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Für sein E-Auto : Mercedes-Ingenieur sucht Anhängerkupplung

Die Argumente verhallen bei Daimler aber ungehört. „Wir legen den Schalter um“, wiederholt eine Sprecherin des Konzerns die Botschaft zur Elektrooffensive. Unter der Marke EQ werden in den nächsten Jahren zehn reine Elektromodelle von Mercedes auf den Markt kommen – und schon für das erste Modell, den Geländewagen GLC, der diesen Herbst vorgestellt wird, ist eine Anhängerkupplung zumindest in der Diskussion.

Angesichts dieser Pläne interessiert man sich Daimler-intern nicht mehr so recht für die B-Klasse, die für Mercedes das erste Elektromodell in Großserie war. Im Gegenteil: Seit dem vorigen Herbst wird die B-Klasse Electric Drive gar nicht mehr produziert – obwohl die EQ-Modelle noch auf sich warten lassen. Und mit Nacharbeiten will man sich offenbar nicht befassen. Der nachträgliche Einbau einer Anhängerkupplung, so gibt die Daimler-Sprecherin zu bedenken, wäre ein antriebsstrang- und crashrelevanter Eingriff in die Fahrzeugarchitektur. Eine entsprechende Unbedenklichkeitsbescheinigung werde man daher nicht ausstellen können.

Dann muss halt doch der Audi herhalten

Bernd Spindler, der zuerst bei Bosch und mittlerweile bei Mercedes als Ingenieur reichlich Erfahrung gesammelt hat, ist sich aber sicher, dass gerade die robuste B-Klasse bestens geeignet wäre: „Ich habe das alles untersucht: Bremsen, Geometrie, Motorleistung. Die Batterie ist weit genug entfernt von der Anhängerkupplung, es gäbe also auch kein Problem bei einem Heckaufprall.“ Der Markt, das räumt der 38 Jahre alte Ingenieur ein, wäre nicht besonders groß. Wäre die Ausstattungsquote ähnlich wie bei den Modellen mit Verbrennungsmotor, gäbe es aber immerhin 1500 potentielle Interessenten, hat er ausgerechnet. Selbst wenn die meisten von ihnen doch Bedenken wegen der Reichweite hätten, blieben noch 500 Kandidaten für eine Anhängerkupplung, ist Spindler überzeugt. „Man braucht einen, der zeigt, dass es geht“, glaubt er.

Aus Gesprächen mit zwei Spezialbetrieben weiß er, dass man für die Zertifizierung des nachträglichen Einbaus mit einem niedrigen fünfstelligen Betrag rechnen müsste. Bezahlen oder zumindest vorschießen müssten das Sponsoren, aber geteilt durch 500 Kunden wäre es nur noch ein zweistelliger Betrag für jeden.

Ob er so viele findet? Bei Wolf Feinmechanik in Bayern, wo man die Anhängerkupplung für den Renault Zoe konstruiert und zertifiziert hat, sind in einem Jahr nur 200 Anhängerkupplungen verkauft worden. „Das ist kostendeckend, aber es ist kein Massengeschäft“, heißt es von Wolf mit erkennbar gebremster Begeisterung über einen potentiellen Auftrag für weitere Modelle. Spindler trommelt weiter für sein Anliegen. Trotzdem wird er wahrscheinlich immer noch seinen 24 Jahre alten Audi mit Anhängerkupplung nutzen, wenn er im Herbst seine Schafe auf eine Weide am Mercedes-Werk Sindelfingen bringt.

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