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Austritt von Styrol : Mehr als 1000 Verletzte bei schwerem Chemie-Unfall in Indien

Tote und Verletzte gibt es nach einem abermaligen Chemieunfall in Indien. Bild: AFP

In Indien ist aus einer Fabrik von LG Chem bei einem Unfall Gas ausgetreten. Mindestens elf Menschen wurden getötet. Die dramatischen Bilder wecken Erinnerung an eine Katastrophe in den achtziger Jahren.

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          Noch ist der Umfang dieser Katastrophe nicht abzuschätzen, böse Erinnerungen aber werden wach: In Indien ist es zu einem weiteren schweren Unfall in einer Chemiefabrik gekommen. Bis zum Abend wurden mindestens 13 Tote und mehr als 1000 Verletzte gezählt, nachdem es in der Fabrik von LG Polymers in Visakhapatnam zu einem Austritt von Styrol gekommen war. Zuvor war in Schätzungen auch von mehr als 5000 Verletzten die Rede gewesen.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Bis heute hat sich das Land nicht von der Industriekatastrophe im Chemiewerk in Bhopal im Jahr 1984 erholt, zumal dessen Eigentümer Union Carbide sich immer um die Verantwortung drückte. Menschenrechtsgruppen sprechen von mehr als 20.000 Toten in Bhopal. Am Nachmittag erklärten Eigentümer der Fabrik, die Lage sei unter Kontrolle gebracht, der Gasaustritt nur noch „minimal“.

          Gaswolke erreichte Menschen am frühen Morgen im Schlaf

          Die Gaswolke erreichte die Menschen am frühen Morgen im Schlaf. Sie habe sich noch im Dunkel der Nacht über Teile der Stadt gelegt, hieß es. Augenzeugen berichteten von Frauen, Kindern und Männern, die auf den Straßen lagen und um Atem rangen. Mit Rikschas, aber auch auf dem Rücken getragen, wurden sie in Krankenhäuser gebracht. Unter den Toten soll auch ein achtjähriges Mädchen sein.

          Die Polizei forderte die Bürger aus, sich feuchte Tücher vor Mund und Nase zu binden und die Häuser und Hütten nicht zu verlassen. Eine Zone von rund 3 Kilometern rund um die Fabrik sei gefährdet. Die Hafenstadt mit ihren gut drei Millionen Einwohnern liegt am Golf von Bengalen, im südöstlichen Bundesstaat Andhra Pradesh.

          Styrol (Phenylethen) wird unter anderem genutzt, um Kunststoffe herzustellen aber auch als Lösungsmittel eingesetzt. Die im Jahr 1961 gegründete Fabrik ging nach mehreren Eigentümer-Wechseln im Jahr 1997 in den Besitz der südkoreanischen LG Chem über. Die Koreaner beliefern unter anderem Volkswagen und General Motors mit Batterien.

          Ärzte und Krankenschwestern kümmern sich im Krankenhaus von Visakhapatnam um eine Verletzte.
          Ärzte und Krankenschwestern kümmern sich im Krankenhaus von Visakhapatnam um eine Verletzte. : Bild: EPA

          Die Vorprodukte aus Indien fließen in Plastikspielzeug und Kosmetikdosen. Untersuchungen nach sollen nur rund 60 Prozent der Firmen in Andhra Pradesh angemessenen Sicherheitsvorkehrungen folgen. Der Polizeichef der Region erklärte allerdings, LG habe in der nun betroffenen Fabrik „alle Regeln befolgt“, es handele sich um einen Unfall.

          Angeblich soll ein Feuer ausgebrochen sein. Die Fabrik war erst am 25. März wieder eröffnet worden, nachdem ihre Arbeit wegen der Corona-Ausgangssperre unterbrochen worden war.

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