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Mercedes-Benz : Die nächste E-Klasse bremst vor der Kreuzung

Die neue E-Klasse von Mercedes soll auch bei ungemütlichen Autofahrkonditionen mehr Sicherheit bieten als die Vorgängermodelle. Bild: Imago

Die Spur halten auf der Autobahn und das Fernlicht bei Gegenverkehr ausschalten – das kann ein Mercedes mit jeder Modellreihe noch besser. Der teure Komfort findet reißenden Absatz.

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          Von Komfort ist die Rede und von Sicherheit, wenn man bei Mercedes über die Neuerungen für das nächste E-Klasse-Modell spricht, das 2016 auf den Markt kommt. Dafür ist die Kundschaft bereit, viel Geld zu bezahlen, jetzt schon – insofern ist die Weiterentwicklung nichts anderes als wirtschaftliche Logik, wobei Mercedes-Manager Michael Hafner schwärmt, das Angebot gehe weit über den „klassenüblichen Status“ hinaus. Technisch befördert Mercedes seine Kunden mit den neuen Angeboten einen Schritt weiter hin zum autonomen Fahren: Immer mehr steuert und reagiert das Auto selbst, vor allem auch in brenzligen Situationen.

          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Das Stau-Ende auf der Autobahn ist eine solche Situation. Ausweichen nach rechts oder links ist unmöglich, wenn sich auf drei Spuren gleichzeitig plötzlich der Verkehr staut. In dem Fall bremst die nächste E-Klasse, selbst wenn man noch mit 95 Kilometern je Stunde in Richtung Stau unterwegs ist. „Das Fahrzeug merkt ja, dass es keine andere Chance gibt, einen Unfall zu vermeiden“, erklärt Clemens Belle bei der Vorstellung der Neuentwicklungen in Sindelfingen. Auch vor der Kreuzung bremst die nächste E-Klasse selbst, wenn der Fahrer offenkundig ein Auto oder Fahrrad übersieht und nicht selbst bremst. Bisher gibt es in solchen Situationen nur einen Warnton.

          Strafzettel vermeiden

          „Der Fahrer kann die Systeme immer übersteuern“, betont Belle aber – er könnte ja Gründe haben für sein Verhalten. Generell soll die angebotene Technik das unterstützen, was der Fahrer ohnehin tut. So bremst das Auto noch ein bisschen stärker, wenn ein etwas zu zögerlicher Fahrer die Kollision nicht vermeiden könnte. Oder es bremst schwächer, wenn das eigentlich ausreichend ist und Kettenreaktionen vermieden werden können. Auch der Ausweichassistent regelt nach, wenn der Fahrer einem Fußgänger ausweichen möchte, aber dafür nicht stark genug lenkt.

          Auf der Autobahn hält der Lenkpilot die Spur bis 130 Kilometer je Stunde selbst dann, wenn es keine saubere Spur-Markierung gibt, sondern lediglich andere Autos auf den Nebenspuren. Strafzettel zu vermeiden hilft die Funktion „Distronic plus“, die Tempolimits und Ortseingangsschilder erkennt und die Geschwindigkeit entsprechend anpasst.

          Was die Fahrerassistenz-Funktionen kosten werden, ist noch nicht bekannt. Für die heutigen Luxusmodelle stehen Pakete für rund 2500 Euro in den Mercedes-Preislisten. Mehr als jede zweite S-Klasse in Europa wird mit einem solchen Paket bestellt, heißt es bei Daimler. In Deutschland liege die Ausstattungsrate sogar über 90 Prozent.

          Jede Variante an Lichtbedarf abgedeckt

          Auch für Licht-Sonderausstattungen greifen die Mercedes-Kunden tief in die Tasche. Selbst von den tendenziell eher preissensiblen A-Klasse-Kunden entscheidet sich jeder zweite für ein Lichtpaket, das auch dazu dient, die Marke in Szene zu setzen: Die nächste E-Klasse wird den Mercedes-Schriftzug im Scheinwerfer zeigen. Für Komfort und Sicherheit wiederum ist ein handtellergroßes Gerät zuständig, durch das 84 LED einzeln angesteuert werden können. So ziemlich jede Variante an Lichtbedarf werde dadurch abgedeckt, stellt Lichtspezialist Uwe Kostanzer in Aussicht: Beispielsweise werde das Fernlicht nur ganz genau in jenen Segmenten abgeschaltet, wo der entgegenkommende Verkehr geblendet werden könnte.

          Komfortangebote betrachtet man bei Daimler als „Einstiegsdroge“, weil der Nutzen jeden Tag erfahrbar wird. Für die passive Sicherheit seien die Kunden nicht ganz so zahlungsbereit. Das Angebot wird gleichwohl ausgeweitet, etwa im Bereich des Insassenschutzes. Im Fall einer Seitenkollision drücken die Vordersitze ihre Insassen etwas auf die Seite, unmittelbar bevor es kracht – damit der Seitenairbag genügend Platz hat. Auch das Gehör wird geschützt, indem ein lautes Zischen vor dem Aufprall den Stapedius-Reflex im Ohr der Insassen auslöst, so dass der anschließende Knall keinen Schaden verursacht.

          Mit dem Handy parken

          Ein Teil der neuartigen Funktionen lagert Mercedes auf die Handys der Nutzer aus. Enge Garagen sind kein Problem mehr, wenn das Auto vom Handy aus auf die richtige Parkposition bugsiert werden kann. Und auch als Schlüssel kann das Handy benutzt werden – eine Funktion, die vor allem für Flottenbetreiber entwickelt wurde, wo das Fahrzeug nicht nur von Nutzer zu Nutzer wechselt, sondern auch für die Pflege, die Wartung und fürs Zwischenparken immer wieder von unterschiedlichen Personen auf- und zugeschlossen werden muss. „Seit Jahren hat man uns gebeten, das Handling mit den Schlüsseln zu vereinfachen“, berichtet Schließsystem-Experte Andreas Pohlmann. „Uns war aber wichtig, dass wir den Diebstahlschutz gewährleisten.“

          Das Problem ist jetzt gelöst, weil die Mobilfunkanbieter nach und nach die Secure-Sim-Card unter die Kundschaft bringt. Diese Karte hat einen Speicherbereich, der vom Betriebssystem des Handys unabhängig ist und daher als sicher betrachtet wird. Den klassischen Schlüssel wird es aber auch künftig geben – denn bei der Marke mit dem Stern weiß man genau: Viele Kunden werden doch gern mit einem markanten Mercedes-Schlüssel gesichtet.

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