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Baukonzern : Merkel gegen Zerschlagung von Hochtief

  • Aktualisiert am

Hochtief-Baustelle in Frankfurt Bild: ddp

Im Übernahmekampf um Hochtief durch den spanischen Baukonzern ACS melden sich immer mehr Politiker zu Wort. Gestern appellierte SPD-Chef Gabriel an die Bundesregierung, sie solle Hochtief helfen. Jetzt schaltet sich die Kanzlerin ein.

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          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich in den Übernahmekampf bei Hochtief eingeschaltet und vor einer Zerschlagung von Deutschlands größtem Baukonzern gewarnt. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Freitag in Berlin, Hochtief sei ein Aushängeschild deutscher Technologiekompetenz. „Schon deshalb ist die Bundesregierung und das Kanzleramt daran interessiert, dass die industriellen Strukturen von Hochtief und auch der Sitz von Hochtief in Essen bleiben.“

          Die Regierung sei in Kontakt mit dem Unternehmen. „Und sie geht davon aus, dass alle Aktivitäten, die da nun noch eintreten mögen, in Einklang mit europäischem Recht sind“, betonte Seibert.

          Der spanische Konkurrent ACS hatte vor wenigen Wochen angekündigt, die Mehrheit am Essener Unternehmen übernehmen zu wollen. ACS gehört schon knapp 30 Prozent an dem deutschen Baukonzern, die Spanier wollen ihren Anteil erhöhen. Dazu hat ACS eine Übernahmeangebot mittels Aktientausch angekündigt. So sollen Hochtief-Aktionäre für je 5 Aktien 8 ACS-Papiere bekommen. Das Hochtief-Management ist davon wenig begeistert und will den Übernahmeversuch abwehren.

          ACS-Chef Florentino Perez: Er ist auch Präsident des spanischen Fußballclubs Real Madrid
          ACS-Chef Florentino Perez: Er ist auch Präsident des spanischen Fußballclubs Real Madrid : Bild: dpa

          Finanzaufsicht hat Frist verlängert

          ACS hat die Offerte bislang noch nicht offiziell bei der Finanzaufsicht Bafin zur Prüfung eingereicht. Die Frist sei um vier Wochen verlängert worden, sagte am Freitag eine Bafin-Sprecherin in Bonn. Die Spanier haben um Verlängerung gebeten. Das sei ein normaler Vorgang, hieß es.

          Der Hintergrund: ACS bereitet die Einberufung einer außerordentlichen Aktionärsversammlung vor. Die Aktionäre sollen einer möglichen Kapitalerhöhung zustimmen, um die Offerte für Hochtief mitzufinanzieren. Ursprünglich hatte ACS sein Übernahmeangebot am vergangenen Donnerstag einreichen wollen.

          Gabriel: Brauchen Gesetzesinitiative

          Pläne für eine Zerschlagung des Essener Konzerns bestreiten die Spanier zwar, die Arbeitnehmer von Hochtief befürchten im Falle einer Übernahme aber dennoch eine Zerschlagung. Das Hochtief-Management und die Beschäftigten hatten die Politik um Hilfe gebeten. Am Donnerstag hatte SPD-Chef Sigmar Gabriel die Hochtief-Zentrale in Essen besucht und die Regierung zum Eingreifen aufgefordert (siehe Gabriel: Regierung soll Hochtief helfen). Es bestehe die Gefahr, dass ein erfolgreiches deutsches Unternehmen zerschlagen werde, um einer angeschlagenen spanischen Firma wieder auf die Beine zu helfen.

          Gabriel forderte von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), sich aktiv in die Suche nach einem „weißen Ritter“ einzuschalten. Das könnte etwa ein Staatsfonds oder ein Unternehmenskonsortium sein, welches zumindest eine Sperrminorität von 25,1 Prozent erwirbt.

          Mit den Äußerungen Seiberts setzt das Kanzleramt nun deutlich andere Akzente als am Vortag Wirtschaftsminister Rainer Brüderle. Der hatte zuvor mehrfach betont, er wolle sich bei Hochtief nicht einmischen.

          Monopolkommission warnt vor Staatseingriff

          Auch der Vorsitzende der Monopolkommission, Justus Haucap, hat sich mit scharfen Worten gegen ein Eingreifen des Staates ausgesprochen: „Die Forderung, dass wir einen großen deutschen Baukonzern benötigen, ist populistischer Quatsch“, sagte Haucap „Handelsblatt Online“. „Wir brauchen keinen nationalen Champion in der Baubranche.“ Nötig sei vielmehr Wettbewerb, der die Preise niedrig hält. „Und ob nun Unternehmen mit spanischen oder deutschen Aktionären um Aufträge konkurrieren, ist egal“, sagte der Direktor des Instituts für Wettbewerbsökonomie an der Universität Düsseldorf.

          Haucap fordert die Politik daher auf, sich aus dem Übernahmekampf herauszuhalten. „Die heutigen Aktionäre sollten selbst entscheiden, ob sie ihre Aktien verkaufen wollen oder nicht.“ Für die Arbeitnehmer sei es zudem „weitgehend egal“, ob die Eigentümer Deutsche oder Ausländer sind. „Durch das Entsendegesetz sind die Bauarbeiter auf deutschen Baustellen ohnehin vor Niedriglohnkonkurrenz durch ausländische Bauarbeiter geschützt.“ Die Monopolkommission berät die Bundesregierung als unabhängiges Expertengremium in Wettbewerbs- und Kartellfragen. Vorsitzender ist der Wirtschaftsprofessor Justus Haucap.

          Hochtief beschäftigt in Deutschland 11.000 Mitarbeiter, weltweit sind es 66.000. Der Konzern macht rund 18 Milliarden Euro Umsatz. ACS beschäftigt 143.000 Mitarbeiter und hat zuletzt 15,6 Milliarden Euro umgesetzt.

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