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Merck contra Bayer : Der Spielball Schering

  • Aktualisiert am

Schering unterstützt Bayer, doch Merck kümmert´s nicht Bild: dpa

Einen Tag vor Ablauf der Übernahmeofferte für Schering hat sich das Ringen von Bayer und Merck um Schering zugespitzt. Merck hat seine Beteiligung weiter erhöht, Bayer denkt über ein höhres Angebot nach. Was Anleger wissen müssen - ein Überblick.

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          Die Beschäftigten des Berliner Pharmakonzerns Schering AG machen sich angesichts des wieder aufgelebten Übernahmekampfes zwischen der Leverkusener Bayer AG und der Merck KGaA in Darmstadt Sorgen um ihre Arbeitsplätze. Sollte Bayer wegen der massiven Käufe der Schering-Aktie durch Merck mit seinem laufenden Übernahmeangebot scheitern, befürchtet der Schering-Betriebsratsvorsitzende Norbert Deutschmann einen umfangreicheren Stellenabbau.

          Bayer teilte am Dienstag mit, sie erwäge nun auch Käufe von Schering-Aktien auch über dem Angebotspreis der laufenden Offerte von 86 Euro. Ein höherer Preis würde gleichzeitig für alle im Rahmen des Angebots gekauften Aktien gelten. Zuvor hatte Merck seine Beteiligung an Schering auf mehr als 20,7 Prozent der Anteile erhöht, wie es in einer Mitteilung an die amerikansiche Börsenaufsicht SEC heißt.

          Der Schering-Vorstand bekräftigte, daß er weiterhin das Übernahmeangebot von Bayer unterstützt. „Wir hoffen, im Interesse aller Mitarbeiter, daß möglichst schnell Klarheit über die Zukunft des Unternehmens besteht“, sagte Schering-Vorstandschef Hubertus Erlen. Spekulationen sind Tür und Tor geöffnet.

          Wir versuchen, die wichtigsten Fragen der Anleger zu beantworten:

          1. Warum ist die Schering-Aktie trotz der hohen Umsätze am Freitag nicht stärker gestiegen?

          Weil Bayer peinlich genau darauf geachtet hat, nicht mehr als die bisher gebotenen 86 Euro je Aktie zu zahlen und Merck offensichtlich ebenfalls nicht bereit war, höhere Kurse zu akzeptieren. Viele Aktien wurden zudem zwischen den beiden rivalisierenden Unternehmen und institutionellen Investoren direkt gehandelt.

          2. Wie hoch sind aktuellen Beteiligungsquoten von Merck und Bayer an Schering?

          Merck hat seinen Anteil an Schering weiter aufgestockt und hält nun fast 21 Prozent der Schering-Anteile. Kurz vor Auslaufen der Angebotsfrist für die Milliarden-Offerte von Bayer geht Merck auf eine Sperrminorität von 25 Prozent zu und verfügt nun über 20,71 Prozent der Schering-Aktien. Der Rückhalt der Schering-Aktionäre für Bayer schwindet dagegen: Der Leverkusener Konzern meldete, er habe sich bisher 60,15 Prozent an Schering gesichert. Am Freitag waren es noch 61,52 Prozent. Damit haben einige Schering-Aktionäre offenbar ihre Zusage wieder zurückgezogen.

          3. Wie lange läuft das bestehende Übernahmeangebot von Bayer für Schering noch?

          Bis Mittwoch Mitternacht.

          4. Welche Berater stehen Merck und Bayer zur Seite?

          Merck wurde bei seinem ursprünglichen Gebot für Schering im Frühjahr von den Investmentbanken Bear Stearns, Goldman Sachs und der Deutschen Bank beraten. Analysten gehen aber davon aus, daß es bei den ursprünglichen Banken geblieben ist. Bayer stehen Credit Suisse First Boston und die Citigroup zur Seite.

          5. Warum erfährt man die jeweils jüngste Beteiligungshöhe von Merck an Schering nur über die amerikanische Wertpapieraufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC)?

          Schering-Aktien werden auch an der Wall Street gehandelt, deshalb ist auch die SEC zuständig. In Amerika gelten andere Veröffentlichungspflichten als in Deutschland, wo Unternehmen lediglich melden müssen, wenn ihre Beteiligung am Kapital eines anderen Unternehmens die Schwelle von 5, 10, 25 oder 30 Prozent übersteigt. Vor allem die Aufstockung der Anteile zwischen 10 und 25 Prozent könnte sich deshalb geräuschlos vollziehen. Wenn in Amerika jedoch die ebenfalls meldepflichtige Hürde von 5 Prozent überschritten ist, muß danach jede weitere wesentliche Änderung in der Stellungnahme gegenüber der SEC unverzüglich aktualisiert werden. Als eine solche Änderung gilt zum Beispiel auch die Veränderung der Beteiligungsquote um nur einen Prozentpunkt.

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