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Deutscher Autokonzern : Mercedes verkauft 20 Prozent weniger Autos in Amerika

Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche ist während der Detroiter Automesse in diesem Januar gemeinsam mit Arnold Schwarzenegger aufgetreten. Bild: EPA

Egal ob in Deutschland, den Vereinigten Staaten oder China: Die Luxusautomarke Mercedes meldet ungewohnt schlechte Verkaufszahlen. Dafür gibt es mehrere Gründe.

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          Die Absatzzahlen von Mercedes im August lassen aufhorchen. Nur gut 20.300 Autos sind in den Vereinigten Staaten verkauft worden, ein Fünftel weniger als vor einem Jahr. In Deutschland ist das Minus auch sehr deutlich: Um fast 15 Prozent auf nur noch 21.400 Autos ging der Absatz zurück. Und in China, wo man hohe zweistellige Wachstumsraten gewöhnt ist, wurden die Verkäufe nur um 5,5 Prozent auf 53.300 Autos erhöht.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Bei Daimler indes will man den Blick lieber auf den Rekord richten, der doch auch erzielt wurde: Von Januar bis August wurden insgesamt mehr als 1,5 Millionen Autos verkauft, das ist immerhin noch ein Plus von 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert. Und im Übrigen, so betont eine Sprecherin gegenüber FAZ.NET, sei der August des vergangenen Jahres auch außergewöhnlich erfolgreich gewesen und tauge damit nur bedingt als Vergleichsmonat. Nehme man den August-Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre, so komme man auf weniger als 140.000 Autos, während diesen August immerhin fast 156.000 Wagen verkauft wurden.

          Für die Anleger scheint die deutliche Absatzdelle offenbar keine große Rolle zu spielen. Der Kurs der Daimler-Aktie, der wie andere Werte auch vor allem im Kontext mit dem Handelskrieg in den vergangenen Monaten schon stark zurückgegangen ist, blieb mit 54,40 Euro nahezu konstant.

          Zetsches „Schlamassel“

          Erklärungen für den Absatzrückgang, der verglichen mit dem Vorjahres-August 8,5 Prozent beträgt, gibt es zahlreiche. Donald Trump, der im Frühsommer eindrücklich gefordert hat, er wolle keinen Mercedes mehr auf der Fifth Avenue sehen, wird zwar nicht ausdrücklich genannt und auch von Handelskrieg ist in der Mitteilung von Daimler nicht die Rede. Doch auf Nachfrage wird durchaus eingeräumt, dass zumindest die neuen Zollschranken zwischen Amerika und China schon Auswirkungen haben: Der Absatz der in Tuscaloosa gebauten SUV hat in China durchaus nachgegeben.

          Die Dieselproblematik wird ebenfalls nicht erwähnt, spielt aber definitiv eine Rolle. Der allgemein deutliche Nachfrage-Rückgang nach Diesel-Autos dürfte mittlerweile auch Daimler erreicht haben (auch wenn es zu den Antriebsarten keine Detail-Informationen gibt), vor allem aber hat Mercedes ja einen Zulassungsstopp für einige Modelle zu bewältigen.

          Generell spricht man bei Daimler von „Herausforderungen in der Fahrzeugverfügbarkeit“, die das Absatzminus „wie erwartet“ herbei geführt hätten. In der Tat hat sich einiges schon abgezeichnet, weshalb Daimler sogar im Sommer schon seine Gewinnprognose zurückgenommen hat. Denn nicht nur die Verkäufe gehen zurück, all die Schwierigkeiten werden von den Kunden auch noch für Rabattverhandlungen genutzt, sodass die Marge stark unter Druck gerät. Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche benutzte in einer Telefonkonferenz mit Journalisten in dem Zusammenhang sogar das Wort „Schlamassel“.

          Ein wichtiger Grund für rückläufige Verkäufe sind auch die neuen  Abgasvorschriften, die für alle Modelle eine Zertifizierung nach dem WLTP-Standard erforderlich machen. Alle Fahrzeuge seien zertifiziert, betonte eine Sprecherin. Durch die Priorisierung dieses Themas in Europa sei es aber teilweise zu Verzögerungen in anderen Märkten gekommen. So habe es in Nordamerika mit Blick auf die dort ab dem kommenden Jahr geltenden Abgasnormen eine „Angebotslücke“ gegeben: „Jetzt füllen wir die Bestände wieder auf.“

          Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche ist während der Detroiter Automesse in diesem Januar gemeinsam mit Arnold Schwarzenegger aufgetreten.

          Neben all diesen Umständen gibt es zudem Modellwechsel bei wichtigen Umsatzträgern. So ist die neue C-Klasse erst seit Juli in Europa auf dem Markt, aber in Amerika und China noch nicht. Und auch die A-Klasse ist nach der Markteinführung im Mai noch im Hochlauf begriffen. Für die B-Klasse aus dem Jahr 2011 lässt das Interesse ebenfalls spürbar nach.  In der Kompaktklasse seien aber neue Impulse zu erwarten, heißt es, denn die Zahl der Modelle wird von fünf auch acht erhöht. So kommt beispielsweise die A-Klasse als Limousine für Amerika und in einer Langversion für China.

          Britta Seeger, die im Daimler-Vorstand für den Mercedes-Vertrieb  verantwortlich ist, blickt unterdessen noch viel weiter in die Zukunft: Mit dem Elektromodell EQC, das vorige Woche in Stockholm vorgestellt wurde, werde man „zusätzliche Akzente und Impulse auf dem Markt setzen“, gerade weil das Modell auf den erfolgreichen Geländewagen aufsetze. Bestellen kann man den EQC aber noch nicht, sondern nach den Worten von Konzern-Chef Dieter Zetsche erst „früh im Jahr 2019“.

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