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Mensch und Maschine : Die Roboter sind unter uns

  • -Aktualisiert am

Der lebensgroße RoboThespian kann Sketche aufführen und Besucher durch Ausstellungen begleiten. Bild: AFP

Sie reden, musizieren und räumen bei Bedarf sogar das Kinderzimmer auf: Eine neue Generation von Robotern wird den Menschen immer ähnlicher.

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          Kennen Sie Marvin? Marvin ist ein Roboter, und er spielt eine wichtige Rolle in der Science-Fiction-Satire „Per Anhalter durch die Galaxis“, die sich der britische Schriftsteller Douglas Adams Ende der siebziger Jahre ausgedacht hat. Marvins Gehirn oder besser gesagt: seine Ansammlung von Prozessoren, ist der menschlichen Intelligenz meilenweit überlegen. Was einem Menschen auch einfällt, Marvin hatte die Idee garantiert schon. Was ein Mensch auch erleben mag, Marvin hat die Erfahrung schon gemacht. Was ein Mensch auch erfindet, der Bauplan schlummert schon irgendwo in den Tiefen von Marvins Verkabelung. Weil keiner der Menschen, mit denen Marvin Umgang pflegt, auch nur annähernd sein Niveau erreicht, verfällt der Roboter in eine tiefe Depression - und verbringt seine Zeit ausschließlich damit, jedem, der es nicht hören will, zu erzählen, wie die permanente Unterforderung ihm zusetzt.

          Marvin gewinnt seinen Charme aus der Tatsache, dass seine Existenz damals zwar nicht unvorstellbar, aber aus technischer Sicht noch nicht einmal annähernd realisierbar war: Die Welten von Mensch und Maschine waren strikt getrennt, echte Roboter waren tonnenschwere Industriemaschinen, die in Metallkäfigen Autokarossen zusammensetzten und denen die Menschen bloß nicht zu nahe kommen durften. Roboter, mit denen die Menschen zusammenleben oder -arbeiten konnten oder die ihnen gar ähnlich sahen, beflügelten zwar die Phantasie, aber sie waren ein Kuriosum, ein Hobby für technikversessene Bastler. Bis vor wenigen Jahren konnten die wenigen humanoiden Exemplare weder Treppen steigen noch allein aufrecht stehen, geschweige denn menschliche Intelligenz überflügeln.

          All das ändert sich gerade sehr schnell. Zwar verfügen heutige Roboter noch nicht über Marvins Sarkasmus, doch sie können reden und auf Menschen eingehen, Schlagzeug spielen und sogar Theater. Mit Hilfe immer leistungsfähigerer Mikrochips lernen sie viel schneller als noch vor wenigen Jahren. Und in der Industrie gibt es neben den tonnenschweren Metallmonstern mittlerweile auch Leichtbauroboter, mit denen Menschen fast wie mit einem Kollegen zusammenarbeiten können. Wirtschaftlich beginnt sich die Entwicklung von Robotern auch abseits der Industrie zu rentieren; nicht umsonst investiert Google gerade massiv in Roboterfirmen. Eine Welt, in der Menschen und Roboter mehr oder weniger harmonisch nebeneinanderleben, rückt auf diese Weise immer näher.

          Die Roboter lernen schnell

          Sicher bewegt sich vieles noch im Bereich der Spielerei: Roboter, die singen, Schlagzeug spielen oder Kunst erklären, funktionieren hauptsächlich als Werbegags. Den kleinen Naos, die nach dem Willen ihrer Entwickler alltägliche Begleiter des Menschen sein sollen, müssen Wissenschaftler so simple Dinge wie Treppensteigen oder Spielzeug aufräumen erst mühsam beibringen. Und die japanischen Pflegeroboter, die sich in einer alternden Gesellschaft um Leute kümmern sollen, die sich nicht mehr selbst versorgen können, sind ihren Testern noch ziemlich unheimlich.

          Doch die Roboter lernen schnell. Und das Zusammenwachsen der Welten von Mensch und Maschine ist nicht länger auf die Industrie beschränkt. Beim Augsburger Roboterhersteller Kuka geht zum Beispiel gerade der Leichtbauroboter iiwa in Serie, ein Roboterarm, der sich mit seinen sieben Achsen nicht nur wie ein menschlicher Arm bewegen, sondern auch sehr schnell auf Ereignisse in seiner Umgebung reagieren kann: kommt ein Mensch ihm zu nahe, bremst er ab und wird „weich“, so dass der Mensch ihn wieder in die richtige Position rücken kann. Richtig programmiert, genügt ein kleiner Stups, damit er seine Tätigkeit wiederaufnimmt.

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