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Medien in Österreich : Machtkampf auf dem Boulevard

Hans Dichand - der Herausgeber der Kronen Zeitung - starb im Alter von 89 Jahren Bild: Bildmontage FAZ.NET / picture alliance / dpa

Der Tod des Verlegers Hans Dichand könnte Bewegung in Österreichs hochkonzentrierten Zeitungsmarkt bringen. Die deutsche WAZ-Gruppe will die Kronen Zeitung zur Gänze übernehmen. Vieles hängt nun von den Plänen der Dichand-Erben ab.

          Wenn eine Branche ihren Primus verliert, kann sich in ihrem Gefüge viel ändern. Genau an diesem Punkt steht derzeit die österreichische Medienwelt. Mit dem Ableben des Herausgebers Hans Dichand könnte bei Österreichs größter Tageszeitung „Krone“ ein neuer Machtkampf eröffnet werden.

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Die WAZ-Gruppe ist wie die Familie Dichand Hälfte-Gesellschafter der Zeitung und schielt auf eine Alleineigentümerschaft. WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach bestätigte gegenüber dem österreichischen Rundfunk das grundsätzliche Interesse, die Kronen Zeitung zur Gänze zu übernehmen. Das sei aber eine verfrühte Spekulation, sagte Hombach, denn er habe von einem Angebot der Familie Dichand nichts gehört.

          Über einen Verkauf ihrer Krone-Anteile denke die WAZ nun jedenfalls nicht mehr nach, heißt es. Die Familie Dichand stellte am Samstag klar, dass sie keinen Verkauf ihrer Anteile plane. Im Gegenteil bereite man ein Angebot zur Übernahme der WAZ-Anteile vor. Nach Dichands Tod – er verstarb am vergangenen Donnerstag – erhält der Essener Verlag automatisch mehr Eigentümerrechte. Als Alleingeschäftsführer und Herausgeber hatte Dichand das wirtschaftliche Sagen. Den Posten des Alleingeschäftsführers mit allen personellen Vollmachten gibt es nun nicht mehr, die Geschäftsführung wird künftig paritätisch besetzt, Dichands Erben und die WAZ entscheiden in wirtschaftlichen und personellen Fragen gleichberechtigt. Das Vorschlagsrecht für den Chefredakteur – seit 2003 ist das der von Dichand senior eingesetzte Sohn Christoph Dichand – liegt weiter bei der Familie Dichand.

          „Dichand hinterlässt ein Machtvakuum“

          Dichand selbst erklärte zeit seines Lebens, dass er sein Lebenswerk in der Familie halten und weitergeben wolle. Zuletzt hatte der Medienpatriarch, dessen Vermögen auf 750 Millionen Euro geschätzt wird und der auch eine sagenumwobene Kunstsammlung angehäuft hat, über Monate hinweg versucht, den Anteil der WAZ zurückzukaufen. Kolportiert wurde ein Verkaufspreis von 200 Millionen Euro, ein Preis, der Dichand zu hoch erschien. Beim Einstieg der WAZ 1987 soll diese nach damaligen unbestätigten Brancheninfos umgerechnet etwa 100 Millionen Euro gezahlt haben.

          Mit den geänderten Kräfteverhältnissen im Hause Krone könnte die WAZ nun versuchen, ihren wirtschaftlichen Einfluss zu erhöhen. Operativ blieb die Krone zuletzt hinter den Erwartungen zurück. Für das vergangene Geschäftsjahr (per Ende Juni) weist die Krone Verlag GmbH laut Firmenbuch bei einem Umsatz von 52 Millionen Euro einen Überschuss von 7,7 Millionen Euro aus.

          Viel hängt jetzt von den Plänen der Dichand-Erben ab. Eine bedeutende Rolle wird dabei Christoph Dichand zufallen. Möglicherweise kommt auch dessen Frau Eva ins Spiel, die die Gratis-Zeitung „Heute“ betreibt. Wenig verlegerische Ambitionen werden hingegen seinen Geschwistern Michael und Johanna nachgesagt.

          Auf den österreichischen Medienmarkt hat der Tod Dichands Auswirkungen. „Dichand hinterlässt ein Entscheidungs- und Machtvakuum“, sagt Josef Trappel, Professor für Medienpolitik und Medienökonomie an der Universität Salzburg. Die Frage sei, ob die „Kronen Zeitung“ ohne Dichand in der Lage ist, die Dominanz zu erhalten. Andernfalls könnten andere Zeitungen Anteile im hochkonzentrierten Markt zufallen, mutmaßt Trappel.

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