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Arzneikonzern : Merz streicht jede zehnte Stelle in Deutschland

Im Forschungslabor von Merz Bild: dpa

Der Schwenk von Neurologie auf Schönheit fordert Tribut: Der Arzneihersteller Merz baut 100 Arbeitsplätze hierzulande ab. Darunter sind auch betriebsbedingte Kündigungen.

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          Die Strategiewende des Arzneiherstellers Merz fordert Opfer in der Belegschaft, jedenfalls in Deutschland. Das Unternehmen baut im Heimatland jeden zehnten der rund 1000 Arbeitsplätze ab – und greift dabei auch auf betriebsbedingte Kündigungen zurück. „Per saldo werden wir in einem Jahr 100 Beschäftigte weniger haben – das ist eine Größenordnung, die die Strategieveränderung abbildet“, sagte der für Personal zuständige Geschäftsführer Hartmut Erlinghagen während der Bilanzvorlage. Das solle möglichst schonend passieren, aber: „Wir werden auch betriebsbedingte Kündigungen aussprechen.“

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Merz ist im Quintett der forschungsorientierten deutschen Pharmaunternehmen das kleinste, zusammen mit Grünenthal und hinter Bayer, Boehringer Ingelheim und Merck. Es hat mit der typischen Schwierigkeit des innovationsgetriebenen Arzneianbieters zu tun: Das Patent des wichtigsten Umsatzbringers (gegen Alzheimer) geht Land für Land verloren, gleichzeitig scheiterte ein geplanter neuer Kassenschlager (gegen Tinnitus) in Tests an Patienten.

          So beschloss die Geschäftsführung einen Strategieschwenk: Fortan setzt sie auf Ästhetik-Produkte wie botox-ähnliche Präparate, Faltenfüller und Ultraschallgeräte zur Hautstraffung. Zugleich beschloss die Merz-Spitze, die Forschung und Entwicklung in der Neurologie aufzugeben. Diese Abteilung hatte die Alzheimer-Pille Memantine hervorgebracht, ein Produkt, das bis vor Kurzem mehr als die Hälfte zum Umsatz beisteuerte und Merz erst in die erste Liga der deutschen Pharmaindustrie beförderte.

          Im Geschäftsjahr 2013/14 (Stichtag 30. Juni) verlor Memantine gut ein Zehntel des Umsatzes, und das, obwohl in Japan und den Vereinigten Staaten die Patente noch laufen. Indes brachte die Pille immer noch etwa 400 Millionen der 994 Millionen Euro Jahresumsatz ein. Die Marge auf Basis des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank auf 29 Prozent (Vorjahr: 36 Prozent).

          Merz hat kürzlich den amerikanischen Ultraschall-Spezialisten Ulthera erworben. Daneben betreibt das Unternehmen noch ein Geschäft mit frei verkäuflichen Produkten, bekannt für die Merz Spezialdragees und Badesalze der Marke Tetesept. Hier ist keine große Expansion geplant: „Wenn wir zukaufen, werden wir das im Ästhetik-Bereich machen“, sagte Unternehmenschef Philip Burchard.

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