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Allianzpartner uneinig : Konflikt zwischen Renault und Nissan bricht offen aus

Die Logos der Kooperationspartner bei einer gemeinsamen Händlerniederlassung im französischen Saint-Avold Bild: Reuters

Will Renault die Nissan-Hauptversammlung blockieren? Noch ist die Fusion mit Fiat nicht endgültig gescheitert.

          Wenige Tage nachdem die Fusion zwischen Fiat-Chrysler und Renault geplatzt ist, brechen zwischen den Allianzpartnern Renault und Nissan Motor Spannungen auf. In einem am Wochenende bekanntgewordenen Brief an Nissan erklärte Renault, es könne die Vorschläge zur Reform der Unternehmensführung von Nissan nicht mittragen. In einer außergewöhnlichen Stellungnahme bezeichnete Nissan die neue Haltung des Partners als „höchst bedauerlich“. Für japanische Verhältnisse ist das eine deutliche Kritik.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Großaktionär Renault, der 43,3 Prozent an Nissan hält, würde mit der angedrohten Stimmenthaltung die Korrektur der Unternehmensführung auf der Hauptversammlung am Ende Juni faktisch blockieren. Für Nissan kommt das überraschend, nachdem zuvor die Renault-Vertreter im Verwaltungsrat, darunter Renault-Verwaltungsratschef Jean-Dominique Senard, den Vorschlägen zugestimmt hatten.

          Jetzt aber stellt Senard in dem Brief die Forderung, dass Renaults Mitsprache in der neuen Führungsstruktur klar berücksichtigt werden müsse. Er scheint besorgt, dass der Einfluss auf Nissan schwinden könnte. Es ist wahrscheinlich eine Frage der Interpretation, ob der Vorstoß gegen eine Bestimmung im nichtöffentlichen Kooperationsabkommen verstößt, wonach Renault sich als Aktionär nicht in die Führung Nissans einmischen darf.

          Fusion nicht ausgeschlossen

          Der Zug Renaults wirkt wie eine Gegenreaktion auf das Verhalten Nissans vergangene Woche. Nissans Vertreter im Verwaltungsrat von Renault hatten Fusionsverhandlungen mit Fiat-Chrysler nicht abgelehnt, aber auch nicht zugestimmt. Die zögerliche Haltung der Japaner trug mit dazu bei, dass Fiat-Chrysler sein Fusionsangebot zurückzog. Nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters gibt es aber weitere Gespräche der Unternehmen über eine Hochzeit.

          Eine Fusion von Renault mit Fiat-Chrysler bleibe eine „schöne Möglichkeit“, sagte der französische Finanzminister Bruno Le Maire zuvor in Tokio vor Journalisten. Er setzte indes als Priorität, dass die zwei Jahrzehnte währende Zusammenarbeit von Renault mit Nissan dauerhaft abgesichert werde. Er beharre nicht auf einer Fusion, sondern sei auch offen für andere Lösungen, sagte er und forderte die Leitungen von Nissan und Renault auf, sich schnellstmöglich zu einigen. Der Franzose und der japanische Industrieminister Hiroshige Seko bekräftigten nach einem Gespräch ihre „starke Unterstützung“ für die Allianz von Renault und Nissan.

          In der undurchsichtigen Gemengelage sorgte Le Maire für zusätzliche Verwirrung, indem er am Rande des G-20-Finanzministertreffens in Aussicht stellte, dass Frankreich seinen 15-Prozent-Anteil an Renault verringern könnte, um Nissan eine Fusion von Renault mit Fiat-Chrysler schmackhaft zu machen. Schon lange ist Nissan der Einfluss des Staats auf Renault ein Ärgernis. Womöglich nach einer Intervention des französischen Präsidenten schwächte Le Maire seine Erklärung ab und verschob eine mögliche Verringerung des Staatsanteils auf die Zukunft.

          Die Drohung Senards, Nissans Reform zu blockieren, stärkt in Yokohama das Misstrauen. Nach den Turbulenzen um den früheren Renault-Chef Carlos Ghosn sollte Senard die Partnerschaft in ruhigere Fahrwasser führen, schlug aber dennoch eine Fusion vor, die Nissan strikt ablehnt. Die Gespräche mit Fiat-Chrysler führte er an Nissan vorbei und weihte den Partner erst in letzter Minute ein. Auch in der französischen Regierung komme Unmut über den Verwaltungsratsvorsitzenden von Renault auf, heißt es. Er soll falsche Zuversicht vermittelt haben, dass Nissan der Fusion Renault-Fiat-Chrysler zustimme. „Senard genießt das Vertrauen des französischen Staates“, sagte Le Maire. Auf die Frage, ob er durch ihn fehlgeleitet wurde, lächelte der Minister.

          Die neue Form der Unternehmensführung, die Nissan auf der Hauptversammlung beschließen lassen will, soll für Transparenz und Kontrolle sorgen. Drei Ausschüsse würden über die Besetzung der Spitzenpositionen und die Managerentlohnung mitreden. Das soll eine Machtballung verhindern, nachdem Nissan den Skandal um den geschassten Ghosn auf eine nahezu diktatorische Stellung des ehemaligen Chefs zurückführt.

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