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Mercedes auf der IAA : „Die Transformation ist in vollem Gange“

IAA in München: Der neue EQE von Mercedes Bild: EPA

Auf der IAA in München präsentiert Mercedes gleich mehrere neue Modelle - viele davon mit Elektroantrieb. Den endgültigen Abschied vom Verbrennermotor hat Ola Källenius auf der IAA allerdings nicht beschworen.

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          Ein Feuerwerk an Präsentationen neuer Autos brennt der Daimler-Konzern mit seiner Marke Mercedes auf der IAA ab. Vorstandschef Ola Källenius sagte bei einer Präsentation in München am Rande der IAA: „Die Transformation ist in vollem Gange.“ Dabei werde das Engagement des Konzerns für bessere Nachhaltigkeit des Autofahrens unter Beweis gestellt. Wie attraktiv inzwischen der Elektroantrieb geworden sei, zeige sich daran, dass inzwischen ein Drittel der Neukunden einen Antrieb mit Elektromotor wähle. Eingeschlossen sind dabei offenbar auch Hybridautos.

          Tobias Piller
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Bisher hatte auch Mercedes beim Auftritt auf einer wichtigen Automesse wie der IAA meist nur die Präsentation eines einzigen neuen Modells inszeniert, vielleicht noch angereichert durch die Präsentation einer aufsehenerregenden Designstudie mit einem Ausblick auf die ferne Zukunft. Bei der nun nach München verlegten IAA gab es dagegen fünf Präsentationen. Die wichtigste davon ist das Elektromodell für die obere Mittelklasse, das der bisherigen E-Klasse zur Seite gestellt wird. Dieses Modell hat äußerlich nichts gemein mit der aus langen Traditionen hervorgegangenen E-Klasse, sondern wird als kleiner Bruder des kürzlich vorgestellten Luxus-Elektroautos EQS präsentiert, mit den gleichen Merkmalen, die mit bisherigen Formen brechen. Dazu gehört vor allem das Dach in Form einer langgezogenen geschwungenen Kuppel, das aus der bisherigen Limousine ein Schrägheck macht. Die Angst vor mangelnder Reichweite der Batterien will man den Kunden mit zwei Nachrichten nehmen: Der neue EQE soll mit einer Ladung bis zu 660 Kilometer weit fahren – verhaltene Fahrweise vorausgesetzt. Und mit 15 Minuten Ladezeit soll unter optimalen Bedingungen die Reichweite um bis zu 250 Kilometer erweitert werden.

          SUV mit Elektroantrieb

          Die weiteren Präsentationen von Mercedes sollten zeigen, dass auch die als „Submarken“ geführten Spezialsparten eine elektrische Zukunft haben. AMG war bisher als Anbieter von sportlichen Ableitungen der Mercedes-Modelle mit besonders PS-starken Motoren bekannt. Eine Zukunftsperspektive für AMG zeigt auf der IAA das Modell AMG EQS als starke Ableitung der neuen Luxuslimousine EQS, mit bis zu 761 PS (569 kW) Leistung, einem Drehmoment von mehr als 1000 Nm und Soundgenerator sowohl innerhalb als auch außerhalb des Autos, um Ersatz für den bisherigen tief grollenden Klang der großen Achtzylindermotoren zu schaffen. Für die mit extremem Luxus auftretende Submarke Maybach wurde ein neuer großer SUV mit Zweifarbenlackierung gezeigt und mit Karosserieteilen, die mit einem Muster aus kleinen Maybach-Logo übersät sind, so wie es in Amerika oder in manchen Emiraten gefallen könnte.

          Auch für den bisherigen Inbegriff des benzinfressenden großen SUV, die besonders geländegängige G-Klasse, wurde als Studie eine rein elektrisch betriebene Version vorgestellt, dekoriert mit allerlei Lichtleisten zur Betonung sowohl des Elektroantriebs als auch der kantigen Formen. Unterstrichen wurde bei dieser Präsentation die Feststellung, dass auch dieser Geländewagen eine elektrische Zukunft haben werde. Schließlich folgte den Mercedes-Präsentationen noch die Enthüllung einer Designstudie, mit der die Zukunft der Kleinwagenmarke Smart aufgezeigt werden soll. Die Smart-Modellpalette ist nur noch mit Elektroantrieb ausgestattet, die Produktion wird allerdings nach China verlegt, in ein Gemeinschaftswerk mit dem chinesischen Autobauer (und Daimler-Aktionär) Geely. Doch dort sollen dann nicht mehr nur Kleinstwagen gebaut werden wie bisher, sondern, wie nun gezeigt, auch kleine SUV, die mehr der chinesischen Nachfrage entsprechen.

          Elektrisch, wo es der Markt erlaubt

          Mercedes macht nun in kürzester Zeit sein Versprechen wahr, in allen Autosegmenten ein rein elektrisch betriebenes Modell anzubieten. Zuvor wurden schon in allen Verbrennermodellen Hybridmotoren integriert. Mercedes hatte sich lange Zeit gelassen mit einer Strategie für Elektroautos. Zunächst gab es dort nur Smart-Modelle und dann von 2015 bis 2019 die kompakte B-Klasse mit rein elektrischem Antrieb. Der konnte bei den höheren Modellen ohne große Probleme integriert werden, weil genügend Platz war für den Einbau einer Batterie am Fahrzeugboden. Eine Beteiligung und die Kooperation mit dem Elektroauto-Pionier Tesla gab Mercedes Einblick in dessen Erfahrungsschatz, im Gegenzug für Konstruktionshilfen für den gewöhnlicheren Teil der Tesla-Autos. Die Kooperation ist aber inzwischen beendet, die Minderheitsbeteiligung mit viel Gewinn verkauft. 2019 wurde schließlich mit dem EQC der erste vollelektrische Mercedes präsentiert, eine Ableitung des Mittelklasse-SUV GLC.

          Während Volkswagen sofort einen eigenen Baukasten für reine Elektromodelle konstruierte, sucht Mercedes den Elektroantrieb in bestehende Karosseriestrukturen der einzelnen Segmente zu integrieren. Die im Vergleich zu Volkswagen niedrigeren Stückzahlen hätten einen sofort eingeführten eigenen Elektrobaukasten unrentabel gemacht. Zudem bleibt Mercedes flexibel, indem Elektro- und Verbrennermodelle von den gleichen Fertigungsbändern laufen. Die Verhältnisse sollen sich aber in der Zukunft ändern, wenn immer mehr Elektromodelle angeboten und verkauft werden.

          Bis Mitte des Jahrzehnts soll es einen neuen Baukasten namens „MMA“ geben, mit dem die künftigen Modelle konstruiert werden. Für diese technische Plattform gilt dann, dass die Optimierung des Einbaus von Elektroantrieben Priorität hat und dass sich umgekehrt dann die auf den Einbau von Verbrennermotoren spezialisierten Ingenieure eventuell auch mit Kompromissen arrangieren müssen, um den traditionellen Antrieb einzubauen. Den endgültigen Abschied vom Verbrennermotor hat Ola Källenius auf der IAA allerdings nicht beschworen, im Wissen, dass Mercedes in aller Welt verkauft werden und dass nicht überall in der Welt in gleicher Form Elektro-Zapfsäulen zur Verfügung stehen werden. Die Zukunftsperspektive lautete daher: „Bis 2030 bieten wir nur noch elektrisch angetriebene Autos an – wo das der Markt erlaubt“.

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