Trotz hoher Gewinne :
Mercedes meldet auch in Stuttgart Kurzarbeit an

Von Gustav Theile, Stuttgart
Lesezeit: 2 Min.
Das Mercedes-Stammwerk in Stuttgart-Untertürkheim
Dass der Autohersteller in Bremen Kurzarbeit einführte, sorgte schon für Kritik. Nun ist auch das Stammwerk in Untertürkheim betroffen. Nach Konzernangaben geht es nur um einzelne Teams.

Mercedes-Benz hat nicht nur in Bremen, sondern auch in seinem Stammwerk in Untertürkheim Kurzarbeit angemeldet. Das bestätigte eine Konzernsprecherin auf Anfrage. Es handle sich nur um einzelne Teams, die Umfänge seien „nochmal deutlich geringer als in Bremen“. Mercedes reagiere dabei mit Arbeitszeitinstrumenten und „tageweise Kurzarbeit“ auf kurzfristige Lieferengpässe. Zuerst hatten die „Stuttgarter Nachrichten“ berichtet.

Anfang der Woche hatte für Aufsehen gesorgt, dass der Hersteller in seinem Bremer Werk trotz hoher Gewinne Kurzarbeit einführte. Das Werk ist mit 12.500 Mitarbeitern eines der größten des Unternehmens. Dort waren von der Maßnahme laut Betriebsrat 700 Mitarbeiter betroffen, die von Anfang März an für elf Arbeitstage in Kurzarbeit gehen. Auch andere Autohersteller haben aufgrund von Engpässen immer wieder Kurzarbeit eingeführt und gleichzeitig hohe Gewinne erzielt.

In den sozialen Medien gab es Empörung über Mercedes. Auch aus der Politik kam Kritik. „Kurzarbeit und Milliardengewinne passen nicht zusammen“, hatte Dennis Radtke, stellvertretender Vorsitzender des CDU-Sozialflügels, gesagt: „Öffentliche Gelder für die Gewinnmaximierung zu verwenden ist unanständig.“

Der Konzern verteidigte sich offensiv und verwies auf die eigenen Steuerzahlungen und Beiträge zu den Versicherungssystemen. „Mercedes-Benz prüft den Einsatz von Kurzarbeit sehr sorgfältig unter Einhaltung der geltenden Kurzarbeiterregelungen“, teilte eine Sprecherin nun mit.

Im vergangenen Jahr erzielte der Konzern einen operativen Gewinn von 20,5 Milliarden Euro, unter dem Strich blieb ein Ergebnis von knapp 15 Milliarden Euro, ein Drittel mehr als im Vorjahr. Am Mittwochabend will Mercedes-Chef Ola Källenius in Kalifornien Neuheiten zur Digitalstrategie vorstellen.