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Kraftfahrt-Bundesamt-Kommentar : Distanzlose Diesel-Behörde

Einladend ist es nicht gerade: Das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg Bild: dpa

Der Musterbrief des Kraftfahrt-Bundesamtes an die Besitzer älterer Dieselautos liest sich wie eine Werbebotschaft von VW, BMW und Daimler. Mehr Distanz täte der Flensburger Behörde gut.

          Der Musterbrief des Kraftfahrt-Bundesamtes an Millionen verunsicherter Besitzer älterer Dieselautos beginnt mit den Worten „Sehr geehrter Herr ...“. Schon diese Anrede könnte den Puls Hunderttausender Autofahrerinnen beschleunigen. Der Text ist mindestens so kritikwürdig. So schreibt das Amt, betroffene Bürger könnten Umtauschprämien, Leasingangebote oder Rabatte der Fahrzeughersteller nutzen. Allerdings sind ausschließlich Hotlines und Mailkontakte von VW, Daimler und BMW aufgeführt.

          Der Autofahrerklub ADAC beklagt zu Recht, das Schreiben lese sich wie eine Werbebotschaft der drei Hersteller. Bei sensiblen Adressaten, die seit Monaten unter dem Wertverlust ihrer Dieselautos leiden, kommt dieser Tonfall nicht gut an – zumal sie die Erfahrung machen, dass einige Händler das KBA-Schreiben als „Berechtigungsnachweis“ sehen wollen, bevor sie Rabatte gewähren. Dabei sind es Hersteller und Händler, die an den Abwrackprämien am Ende verdienen werden.

          Mehr Distanz täte dem Flensburger Amt gut, will es nicht immer wieder in den Ruf der Kungelei mit der Autoindustrie geraten. Auch hier muss es alte Verhaltensmuster abstreifen – wie bei der Anrede im Brief.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

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