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Medienimperium : Murdoch muss um Übernahme von BSkyB bangen

  • -Aktualisiert am

Druck und Schachzüge: Rupert Murdoch gibt den Kampf um die Übernahme von BSkyB nicht auf Bild: dpa

Rupert Murdochs Chancen schwinden, den Bezahlfernsehsender BSkyB komplett zu übernehmen. Die britische Regierung stellt sich gegen die Pläne des Medienzars.

          3 Min.

          In Großbritannien wächst der Widerstand von Politik und Öffentlichkeit gegenüber Rupert Murdoch, der sein Medienreich in Europa durch die komplette Übernahme des britischen Bezahlfernsehsenders BSkyB ausweiten will. An dem börsennotierten Unternehmen, das auch in Deutschland tätig ist, hält er gegenwärtig 39 Prozent. Für den Kauf der restlichen Anteile ist er bereit, umgerechnet rund 9 Milliarden Euro zu bezahlen.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die britische Regierung fordert Murdoch nun zur Aufgabe seiner milliardenschweren Expansionspläne auf. Sowohl Premierminister David Cameron als auch die Regierung werde einen Parlamentsantrag der Opposition unterstützen, in dem Murdochs Medien-Konzern News Corp dazu gedrängt wird, von dem Kauf des Bezahlsenders BSkyB Abstand zu nehmen, erklärte ein Regierungssprecher am Dienstag. Die Abstimmung am Mittwoch ist zwar nicht bindend, erhöht jedoch den politischen Druck auf Murdoch erheblich. BSkyB-Aktien reagierten deshalb mit Kursverlusten auf die Erklärung der Regierung - sie büßten 3,3 Prozent ihres Wertes ein.

          Den Abschluss der lukrativen Transaktion brachte erst kürzlich der Abhörskandal des Boulevardblattes „News of the World“ ins Wanken, das ebenfalls zum Medienimperium von Murdoch gehört und von der in London ansässigen Holdinggesellschaft News International gesteuert wird. Die üblen Recherchepraktiken des „News“-Personals, die rund 4000 Privatpersonen illegal abhörten und Polizisten systematisch bestachen, um exklusive Informationen zu erhalten, sorgten für einen Aufschrei im Land. Um Politiker und Öffentlichkeit zu besänftigen, zog Murdoch bei „News“ rasch die Notbremse und stellte das Skandalblatt am vergangenen Sonntag ein.

          Doch diese Hauruck-Aktion reicht nicht aus, um Zweifel an den Geschäftsmethoden auszuräumen. Denn seit Wochenbeginn ist klar, dass nicht nur bei „News of the World“, sondern auch beim Schwesterblatt „Sun“ oder der angeblich so seriösen „Sunday Times“ illegale Recherchemethoden zum normalen Zeitungsalltag gehören.

          Gewinn in Milliardenhöhe erwartet

          Die Missstände im britischen Zeitungsreich von Murdoch sind so gravierend, dass dadurch nicht nur die Reputation des amerikanisch-australischen Unternehmers beschädigt wird, sondern auch seine Ambitionen im europäischen Medienmarkt mehr als fragwürdig erscheinen. Daher steht nicht nur Murdochs Engagement im britischen Zeitungsgeschäft, das er seit Jahren mit einem Marktanteil von rund 60 Prozent dominiert, sondern auch sein Aufstieg zum Alleinherrscher von BSkyB zur Debatte.

          Die Aussicht, künftig 100 Prozent an dem Sender zu halten, ist vor dem Hintergrund attraktiv, dass das Unternehmen im vergangenen Jahr ein operatives Ergebnis von 1,1 Milliarde Pfund erwirtschaftete und auch im laufenden Geschäftsjahr einen Gewinn in Milliardenhöhe erwartet. Von solchen Zahlen ist die Tochtergesellschaft Sky Deutschland, die 2010 einen Verlust von 408 Millionen Euro auswies, weit entfernt.

          Zweifel am Geschäftsgebahren

          Die üblen Machenschaften von „News“ und den anderen Murdoch-Zeitungen lösten nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch in Londoner Regierungskreisen Entrüstung sowie Widerstand aus. Der ehemalige Premierminister Gordon Brown, dessen private Bank- und Kontendaten zuletzt von Rechercheuren der „Sunday Times“ ausspioniert wurden, fordert beispielsweise, dass eine unabhängige Kommission den langjährigen „Machtmissbrauch“ von Murdochs Medienimperium untersuchen solle. Kurz zuvor hatte der britische Kultur- und Medienminister Jeremy Hunt die nationale Regulierungsbehörde Ofcom eingeschaltet, um die geschäftliche Integrität Murdochs zu überprüfen und so seinen Plan, BSkyB komplett zu übernehmen, möglichst zu torpedieren.

          Zweifel am Geschäftsgebahren von News International sind angebracht, seitdem bekannt wurde, dass das Management der europäischen Holding in London sowie auch einige Führungskräfte im New Yorker Mutterkonzern News Corp. über die Machenschaften in den Redaktionen von „Sun“, „News“ und „Sunday Times“ genau informiert waren. Nach Angaben des Fernsehsenders BBC lagen in den Chefetagen der beiden Gesellschaften seit 2007 Dossiers mit E-Mails vor, die eindeutig dokumentieren, dass Informationen von korrupten Mitgliedern der Polizei erkauft wurden.

          Geschickter Schachzug

          Erst in diesem Jahr, als immer mehr Details über die Abhöraffäre von „News“ ruchbar wurden, ließ News Corp. intern prüfen, wie belastend das Material für den Medienkonzern sein könnte. Um weitere Enthüllungen und eine öffentliche Konfrontation mit britischen Regierungsmitgliedern zu vermeiden, sorgte Murdoch am Montag dafür, dass sich mit dem geplanten Eigentümerwechsel nicht die Regulierungsbehörde Ofcom, sondern nur noch die nationalen Kartellwächter befassen.

          Murdoch rückte von seiner ursprünglichen Zusage an die Regierung ab, im Falle einer Komplettübernahme von BSkyB den zum Sender gehörenden Nachrichtenkanal „Sky News“ an Dritte zu verkaufen. Durch diesen geschickten Rückzieher war seine Vereinbarung mit der Regierung Makulatur. Medienminister Hunt wurde so gezwungen, den „Fall BSkyB“ an die Kartellwächter zu übergeben. Murdoch ist guter Hoffnung, dass die Wettbewerbshüter die Transaktion genehmigen.

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