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F.A.Z. exklusiv : Medizindienstleister GHD steht vor nächstem Eignerwechsel

GHD, das Unternehmen des ehemaligen Handballprofis Andreas Rudolph, soll verkauft werden. Bild: dpa

Der Geschäftsführer des Medizindienstleisters GHD war mal Handballprofi und Funktionär. Jetzt soll sein Unternehmen zum wiederholten Mal verkauft werden. Es geht um hunderte Millionen Euro.

          Der Medizindienstleister GHD steht nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vor einem neuerlichen Eigentümerwechsel. Der Finanzinvestor Nordic Capital hat die Suche nach einem Käufer eingeleitet, wie mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen berichten. Das Private-Equity-Haus habe dafür die Investmentbank Macquarie mandatiert. Nordic Capital hatte GHD im Jahr 2014 von der Beteiligungsgesellschaft IK (vormals Industri Kapital) erworben; der Wert betrug damals Finanzkreisen zufolge etwa 500 Millionen Euro.

          Klaus Max  Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Jetzt dürften weit mehr anfallen. Das jährliche Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll informierten Personen zufolge um die 75 Millionen Euro liegen. Der Unternehmenswert einschließlich Schulden wird üblicherweise als Vielfaches des Ebitda ausgehandelt – und bei den gängigen Multiplikatoren ist ein hoher dreistelliger Millionenbetrag vorstellbar, wenn nicht mehr. Nordic Capital und Macquarie lehnten einen Kommentar ab. Immerhin ist der GHD-Umsatz offiziell bekannt, nämlich 580 Millionen Euro im vergangenen Jahr.

          Schillernder Gründer

          GHD ist durch seinen schillernden Gründer und Geschäftsführer Andreas Rudolph bekannt. Er spielte früher in der Handball-Bundesliga, wurde später Präsident des HSV Hamburg und dessen wichtigster Sponsor. Der GHD-Schriftzug war auf den Trikots zu lesen. GHD – Gesundheits GmbH Deutschland – bietet Produkte und Dienstleistungen zur Nachsorge für Patienten an, die aus dem Krankenhaus entlassen sind. Darunter sind viele schwerkranke Menschen. Die Gesellschaft liefert ihnen Arzneien und Hilfsmittel, legt Pumpen für Infusionen an und kontrolliert künstliche Darmausgänge (Stomata). Konkurrenten sind kleine regionale oder örtliche Anbieter.

          Der Preis für GHD scheint mit jedem Eignerwechsel zu steigen, das Unternehmen zirkuliert innerhalb der Private-Equity-Branche: Rudolph veräußerte eine Mehrheit an seiner 1992 gegründeten Gesellschaft im Jahr 2007 an Barclays Private Equity (heute als Equistone firmierend). Dieser Investor reichte sie im Jahr 2010 weiter an IK, zu einem Unternehmenswert von 300 bis 320 Millionen Euro, wie Insider damals berichteten. Die jetzt mandatierte Bank Macquarie spielte schon da eine Rolle, nämlich als Beraterin von IK.

          Eine Million Patienten

          GHD bezeichnet sich als „das größte ambulante Gesundheits-, Therapie- und Dienstleistungsunternehmen Deutschlands“, mit 3000 Mitarbeitern, 1800 institutionellen Kunden und einer Million Patienten. Nordic Capital führt sechs deutsche Unternehmen im Korb seiner Beteiligungen, fünf davon aus dem Gesundheits- und Pflegesektor. Besondere Aufmerksamkeit erlangte Ende 2017 wegen des hohen Preises Alloheim, der zweitgrößte deutsche Pflegeheimbetreiber. Nordic erwarb ihn dem Vernehmen nach für mehr als eine Milliarde Euro.

          Außer GHD und Alloheim besitzt das Private-Equity-Haus im deutschen Medizinsektor den Augenklinikbetreiber Ober Scharrer, den Rollstuhlhersteller Sunrise Medical und den im Gesundheitswesen tätigen Einkaufsdienstleister Prospitalia. Sechste deutsche Beteiligung ist der Kindersitzhersteller Britax.

          Ein siebtes Unternehmen im deutschsprachigen Raum ist Acino aus der Schweiz: ein Arzneihersteller, also wiederum ein Unternehmen im Medizinsektor. Im Januar wurde ein weiterer Erwerb in der Schweiz angekündigt, im italienischsprachigen Teil: der von Board International, einem Anbieter einer in der Cloud angesiedelten kommerziellen Entscheidungsplattform. Die Gesellschaft wird aber noch nicht als Beteiligung angeführt. Insgesamt investierte Nordic Capital nach eigenen Angaben bislang im deutschsprachigen Raum etwa 3 Milliarden Euro in zehn Unternehmen.

          Der Investor will seinen Marktauftritt in Deutschland, Österreich und der Schweiz verstärken, das wurde vor eineinhalb Wochen aus einer Personalie deutlich. Ko-Leiter des deutschsprachigen Raums wird im Juni Rainer Lenhard, neben Joakim Lundvall. Lenhard soll sich von Frankfurt aus vor allem um Nordics Kernbranchen Gesundheitswesen, Technologie und Zahlungssysteme sowie Finanzdienstleistungen kümmern. Er kommt von der Investmentbank Goldman Sachs, für die er europäische Medizinunternehmen abdeckte, im besonderen solche im deutschsprachigen Raum. Zuvor hatte er für die Unternehmensberatung McKinsey gearbeitet.

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