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Mehr Angebot als Nachfrage : Rabattschlacht am Automarkt

  • -Aktualisiert am

Rabatte lassen die Margen vieler Hersteller weiter schmelzen Bild: dapd

Rosige Zeiten für Neuwagenkäufer: Die Preisnachlässe haben ein Rekordniveau erreicht. Für die Hersteller ist das weniger gut.

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          Die europäische Autoindustrie muss sich darauf einstellen, dass sich der heimische Automarkt in der zweiten Jahreshälfte noch schwächer als bisher gedacht entwickeln wird. Nach einer Studie des Car-Centers Automotive Research der Universität Duisburg-Essen, die dieser Zeitung vorliegt, hat das Rabattniveau auf dem deutschen Markt inzwischen einen Rekordstand erreicht. „Noch nie war der Preiskampf so hart“, lautet der Titel. Im Juli sei der Car-Rabatt-Index mit 121 Zählern auf ein historisches Höchstniveau gestiegen, heißt es in der Studie. Der durchschnittliche Kundenvorteil bei den offenen Herstelleraktionen stieg von knapp 12 Prozent auf fast 13 Prozent Nachlass auf den Listenpreis.

          Weitere Anzeichen deuten auf einen sehr schwachen Markt hin: Die sogenannten „taktischen Zulassungen“, die die Autohersteller und Händler selbst vornehmen, erreichten 30 Prozent aller Neuwagenzulassungen, und die Rabatte bei den Internetvermittlern stiegen auf 19 Prozent. Die Privatkundenzulassungen in Deutschland hätten im zweiten Quartal, von April bis Juni, den schlechtesten Wert seit zehn Jahren erreicht. Die Neuwagenzulassungen der Unternehmen sind im zweiten Quartal unter die Werte des Vorjahresquartals gefallen. „Dies ist ein Zeichen, dass sich im deutschen Automarkt Rezession breitmacht“, urteilt Studienautor Ferdinand Dudenhöffer.

          Marktbereinigung nicht mehr unrealistisch

          Die Lage im deutschen Automarkt habe sich im Juli abermals deutlich verschlechtert. Das gemessene Rabattniveau zeige, dass der deutsche Automarkt in den nächsten Monaten vor einer schwierigen Phase steht. Eine Marktbereinigung über Rabatte, die für einzelne Hersteller nicht mehr darstellbar sind, sei nicht mehr unrealistisch. Der bisher ertragsreiche Markt Deutschland werde für immer mehr Hersteller zum Verlustmarkt, warnt das Institut.

          Das heißt auf der anderen Seite: Die rosigen Zeiten für Käufer eines Neuwagens gehen weiter. Unter den deutschen Autoherstellern ist laut Car-Institut Opel mit den weitaus höchsten Rabatten und Kaufanreizen im Markt. Die Modelle Opel Corsa und Opel Astra würden bei Internetvermittlern mit bis zu 35 Prozent Rabatt offeriert. Dies gelte für reguläre, individuell spezifizierbare Neuwagen, also keine Tageszulassungen. Zusätzlich biete Opel den Corsa als Sondermodell zum Preis von 9990 Euro mit 25 Prozent Preisvorteil. Auch Volkswagen befeuere den Preiskampf. So böten etwa große Händler den VW Up mit Rabatten bis zu 29 Prozent in Zeitungsanzeigen an. Der Preiskampf im deutschen Automarkt sei auch im Premiummarkt angekommen. Beispiel dafür sei ein Leasingangebot für den BMW 1er mit einem Kundenvorteil von 23 Prozent. So hart wie derzeit war der Rabatt- und Verdrängungswettbewerb in Deutschland noch nie.

          Was für die Kunden erfreulich ist, bringt viele Autohersteller in die Bredouille. Denn die Rabatte lassen die Margen vieler Hersteller weiter schmelzen. Der Präsident des deutschen Autoindustrieverbands VDA, Matthias Wissmann, erwartet in der zweiten Jahreshälfte zunehmende Schwierigkeiten: „Wir müssen davon ausgehen, dass der Gegenwind zunimmt.“

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