https://www.faz.net/-gqe-aapxg

Zukunft von Mercedes : Schicksalsauto EQS

  • -Aktualisiert am

Vom EQS hängt viel ab für Mercedes. Bild: AP

Mit der neuen Elektro-Limousine zeigt Mercedes: von Jagen kann gar nicht die Rede sein. Der Konzern will Tesla ganz locker überholen und den Markt von oben her aufrollen.

          1 Min.

          Der Begriff vom „Tesla-Jäger“ wurde oft verwendet, wenn von den Mercedes-Plänen für die erste elektrische Luxuslimousine die Rede war. Das passt, wenn man damit ausdrücken will, dass Mercedes die Verfolgung aufgenommen hat, aber der neue EQS ist viel mehr – denn die Pionier-Zeit ist vorbei. Es geht nicht mehr darum, ein Statussymbol für Leute anzubieten, die zeigen wollten, dass sie den Klimawandel ernst nehmen, den Verbrenner-Motor für überkommen halten und dass sie sich diese Überzeugung etwas kosten lassen.

          Für den Daimler-Konzern geht es um etwas anderes: der Erfinder des Automobils muss in eine dekarbonisierte Zukunft katapultiert werden, ohne dass dabei allzu viel Kollateralschaden entsteht.

          Die Strategie dafür war lange nicht erkennbar, weshalb man den Stuttgartern wie der ganzen deutschen Autoindustrie mehr oder weniger hämisch vorgeworfen hat, die Elektromobilität zu verschlafen. Jetzt zeigt sich: von Jagen kann gar nicht die Rede sein, Mercedes will Tesla ganz locker überholen und den Markt von oben her aufrollen.

          Wer einen EQS fährt, soll sich keineswegs als Pionier fühlen, der irgendwo Abstriche machen müsste. Ein EQS ist Luxus und Innovation, und Klimaschutz ist selbstverständlich inbegriffen, begehrenswert und deshalb renditestark. Die Zukunft von Mercedes hängt davon ab, ob dieses Kalkül aufgeht.

          Im Augenblick sieht es ganz gut aus. Während vor einem Jahr die Fabriken geschlossen waren und alles ganz düster aussah, hat Daimler doch mit einem Milliardengewinn abgeschlossen, und dieses Jahr startet noch viel erfolgreicher: mit 5,8 Milliarden Euro weist der Konzern für das erste Quartal ein Ergebnis aus, das schon ziemlich nah an den Wert des gesamten Vorjahres von 6,6 Milliarden Euro heranreicht.

          Vor allem die Chinesen kaufen sehr gerne die teuren Limousinen, die besonders renditestark sind. Das hilft dem Stuttgarter Konzern, die Innovationen zu finanzieren, die für den Erfolg der Zukunft nötig sind. Das größte Risiko besteht jetzt darin, die Dimension der Aufgabe zu verkennen: die Transformation hat gerade erst begonnen, ans Ausruhen sollte man nicht einmal denken.

          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Weitere Themen

          Der Zug ist im Inland günstiger als der Flug

          Klimadebatte : Der Zug ist im Inland günstiger als der Flug

          Keine Inlandsflüge und keine Billigtickets mehr – mit diesen Forderungen wird Fliegen zum Wahlkampfthema. Dabei gibt es innerdeutsch schon jetzt fast keine Schnäppchen.

          Frühjahrsmüdigkeit an den Börsen Video-Seite öffnen

          Frankfurt : Frühjahrsmüdigkeit an den Börsen

          Nach den jüngsten Kursgewinnen ist die Luft bei Europas Börsen vorerst raus. Bei den Kryptowährungen sorgte Elon Musk abermals für Aufregung.

          Ein neuer Mediengigant entsteht

          AT&T Fusion : Ein neuer Mediengigant entsteht

          Der amerikanische Telekommunikationskonzern AT&T verschmilzt sein Mediengeschäft mit dem Wettbewerber Discovery, um bessere Chancen gegen Konkurrenten wie Netflix zu haben. Es ist eine abrupte Wende.

          Topmeldungen

          Israelische Polizisten bei einer Demonstration am 12. Mai in Lod

          Ausschreitungen in Israel : „Es geht ihnen nicht um Koexistenz“

          Nach den Unruhen in Jerusalem ist die Gewalt in vielen gemischten Orten in Israel eskaliert. Besonders schlimm war es in Lod, einer Achtzigtausend-Einwohner-Stadt, in der jeder Dritte einen arabischen Hintergrund hat.
          Streitobjekt in der Klimadebatte: Lufthansa-Flugzeug landet in Frankfurt.

          Klimadebatte : Der Zug ist im Inland günstiger als der Flug

          Keine Inlandsflüge und keine Billigtickets mehr – mit diesen Forderungen wird Fliegen zum Wahlkampfthema. Dabei gibt es innerdeutsch schon jetzt fast keine Schnäppchen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.