https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/mercedes-setzt-auf-luxus-a-und-b-klasse-koennten-verschwinden-18043464.html

Neue Strategie : Mercedes setzt ganz auf Luxus

Ole Källenius bei der Eröffnung einer neuen Fabrik in Alabama. Bild: Reuters

Maybach, AMG, S-Klasse: Mercedes setzt immer radikaler auf seine allerteuersten Modelle. Dem könnten die A- und B-Klasse zum Opfer fallen.

          2 Min.

          Luxus, Luxus, Luxus: Der Mercedes-Konzern setzt noch radikaler auf seine allerteuersten Modelle. Das erklärten Vorstandschef Ola Källenius und sein Finanzvorstand Harald Wilhelm am Donnerstagvormittag in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Drei Viertel der Investitionen sollen in die teuersten Autos fließen, es gibt eine elektrische Produktoffensive bei den Luxuslimousinen von Maybach, den hochmotorisierten AMG-Autos und der kastenförmigen G-Klasse. Und diese sogenannten Top-End-Luxus-Modelle, zu denen auch die S-Klasse gehört, sollen einen immer größeren Anteil an den Verkäufen ausmachen. Mercedes präsentiert am Nachmittag auf einem Kapitalmarkttag den Anlegern seine Strategie. Titel der Veranstaltung ist: „Die Ökonomie des Begehrens“.

          Gustav Theile
          Wirtschaftskorrespondent in Stuttgart.

          Dafür könnte der Konzern auch die A- und B-Klasse opfern. Beide Modelle werden in einer Pressemitteilung, in der das Unternehmen seine Strategie erläutert, nicht erwähnt. Darauf angesprochen sagte Källenius: Man definiere den Eintrittspunkt in die Marke Mercedes neu. „Den Rest überlasse ich Ihrer Vorstellung“, sagte er. Mercedes teilt seine Modelle künftig in drei Kategorien ein: Neben den absoluten Luxusmodelle gibt es „Kern-Luxus-Modelle“ wie die C- oder die E-Klasse und zudem bald ein speziell auf China zugeschnittenes Modell.

          „Wir sehen erheblich Fortschritt bei der Preissetzung“

          Für die „Einsteiger-Luxus-Modelle“ will der Konzern „die technologische Substanz der Produkte erheblich aufwerten“, heißt es in der Mitteilung. Mercedes spricht von „höherer Positionierung“, was unter anderem bedeuten dürfte, dass die günstigsten Mercedes-Autos künftig erheblich teurer werden. „Wir sehen erheblich Fortschritt bei der Preissetzung“, sagte Finanzchef Wilhelm am Donnerstag. „Wir wollen dieses Momentum aufrecht erhalten.“ Mercedes dreht also weiter fleißig an der Preisschraube.

          Mercedes hatte die Luxusstrategie schon vor der Pandemie und der Halbleiterknappheit eingeschlagen, betonte Källenius in der Telefonkonferenz. Man werde die Strategie auch danach weiter verfolgen. Das lässt sich als Wink in Richtung von Konkurrenten verstehen, die aufgrund des Chipmangels zurzeit ebenfalls vor allem teure, margenstarke Autos herstellen. Die Profitabilität soll bis Mitte des Jahrzehnts bei günstigem Marktumfeld auf 14 Prozent steigen, wie das Unternehmen mitteilte.

          Das entspricht in etwa dem, was etwa die Analysten der Deutschen Bank erwartet hatten. Die Luxusstrategie kam an der Börse bisher gut an, aus Sicht der Anleger ist das Unternehmen heute dreimal so viel wert wie auf dem Tiefpunkt zu Beginn der Corona-Pandemie. Bisherige Kapitalmarkttage haben aus Sicht der Deutsche-Bank-Analysten einen Beitrag dazu geleistet. Die absoluten Luxus-Modelle, in die Mercedes verstärkt investiert, bezeichnen sie aufgrund der hohen Marge schon als „geheimes Porsche“.

          Weitere Themen

          Europaparlament macht Weg für „grüne“ Atomkraft frei

          Taxonomie : Europaparlament macht Weg für „grüne“ Atomkraft frei

          Die umstrittenen Taxonomie-Regeln für Atomkraft und Gas können Anfang 2023 wie geplant in Kraft treten. Das Europaparlament verfehlt die nötige Mehrheit, um das zu blockieren, deutlich. Aufgeben wollen die Gegner dennoch nicht. Einen Hebel haben sie noch.

          Topmeldungen

          Rauft sich die Haare: Boris Johnson am Mittwoch bei einer Befragung im Unterhaus

          Britische Regierungskrise : Johnson blickt in den Abgrund

          Nach den Ministerrücktritten bröckelt die Unterstützung für Boris Johnson. Schon kursieren Gerüchte, eine Delegation sei auf dem Weg, um dem Premierminister den Rücktritt nahezulegen. Doch der gibt sich kämpferisch.
          Olaf Scholz vor dem Bundestag

          Scholz im Bundestag : Und was macht der Krieg mit uns?

          Die Befragung des Kanzlers drehte sich um die wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Ukrainekrieges. Bei Fragen zu Rüstungslieferungen wich Scholz aus. Und wurde bei Linken-Chefin Wissler giftig.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.