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Messe ITB in Berlin : Aufbruchstimmung in der Touristik

Auf Hochglanz poliert: Für die ägyptischen Reiseziele muss auf der ITB verstärkt geworben werden - auch mit Sonderangeboten Bild: dapd

Mehr und teurere Reisen planen die Deutschen in diesem Jahr. Auf der Tourismusmesse ITB, die in Berlin eröffnet wird, herrscht Zuversicht - obwohl die Branche die Folgen der Unruhen in Ägypten und Tunesien deutlich spürt.

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          Zum Auftakt der Tourismusmesse ITB zeigt sich die Reisebranche in Bestlaune. „Unsere Branche ist im Aufwind und wird 2011 zu neuen Höhenflügen ansetzen“, sagte der Präsident des Deutschen Reiseverbands Jürgen Büchy zum Messeauftakt. Auch Klaus Laepple, der Chef des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW), stimmte in den Jubel ein.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Sofern Ereignisse wie die Aschewolke, die im vergangenen Jahr von Island über den europäischen Kontinent zog und den Luftverkehr lahm legte, ausblieben, werde die Branche 2011 ihre Ergebnisse des bisherigen Rekordjahres 2008 „eindeutig übertreffen“. Frühere Werte bereits übertroffen hat die ITB selbst, die Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit am Dienstagabend eröffnen. Die Berliner Messegesellschaft meldet 26 ausgebuchte Ausstellungshallen. Dabei konnte die Zahl der 11163 Aussteller den Vorjahreswert nur deshalb übertreffen, weil in mehreren Hallen doppelgeschossige Stände errichtet wurden.

          Zur guten Stimmung trägt auch bei, dass die Reiseveranstalter mit einem sicheren Polster in die beginnende Sommersaison gehen. Der Marktforscher der GfK in Nürnberg ermittelten, dass Kunden aus Deutschland bis Ende Januar 18 Prozent mehr für ihren Sommerurlaub ausgegeben haben als zum vergleichbaren Vorjahreszeitpunkt. Da sie die Konjunkturaussichten als deutlich besser beurteilen, ist ihre Reiselust wieder erwacht. „Die Menschen sind allgemein wieder bereit Geld auszugeben und ebenso bereit, auch für den Urlaub Geld auszugeben“, sagte Büchy. Nach Angaben der GfK planen mehr Deutsche als im Vorjahr für den Sommer eine Reise. Und wer in Urlaub fährt, lässt sich diese mehr kosten. 2010 lag das durchschnittliche Budget der Bundesbürger bei 944 Euro pro Person. Die Marktforscher rechnen jetzt damit, dass hierzulande 4,6 Prozent mehr für den Sommerurlaub ausgeben wird als 2010.

          Es könnte eng werden: Die Buchungskontingente für die Tunesien-Alternative Mallorca sind nahezu ausgeschöpft (Foto: Cala Millor)

          Der hohe Buchungsstand zum Messebeginn hat aber noch eine weitere Ursache: Kunden kauften zuletzt ihre Urlaubstickets mit längerem Vorlauf. Nach Einschätzung Büchys wird sich dieser Trend fortsetzen. „Frühbuchen ist wieder in, 2011 wird kein Last-Minute-Jahr“, sagte er. „Wer Auswahl haben will, muss sich in diesem Jahr eher entscheiden“, riet er. Das dürfte vor allem für die beliebten Urlaubsregionen Spanien und Türkei gelten. Die GfK sagt für beiden jeweils überdurchschnittliche Zuwachsraten voraus.

          Nordafrika im Sonderangebot

          Ein Teil der zusätzlichen Urlauber werden Kunden sein, die vor Reisen in die krisengeschüttelten Länder Ägypten und Tunesien zurückschrecken. Während Büchy sagte, dass sich die Regionen schnell erholen würden, rechnen Marktbeobachter damit, dass das Tourismusgeschäft dort während der gesamten Sommersaison hinter dem Vorjahr zurückbleiben wird. Allein beim Branchenführer TUI Deutschland liegen die Buchungen für das Sommergeschäft in Ägypten um 22 Prozent unter dem Vorjahreswert, in Tunesien sogar bei 50 Prozent, sagte Geschäftsführer Volker Böttcher am Dienstag in Berlin.

          Die großen Reiseveranstalter versuchen daher, mit Sonderangeboten Kunden für die nordafrikanischen Badeorte zu begeistern. Als Verzweiflungstat will das niemand in der Branche verstanden wissen. Peter Fankhauser, Chef des TUI-Rivalen Thomas Cook, sagte, Preisabschläge seien zur Zeit „die einzige Möglichkeit, Gäste nach Tunesien zu bekommen.“ Die Rabattstrategie verfängt aber nicht bei Kunden, die ohnehin mehr für sonnige Sommerwochen auszugeben beabsichtigen und die zunehmend auf Sicherheit Wert legen. Tat mancher Reiseveranstalter Fragen nach Engpässen in Ausweichregionen unlängst noch mit dem Hinweis „Die Welt ist groß“ ab, wächst jetzt die Sorge, dass vor allem auf Mallorca sowie an den Küsten in der Südtürkei die Buchungskontingente in Kürze nahezu ausgeschöpft werden.

          Trotz der guten Aussichten mahnte BTW-Präsident Laepple die Politik, die Erholung für das Tourismusgewerbe hierzulande nicht durch hohe Abgaben zu bremsen. Er forderte für Fluggesellschaften eine Verrechnung der künftigen Einnahmen aus dem Emissionshandel mit dem Aufkommen der seit Jahresbeginn geltenden Luftverkehrssteuer. Außerdem warnte er, dass die Vorteile der Mehrwertsteuersenkung für deutschen Hotelbetreiber durch die jetzt geplanten Kommunalsteuern völlig aufgezehrt werden.

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