webseite verzeichnete mehr als eine Milliarde Klicks, Flipkart kaufte für 330 Millionen Dollar den Modehändler Myntra und bekam Exklusiv-Verträge für Indien mit Motorola und Xiaomi. Allein Myntra soll von Walmart nun mit rund 6 Milliarden Dollar eingeschätzt worden sein. Die Übernahme durch Walmart in diesem Jahr bewertete Indiens größte Neugründung mit rund 16 Milliarden Dollar. Sachin Bansal schied nach der Übernahme aus. Binny blieb als Vorstandschef der Gruppe unter dem Dach von Walmart.

          Im Juli aber kontaktierte eine frühere Flipkart-Mitarbeiterin die Walmart-Manager und erklärte, Binny Bansal habe sie 2016 sexuell angegriffen. Bansal leugnete dies, und die eingesetzten, unabhängigen Prüfer einer internationalen Rechtsanwaltskanzlei konnten den Vorwurf ebenfalls nicht bestätigen: Binny und die Frau, die zu diesem Zeitpunkt nicht mehr bei Flipkart arbeitete, hatten ihrer Ansicht nach eine einvernehmliche Affäre.

          Bansal hatte die Regeln selbst aufgestellt

          Das aber half dem Mann nicht, den Walmarts Kauf zum Milliardär gemacht hatte: Weil er das Geschäftsrisiko durch die Gerüchte nicht angezeigt hatte, musste der 37jährige nun seinen Hut nehmen. Grund waren nicht etwa sexuelle Übergriffe, sondern im Zuge des Anschwärzens zu Tage getretene „Schwächen in der Urteilsbildung“ und ein „Mangel an Transparenz“ – Binny Bansal hätte das Risiko erkennen, benennen und abarbeiten müssen. Die amerikanischen Manager fragten nach etwaigen Zahlungen, die er der Frau für ihr Schweigen geleistet haben könnte. Und warum er den Fall nicht während der Übernahme bekannt gemacht habe. Bansal sah dies anders: Er ging davon aus, dass er während der Untersuchung offen war. Zudem sei es eine Beziehung gewesen, die außerhalb des Unternehmens gespielt habe. Und war er es nicht auch gewesen, der bei Flipkart Regeln eingeführt hatte, wie mit den Vorwürfen sexueller Belästigung umzugehen sei, wie Menschen, die solle Fälle aufzeigen, geschützt werden sollten?

          Viele der indischen Mitarbeiter von Flipkart, nun bei Walmart angestellt, verstanden die Welt nicht mehr. Die Risiken, die Walmart fürchtete, sind nicht ihre. Seitdem machen Gerüchte die Runde, die Amerikaner hätten nur nach einem Grund gesucht, den allseits bewunderten Bansal los zu werden, um das Ruder selber in die Hand zu nehmen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bereits ab 14.00 Uhr könnte die gefühlte Temperatur über 32 Grad liegen, dann herrscht Warnstufe 2. (Archivbild aufgenommen in Berlin)

          Deutscher Wetterdienst : Hitzewarnung für Deutschland

          Der Deutsche Wetterdienst rechnet ab Montag mit ersten Hitzewarnungen. Ab Mittwoch soll dann ganz Deutschland von einer Hitzewelle erfasst werden. Besonders Kinder, alte und kranke Menschen sind durch die hohen Temperaturen gefährdet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.