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Für sein E-Auto : Mercedes-Ingenieur sucht Anhängerkupplung

Bernd Spindler kämpft dafür, dass er seine Schafe künftig mit seinem Mercedes-E-Auto herumfahren kann. Bild: Susanne Preuß

Die elektrische Mercedes B-Klasse hat keine Anhängerkupplung. Ein Ingenieur will sich damit nicht abfinden – und hat eine Crowdfunding-Aktion gestartet.

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          Schafe hat Bernd Spindler als Kind schon geliebt. Sein Opa hatte welche, sie haben ihn Naturverbundenheit gelehrt. Längst erwachsen und selbst Vater von zwei Grundschulkindern, ist Spindler nun überraschend zu drei Schafen gekommen und damit quasi unerwartet zu einem ökologischen Rasenmäher für seine Streuobstwiese. Fehlte nur noch die Möglichkeit, die Tiere auch mal zu einer anderen Weide zu transportieren. Seine elektrische Mercedes-B-Klasse hatte zwar keine Anhängerkupplung, aber Spindler, selbst Ingenieur bei Daimler, war zuversichtlich: „Das wird schon klappen mit der Nachrüstung, dachte ich.“

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Ein Jahr später hat er immer noch keine Anhängerkupplung. Aber er hat alle Hebel in Bewegung gesetzt. Sogar um den „Car-Talk“ mit Dieter Zetsche hat er sich beworben, eine Aktion, die es Daimler-Mitarbeitern ermöglicht, während einer Autofahrt mit dem Vorstandsvorsitzenden über ein Herzensanliegen zu sprechen. Das klappte nicht. Der Wunsch, so bedeutete man ihm, habe keine Chance auf Realisierung.

          Wieder mal musste Tesla ran

          Doch Bernd Spindler will sich damit nicht abfinden. Er hat Spezialbetriebe gefunden, die eine Nachrüstung leisten könnten. Jetzt sucht er Mitstreiter, die das gleiche Anliegen haben und das Vorhaben finanzieren könnten, sofern Daimler selbst dafür kein Budget bereitstellt. Es geht um einen fünfstelligen Betrag für die Entwicklung mitsamt legaler Zertifizierung beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA). Für die Crowdfunding-Idee gibt es sogar ein Vorbild: Für den Renault Zoe wurde tatsächlich eine Anhängerkupplung zum Nachrüsten zertifiziert, obwohl auch Renault selbst daran kein Interesse hatte. Andere Stromer mit Anhängerkupplung gibt es kaum. Der Nissan ENV 200 darf als Transporter 460 Kilo ziehen, als Personenwagen aber nur 180 Kilo, ebenso wie der Kleinstwagen Renault Twizzy mit seiner ungewöhnlichen, offenen Bauart.

          Die Pionierrolle hat abermals Tesla übernommen. Der Tesla X ist das einzige elektrische Serienauto mit Anhängerkupplung. Die Welt beeindruckte Tesla damit, dass der Geländewagen einen Wohnanhänger auf die Bühne zog. Bis zu 2,25 Tonnen dürfen an den Haken. Wer aber mit so einer Last über die Alpen fahren will, braucht starke Nerven, wie plastische Schilderungen von Testfahrern zeigen: Der Motor hat zwar mehr als genug Kraft, die Batterieladung reicht aber nur mit Glück bis zur nächsten Ladestation.

          Die etablierten Autohersteller erkannten das Problem schon vorab. Mit Blick auf Reichweite und Fahrleistung habe man sich bei der elektrischen B-Klasse gegen eine Anhängerkupplung entschieden, teilt Mercedes mit. Für Bernd Spindler ist das nicht nur persönlich enttäuschend – in seinen Augen vergibt Daimler damit eine Chance, eine wichtige Zielgruppe zu bedienen.

          Kein Interesse mehr für die B-Klasse

          Seine Logik: Menschen, die nun schon ein Elektroauto kaufen, seien oft auch Pioniere der Energiewende. „Der Strom aus einer Photovoltaikanlage kostet heutzutage nur noch 11 Cent pro Kilowattstunde. Das macht 1,90 Euro für 100 Kilometer Reichweite“, rechnet der Schwabe vor. Mit dieser Kalkulation vor Augen würde sich wohl mancher Eigenheimbesitzer mit Solaranlage für ein gebrauchtes Elektroauto entscheiden. Die Gebrauchten kommen jetzt nach und nach auf den Markt, während ihre Erstbesitzer oft Unternehmen und Behörden waren. Gleichzeitig haben solche Kunden, bei denen es am Eigenheim immer was zu werkeln gibt, Interesse an einer Anhängerkupplung, ohne dass eine große Reichweite oder eine allzu große Anhängelast verlangt würden.

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