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Als erster Autohersteller : Mercedes darf hochautomatisiertes Fahren anbieten

  • Aktualisiert am

Der „Drive Pilot“ darf zunächst in der Luxuslimousine S-Klasse eingebaut werden. Bild: Reuters

Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum autonomen Fahren: Das Kraftfahrt-Bundesamtes lässt den „Drive Pilot“ von Mercedes zu. Bis zu einer Geschwindigkeit von 60 Kilometer pro Stunde darf der Fahrer die Hände vom Steuer nehmen.

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          Als erster Autobauer weltweit hat Mercedes-Benz die Genehmigung für hochautomatisiertes Fahren bekommen. Mit Erlaubnis des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) kann das Unternehmen den schon angekündigten „Drive Pilot“ zunächst in der Luxuslimousine S-Klasse und dem elektrischen Pendant EQS einbauen, wie Daimlers Pkw-Tochter Mercedes-Benz am Donnerstag mitteilte. Es handele sich um die weltweit erste Typgenehmigung auf Basis der international geregelten Sicherheitsanforderungen, erklärte das KBA. Die deutsche Behörde setzte damit international Maßstäbe auf dem Weg zum völlig autonomen Fahren. Die Lizenz ermöglicht, dass ein Fahrer die Hände vom Steuer nehmen und sich mit anderen Dingen beschäftigten kann.

          „Wir nennen es, die Mondlandung vorzubereiten für einen Paradigmenwechsel in der Mobilität“, sagte Mercedes-Entwicklungschef Markus Schäfer. Dies sei nach einem Kraftakt von eigener Software-Entwicklung und vielen, vielen Tests sowie mit immensem Technikaufwand im Fahrzeug gelungen.

          Viel Aufwand für hohe Sicherheit

          Begrenzt ist der Einsatz des automatischen Spurhaltesystems nach der technischen Vorgabe der Vereinten Nationen (UN-Regel 157) auf eine Geschwindigkeit von maximal 60 Stundenkilometern auf Autobahn-ähnlichen Straßen, erklärte das KBA. In Deutschland deckt es sämtliche Autobahnen ab. Der Anwendungsfall ist damit auf hohes Verkehrsaufkommen und Stau auf Autobahnen begrenzt. Der Fahrer muss jederzeit bereit sein, das Lenkrad nach einer Aufforderung des Systems wieder in die Hand zu nehmen – zum Beispiel, um an die Seite zu fahren, wenn ein Einsatzfahrzeug naht. Die Genehmigung für Mercedes sei ein wichtiger erster Schritt auf dem Weg zur Automatisierung, erklärte KBA-Präsident Richard Damm. Sicherheit der neuen Technologie sei der zentrale Punkt, denn es bedürfe des Vertrauens der Verbraucher.

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          Um die strengen Vorgaben zu erfüllen, wird ein Auto mit Lidar- und Radarsensoren sowie mit Kameras ausgestattet, wie Schäfer weiter erklärte. Von den redundanten, gleichartig arbeitenden Systemen müssten immer mindestens zwei funktionieren, damit der Fahrer das Steuer loslassen kann. „Der Weg, den wir wählen, ist ein sehr aufwendiger, indem wir maximale Sicherheit in den Mittelpunkt stellen“, sagte Schäfer.

          Im nächsten Schritt soll die Höchstgeschwindigkeit auf bis zu 130 km/h steigen und automatischer Spurwechsel zum Überholen möglich sein. Doch dafür gibt es noch keine rechtliche Grundlage. Die Regulierer wollten zunächst auch Erfahrungen mit der jetzt möglichen Technik sammeln. Das vollautonome Fahren habe sich außerdem als unerwartet schwierig herausgestellt, sagte Schäfer.

          Damit sei erst Mitte oder Ende dieses Jahrzehnts zu rechnen. „Der Nutzen von automatisiertem Fahren ist extrem, ich bin überzeugt, dass es weiter geht.“ Geschäftspotenzial winkt den Autobauern nämlich auch mit digitalen Diensten etwa für Unterhaltung oder Shoppen während der Autofahrt.

          Die Markteinführung in S-Klasse-Modellen in Deutschland sei für das erste Halbjahr 2022 geplant, erklärte Schäfer weiter. In anderen Ländern müssten noch Begleitgesetze verabschiedet werden, die den Einsatzbereich und Haftungsfragen klären. Denn erstmals geht die Haftung vom Fahrer auf das Fahrzeug, das heißt auf den Automobilbauer über.

          Er sehe keine großen Hindernisse, dass in Europa, China und den USA die Regulierung komme, sodass Mercedes die Technik überall dort anbieten könne. Einen Preis für den „Drive Pilot“ nannte Schäfer noch nicht. Doch die Kaufbereitschaft und Preisakzeptanz bei den Kunden sei wahrscheinlich hoch. Das habe schon die unerwartet hohe Nachfrage nach dem über die gesamte Front reichenden Display „Hyperscreen“ gezeigt.

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